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Beitragsbild der Geschichte "Außergewöhnlich – wo Träume bleiben dürfen", SoulStory Schreibwettbewerb von dem Soulbuddies e.V.

Außergewöhnlich – wo Träume bleiben dürfen

eine Geschichte aus dem SoulStory Schreibwettbewerb, geschrieben von Delia Ana (15 Jahre)

Es war eine Nacht, genauso wie alle anderen Nächte. Der Regenbogen goss sich schon über den Club und der starke Regensturm war längst vorbei.

In Buddy-Land hatte man nie Sorgen, es war der Ort, an dem ich einfach alles vergessen konnte, einfach ich selbst sein und einfach die Zeit genießen, als wäre es meine letzte Minute zum Leben, und vielleicht war es diese auch. Das einzige Merkwürdigste an Buddy-Land war, dass ich nie wusste, wie ich hierherkam. Ich öffnete die Augen und ich war einfach da. 

Es gab keinerlei Tag und keinerlei Nacht, es war einfach alles nur bunt, laut und chaotisch, aber genauso gefiel es mir auch am meisten. Wir Menschen sind so derart gewohnt, gleich zu sein, wobei ,,gleich’’ sein einfach nur langweilig ist, warum wird ,,anders’’ sein sowas vom Herzen gehasst? Obwohl wir es wertschätzen sollten? 

Wir Menschen sind wie ein Garten voller bunter Blumen, manche duften besser, manche sind kleiner oder größer, aber wir blühen nicht gleichzeitig auf, und das ist auch okay. Wir sollten anders sein, anders sein ist gut und auch gesund für uns. In der normalen Welt ist das aber ein Albtraum, täglich in der Schule ausgelacht zu werden, weil man anders ist, weil man einen anderen Körperbau, andere Aussprache oder andere Wurzeln hat. Aber Pflanzen können doch nicht ohne Wurzeln überleben, oder? Und ist doch egal, woher die alle kommen. 

Die Pausen allein zu verbringen ist für mich schon zur Angewohnheit geworden und gehört zur täglichen Routine dazu. Morgens wird hinten in der letzten Reihe ein Platz ausgesucht, der muss so gut sein, dass man nicht mal merkt, dass ich da bin, und so wird der ganze 9-stündige Schultag ausgehalten, seit Jahren. Um genau zu sein, seitdem ich 7 Jahre alt bin und Krebs zu meinem neuen besten Freund geworden ist. Und seitdem hat sich alles verändert: Stimmungsschwankungen, Panikattacken und meine Haare, die meine Sitznachbarin immer in kleine Zöpfchen geflochten hat, waren dank der Chemotherapie längst verschwunden.

In Buddy-Land war es anders, hier konnte ich einfach, ja, ich sein. Auch ohne Haare, auch mit Stimmungsschwankungen und keiner hätte was gegen mich, wortwörtlich keiner. Hier juckt es niemanden, was du machst, und die Kreaturen hier sind viel netter als die Menschen auf unserer normalen Welt. 

Du kannst mit Elefanten und bunten Dinos tanzen, mit Aliens Einrad fahren, zusammen mit Oktopussen eine Pizza mit Gummibärchen genießen und sogar die Sonne lächelt dich an und die Wolken singen, es ist magisch. So magisch, dass man da niemals weg möchte, aber alle schönen Sachen, die man im Leben hat, gehen so schnell vorbei, und die schlechten Sachen lassen einen irgendwie nicht los. 

Die Zeit in Buddy-Land ging so schnell um und schon wieder saß ich an meinem Tisch in einer verstaubten Ecke der Klasse und hörte aufmerksam zu – bis ich es nicht mehr tat und auf einmal sah ich das Strahlende, das mich mit seinem riesigen Lächeln begrüßte, hörte die Wolken, die neben ihm sangen, sah den Regenbogen, der sich übers Klassenzimmer goss und sah schon die Aliens auf deren Einrädern, die aufs Schulgelände spielten. Ich spürte eine Hand, die meine nahm, und ich ging mit, ließ mich fallen und schloss die Augen, um wieder in die Welt der Soul-Buddies träumen zu können.

-3 Stunden später im Krankenhaus St. Paul Luis, Los Angeles-

Es piepste, es piepste und hörte nicht auf, das Herz des kleinen Jungen bestand den Kampf nicht, nach erneuten Versuchen, benutzter Energie und Kraft, Geschrei und Tränen, Gebete und Hoffnungen, kam es zum Ende. Jetzt war Jason, wo er es sich immer gewünscht hat, in einer Welt, in der er gemocht war, genauso wie er war: ,,Außergewöhnlich’’ – und das gefiel ihm am meisten.

Ob es das Buddy-Land wirklich gibt oder es nur ein Traum oder eine Imagination von Jason war, werden wir nicht erfahren. Aber eins ist klar: Das ,,Buddy-Land’’ ist ein Stück in uns allen drin, und manchmal sollten wir unsere ,,außergewöhnlichen’’ Seiten zeigen, denn jeder ist anders. Und die Möglichkeit, anders als über Billionen Menschen zu sein, ist wunderschön.

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