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Kapitel 3: Boing, Boing, Glibber-Land

Leo lag auf dem Rücken. Er blinzelte. Über ihm war der Himmel nicht mehr grau und voller Regenwolken. Er war lila. Ein wunderschönes, helles Lila, wie die Lieblingsbluse von Leos Oma. Und am Himmel standen drei Monde. Eins. Zwei. Drei. Sie sahen aus wie blassrosa Lampions, die jemand für ein Gartenfest aufgehängt hatte.

Leo kniff die Augen fest zu. Er zählte bis drei. Dann riss er sie wieder auf. Die Monde waren immer noch da. „Okay“, flüsterte Leo. „Das ist kein Traum. In meinen Träumen gibt es meistens Schokopudding oder Monster, aber keine rosa Monde.“

Er wollte aufstehen. Ganz normal, so wie man eben aufsteht, wenn man im Gras gelegen hat. Er stützte die Hände auf den blauen Boden und drückte sich hoch. Aber der Boden war nicht normal. Der Boden war lebendig.

Sobald Leo sich mit den Händen abdrückte, drückte der Boden zurück. FUMP! „Huch!“, rief Leo. Er schoss hoch in die Luft. Viel höher, als er wollte. Seine Füße baumelten plötzlich einen Meter über dem Boden. Er fühlte sich leicht wie eine Feder. „Wahnsinn!“, schrie er und ruderte mit den Armen wie eine Windmühle. Er landete wieder auf den Füßen. Aber er blieb nicht stehen. BOING! Sofort federte er wieder hoch. Noch höher als beim ersten Mal. „Guckt mal!“, rief Leo von oben. Er lachte, dass sein Bauch wackelte. „Ich bin ein Känguru! Ein Super-Känguru!“

Mila stand neben ihm. Oder besser gesagt: Sie versuchte zu stehen. Ihre Beine wackelten wie Wackelpudding auf einem Teller. Der blaue Boden unter ihren Füßen bewegte sich bei jedem Atemzug. Es war, als würde man auf einem riesigen Wasserbett laufen. „Das ist ja wackelig!“, rief Mila und breitete die Arme aus, um nicht umzufallen. Sie sah aus wie ein Seiltänzer im Zirkus, der die Balance sucht. „Probier mal zu springen!“, rief Leo, der gerade wieder an ihr vorbeiflog. Sein rotes Stirnband flatterte lustig im Wind. Huiii!

Mila grinste. Mila traute sich alles. Sie ging tief in die Knie. Sie stieß sich ab. WUUUSCH! Mila schoss in die Höhe wie eine Silvesterrakete. Ihr Pferdeschwanz stand senkrecht nach oben. Sie flog noch höher als Leo. Sie konnte fast die untersten lila Wolken berühren, die aussahen wie Zuckerwatte. „Juhuuu!“, jubelte Mila aus der Luft. „Ich kann fliegen! Fast!“

Sie landete weich und federnd. Boing, wabbel, boing. Es tat überhaupt nicht weh. Es gab keine harten Steine und keinen Matsch. Es machte einfach nur riesigen Spaß.

Nur Benne fand das alles gar nicht lustig. Benne saß immer noch auf dem Boden. Er hatte die Beine angezogen und hielt sich an seinen großen Torwarthandschuhen fest wie an einem Rettungsring. Er sah aus wie ein großer, grauer Igel, der sich eingerollt hat. „Ich will nicht fliegen“, brummte Benne in seinen Kragen hinein.

Leo hüpfte um Benne herum. Boing. Boing. Boing. „Komm schon, Benne!“, rief er atemlos. „Das ist besser als die Hüpfburg auf dem Stadtfest! Der ganze Planet ist eine einzige Riesen-Hüpfburg!“ „Ich mag keine Hüpfburgen“, maulte Benne. „Da wird mir immer schlecht. Und dann muss ich mich übergeben. Und das will hier bestimmt keiner sehen.“

Benne streckte vorsichtig einen Finger aus und drückte in den blauen Boden. Das Material gab nach. Es war weich, glatt und warm. Er drückte fester. Quietsch, machte der Boden leise. „Ist das Gummi?“, fragte Benne. Er roch an seinem Finger. „Riecht nach Gummibärchen. Vielleicht kann man das essen?“ Benne überlegte kurz, ob er in den Boden beißen sollte. Er hatte wirklich Hunger. Aber dann dachte er, dass das vielleicht unhöflich wäre, wenn man auf einem fremden Planeten zu Besuch war. Man isst ja auch nicht den Teppich von der Tante auf, nur weil er rot wie ein saftiger Apfel ist.

„Wir müssen weiter!“, rief Mila, die gerade einen Salto in der Luft machte. „Das kleine gelbe Ding ist da lang geflogen!“ Sie zeigte in Richtung Horizont. Dort, ganz weit weg, glitzerte die riesige Kuppel aus Glas. Sie leuchtete in der lila Sonne. Und davor sah man einen kleinen, gelben Punkt, der summend davon sauste. „Es zeigt uns den Weg!“, rief Mila. „Los, hinterher!“

„Aber wie denn?“, fragte Benne und rappelte sich mühsam auf. Sobald er stand, fing er an zu schwanken. Wackel, dackel, schwank. „Ich kann hier nicht laufen. Ich falle um.“ „Nicht laufen!“, rief Leo, der schon ein ganzes Stück voraus war. „Hüpfen! Du musst hüpfen, Benne! Mach dich leicht!“

Leo machte es vor. Er nahm Anlauf – tipp, tapp – und sprang ab. Er machte einen riesigen Satz. Bestimmt zehn Meter weit. Er segelte durch die Luft wie ein Vogel. Mila machte es ihm nach. Hopp und Flug!

Benne seufzte tief, wie ein alter Blasebalg. Er zupfte seinen grauen Pullover zurecht. „Na gut“, murmelte er. „Wenn ich mir die Nase breche, sagt es meiner Mama.“ Benne ging in die Knie. Er machte sich schwer. Er kniff die Augen zusammen. Er stieß sich ab, mit aller Kraft, die er in seinen Bären-Beinen hatte.

KA-WOING!

Weil Benne so groß und stark war, drückte er den Gummiboden viel tiefer ein als die anderen. Und deshalb schleuderte der Boden ihn auch viel fester wieder nach oben. Benne schoss hoch wie eine Kanonenkugel. „Wuuuuaaaah!“, brüllte er. Er flog an Mila vorbei. „Hallo Mila!“ Er flog an Leo vorbei. „Hallo Leo!“ Er flog so hoch, dass er den drei Monden fast „Guten Tag“ sagen konnte. Er ruderte mit den Armen und Beinen wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegt.

Aber dann merkte Benne etwas Tolles. Er fiel nicht schnell wie ein Stein. Er segelte ganz langsam wieder nach unten. Die Luft hier war irgendwie dicker und trug ihn sanft. Benne öffnete vorsichtig ein Auge. Er sah die blaue Landschaft unter sich. Er sah komische Bäume, die aussahen wie riesige, aufgeblasene Luftballons am Stiel. Er sah einen Fluss, der sich durch die Landschaft schlängelte. Aber das war kein Wasser. Das sah aus wie hellblaue Limonade, die blubberte! „Das ist ja …“, staunte Benne und vergaß für einen Moment zu schreien. „Das ist ja cool.“

Er landete sanft. Plomp. Er federte zweimal nach und stand wieder sicher. „Hast du das gesehen?“, rief Leo begeistert und klatschte Beifall. „Du warst riesig, Benne! Ein Riesen-Sprung-Bär! Du bist höher geflogen als ein Flugzeug!“ Benne grinste ein kleines bisschen. Ganz stolz. Er klopfte seine Handschuhe zusammen. Patsch, patsch. „Gar nicht so übel“, brummte er. „Aber jetzt hab ich noch mehr Hunger.“

Die drei Freunde hüpften weiter durch die fremde Welt. Es war die schnellste Reise ihres Lebens. Hüpf – Segel – Lande. Hüpf – Segel – Lande. Mit jedem Sprung kamen sie der glitzernden Kuppel näher. Das kleine gelbe Ding, das sie verfolgten, war längst verschwunden. Aber das Ziel war nicht zu übersehen.

Unterwegs sahen sie Blumen, die aussahen wie gedrehte Lutscher. Mila leckte kurz an einer. „Schmeckt nach Himbeere!“, rief sie. Sie sprangen über kleine Bäche aus blubbernder Brause. Und überall roch es süß.

Je näher sie kamen, desto größer wurde die Kuppel. Sie war gigantisch. Sie war viel größer als das Fußballstadion im Fernsehen. Sie war so hoch wie ein Berg aus Glas. Das Glas schimmerte in allen Farben des Regenbogens. Es sah aus wie eine riesige Seifenblase, die auf der Wiese lag, aber nicht platzte.

Als sie nur noch ein paar Riesensprünge entfernt waren, hörten sie Geräusche. Es war ein seltsamer Lärm. Es klang nicht wie Autos oder Hupen. Es klang wie: Quiek! Tröt! Klatsch-Klatsch-Klatsch-Klatsch!

Leo landete als Erster vor dem Eingang. Der Eingang war ein großes, rundes Loch in der Seifenblasen-Wand. Er bremste ab, rutschte auf dem blauen Gummi und kam genau vor Milas Füßen zum Stehen. „Pst!“, machte Leo und legte den Finger auf die Lippen. „Hört ihr das?“

Mila und Benne landeten neben ihm. Boing. Boing. Aus dem Inneren der Kuppel kam ein tosender Lärm. Tausende von Stimmen quietschten und jubelten durcheinander. „Das klingt wie ein Kindergarten voll mit Quietsche-Entchen“, flüsterte Mila. „Oder wie eine Herde Meerschweinchen“, meinte Benne.

„Gehen wir rein?“, fragte Leo. Er zupfte nervös an seinem Stirnband. Sein Herz klopfte so schnell wie ein kleiner Motor. „Wir müssen“, sagte Mila. „Ich spüre es. Mein Ball ist da drin. Und ohne Ball gehe ich nicht nach Hause.“ Sie schlichen sich an den Rand des Eingangs. Ganz leise, auf Zehenspitzen, was auf dem Gummiboden gar nicht so einfach war. Sie lugten vorsichtig um die Ecke.

Was sie sahen, verschlug ihnen den Atem.

Innen war die Kuppel noch viel größer als von außen. Es war ein Stadion. Ein echtes, riesiges Fußballstadion. Aber es gab keine Sitzplätze aus Plastik. Die Zuschauer saßen auf schwebenden Ringen, die aussahen wie Donuts. Sie schwebten übereinander, bis ganz hoch unter das Dach.

Und die Zuschauer waren keine Menschen. „Ach du grüne Neune“, flüsterte Benne und sein Mund klappte so weit auf, dass ein ganzer Apfel hineingepasst hätte.

Überall saßen kleine, grüne Männchen. Sie waren ungefähr so groß wie Leo, aber kugelrund wie Fußbälle. Sie hatten glatte, glänzende Haut wie Frösche. Auf dem Kopf hatten sie zwei Fühler, die lustig wackelten. Aber das Verrückteste war: Sie hatten vier Arme! Zwei Arme oben an der Schulter und zwei Arme unten am dicken Bauch. Und mit all diesen vier Händen klatschten sie wie wild. Klatsch-Klatsch-Klatsch-Klatsch. Das machte einen unglaublichen Lärm.

Benne machte sich ganz klein hinter Mila. Er fühlte sich plötzlich winzig. Zu Hause war er der Größte in der Klasse. Aber hier? Hier war alles riesig. Das Stadion, der Lärm, die Anzahl der Hände. „So viele …“, stammelte Benne. „Und alle sind grün.“

Unten auf dem Spielfeld war kein Rasen. Der Boden dort war durchsichtig und leuchtete von unten hellgelb. Und genau in der Mitte, auf einer kleinen, goldenen Säule, lag etwas Rundes. Etwas Braunes. Etwas, das gar nicht in diese bunte, glitzernde Welt passte.

„Da ist er!“, zischte Mila. „Mein Ball!“ Sie wollte losrennen, aber Leo hielt sie am Ärmel fest. „Warte!“, flüsterte er. „Nicht so schnell! Guck mal da!“

Plötzlich wurde es still im Stadion. Schlagartig. Das Quietschen und Tröten hörte auf. Die vierhändigen Zuschauer hörten auf zu klatschen. Alle starrten auf das leere Feld. Dann drehten sich tausende von Köpfen zum Eingang. Genau dorthin, wo Leo, Mila und Benne sich hinter der Ecke versteckten.

Ein großer Schatten fiel über die drei Kinder. Es wurde dunkel um sie herum, obwohl die Kuppel leuchtete. Leo bekam eine Gänsehaut. Er drehte sich langsam um.

Hinter ihnen schwebte etwas. Es war nicht das kleine, gelbe Ding von vorhin. Es war etwas Größeres. Es sah aus wie eine fliegende Mülltonne aus Metall, mit vielen blinkenden Lichtern, Drähten und Kameras als Augen. Es schwebte lautlos über dem blauen Gummiboden, nur wenige Zentimeter vor ihren Nasen.

Dann knackte es. Es klang wie ein altes Radio, das keinen Sender findet. Krrrk-zzzzzt. Und dann sprach die fliegende Mülltonne mit einer blechernen, schnarrenden Stimme, die durch Mark und Bein ging.

„HALT!“, rief die Stimme. Es hallte in Leos Ohren. „Unbefugte Betretung der Arena! Alarmstufe Glibber!“

Die Kamera-Augen zoomten auf Leos Gesicht. Ein rotes Licht scannte sein Stirnband ab. Piep. Dann scannte es Milas Pferdeschwanz. Piep. Dann scannte es Bennes offenen Mund. Piep.

Der Roboter schwebte tiefer. Er roch nach Öl und alten Batterien. „Identifiziert euch!“, schnarrte die Stimme streng. „Seid ihr die Herausforderer für den Astro-Cup? Oder seid ihr das Mittagessen für das Mars-Monster?“

Benne wurde blass wie eine weiße Wand. Seine Knie schlotterten. „M-M-Mittagessen?“, stotterte er. Leo drückte sich an Mila. Mila drückte sich an Benne. Sie standen ganz eng zusammen und starrten in das rote Roboter-Auge.

Die Stille im Stadion war unheimlich. Alle warteten auf eine Antwort.

Mila holte tief Luft. Sie war Kapitänin. Sie musste etwas sagen. Sie drückte die Brust raus. „Wir sind kein Mittagessen!“, rief sie mit fester Stimme. „Wir sind der FC Traumtor!“

Der Roboter hielt inne. Seine Lichter blinkten wild. Krrrk. Zzzzzt. „FC Traumtor“, wiederholte die Stimme langsam. „Datenbank wird durchsucht…“

Alle drei hielten den Atem an. Würde der Roboter sie fressen? Oder würde er sie spielen lassen?

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