
Prinzessin Löffelchen
Darum geht's
Frosch liebte seine neuen Gummistiefel! Dank ihnen war er endlich nicht mehr erkältet. Er trug sie jeden Tag und zog sie nur zum Schlafengehen aus – nicht, dass noch jemand Unfug mit seinen Stiefeln trieb. Die Froschkinder hatten natürlich ihre ganz eigene Idee: Schnell wurde aus einem Gummistiefel ein Boot und die Stiefelpiraten stachen in See …
Familie Elster hatte Nachwuchs bekommen: vier kleine Vögelchen füllten das Nest und wurden von den Eltern aufs Beste mit leckerem Insektenbrei versorgt. Die Kleinen wuchsen prächtig und waren quietschpiepsvergnügt. Nur noch wenige Wochen würde die kleine Gemeinschaft zusammen bleiben, dann waren sie flügge und würden das Nest der Eltern verlassen. Die kleinen Elstern überlegten deshalb, was sie einmal werden wollten
„Wenn ich groß bin, werde ich eine Feuerwehrelster. Wenn es irgendwo brennt, warne ich alle. Einen Feuerwehrhelm habe ich schon. Und ich kann so laut pfeifen wie eine Sirene“, meinte das große Elstermädchen und legte sich eine Nussschale auf den Kopf. Dabei stieß sie einen schrillen Pfiff aus.
Die anderen zuckten zusammen und starrten ihre große Schwester bewundernd an.
„Dann gehe ich zur Polizei. Wenn jemand etwas stiehlt, fange ich den Räuber“, stimmte der kleinere Rupert zu.
„Ich weiß noch nicht, was ich mal werde. Vielleicht Koch“, mampfte der gemütliche Mompel vor sich hin.
„Und du, was willst du denn mal werden?“, fragten die Großen das kleinste Schwesterchen.
Leise piepste diese: “Prinzessin. Ich will eine Prinzessin werden.“ Denn sie liebte alles was
glitzerte. Während ihre Geschwister im Nest längst schliefen, staunte sie über das Funkeln
der Sterne. Und am Morgen, wenn alle unterwegs auf Futtersuche waren, bewunderte das
kleine Elstermädchen die glitzernden Tautropfen, die in allen Farben leuchteten, wenn die Sonne darauf schien.
„Eine Prinzessin? Das ist eine prima Idee“, fand ihr Bruder Rupert. Nun hatte er als Polizei
seine erste wichtige Aufgabe: Eine Prinzessin musste man beschützen.
„So“, kommandierte die Feuerwehrfrau. „Jetzt müssen wir nach Futter suchen. Ich habe richtig Kohldampf.“
Mompel nickte zustimmend und breitete die Flügel aus.
Das mit dem Fliegen klappte immer besser. Und wenn man dabei noch etwas Leckeres schnabulieren konnte, war das für ihn ein großer Ansporn. Die Geschwister flogen davon.
Prinzessin blieb alleine zurück. Sie hatte keinen Hunger. Schon lange hatte sie den Plan gefasst, nach etwas Glitzerndem zu suchen, denn Prinzessinnen müssen glitzern. Was für eine günstige Gelegenheit! Alle waren mit Futtersuche beschäftigt, und das kleine Elstermädchen konnte sich in Ruhe umschauen.
Direkt unten am Baum wurde gerade ein Maulwurfhügel geworfen. Sachte schwebte die kleine Elster hinunter. „Hallo Mannolo. Ich wünsche dir einen guten Tag“, grüßte sie den kleinen Maulwurf, der häufig hier anzutreffen war.
„Dankeschön“, lächelte dieser zurück. „Was machst du denn?“
Das Vögelchen piepste: „Ich suche nach etwas Glitzerndem. Ich bin nämlich eine Prinzessin.“
Mannolo kratzte sich am Kopf.
Manno, Manno. Er hatte noch nie eine echte Prinzessin gesehen. Das war ja toll.
„Eigentlich bräuchte ich auch eine Kutsche. Könntest du mir nicht eine bauen, Mannolo?“
Das war für den Maulwurf kein Problem. Blitzschnell grub er einen neuen Hügel und zwei
längliche, kleinere Hügel davor.
„Das könnten doch deine Pferdchen sein“, schlug Mannolo vor. „Juhuuu“, jubelte die Prinzessin. Ich hole kurz zwei Stöckchen. Meine Kutsche wird nämlich von zwei Einhörnern gezogen. Und ein Einhorn braucht nun mal ein Horn.“
Mannolo lächelte. Wo er konnte, half er gerne. Dann verschwand er in seinen Gängen.
Die Prinzessin zwitscherte fröhlich vor sich hin. Plötzlich entdeckte sie etwas. Was funkelte denn da auf dem Boden bei den Haselnusshecken? Dort hatten gestern ein paar Menschen ein Picknick gemacht. Neugierig flog die Prinzessin hin und entdeckte einen kleinen, goldfarbenen Löffel, der im Sonnenlicht glitzerte. Den hatten die Menschen wohl vergessen.
„Juhuuu“, begeistert schlug die Elster mit den Flügel. „Löffelchen, du wirst meine Halskette.“
Aus Gräsern flocht sie eine Kette und befestigte damit den Löffel. „Ach, wie schön“, freute sich das Elstermädchen und drehte sich anmutig im Kreis.
Da kamen auch schon ihre Geschwister angeflogen.
„Wie herrlich deine Federn glitzern“, staunten sie.
Die kleine Vogelprinzessin schaute an sich hinunter. Tatsächlich!
Ihr Vogelkleid glitzerte in den herrlichsten Farben: blau, grün und purpur. Dieser Glanz, den
sie ausstrahlte, war ihr selbst noch nie aufgefallen.
„Und was trägst du denn um den Hals?“, piepsten alle neugierig.
„Alle Prinzessinnen glitzern und tragen Schmuck, wusstet ihr das nicht?“, sagte sie keck. „Ich trage eben ein Löffelchen.“
Polizist Rupert legte liebevoll den Flügel um sein kleines Schwesterchen. „Prinzessin Löffelchen!“
Die anderen Elsterkinder kicherten und nickten begeistert. Ein toller Name.
„Wollt ihr auf meiner Kutsche mitfahren? Die hat mir der Maulwurf Mannolo gebaut. Vielleicht baut er mir morgen noch ein Schloss.“
Natürlich wollten alle mitfahren. Sie kreischten und alberten. Polizei und Feuerwehr bewachten und begleiteten die Kutsche auf den Einhörnern. Mompel wollte keine Koch mehr sein, lieber ein Prinz, damit er neben Löffelchen auf der Maulwurfshügelkutsche sitzen durfte. Löffelchen glitzerte und strahlte und breitete ein um das andere Mal ihre Flügel aus und schaute staunend an sich hinunter.
Abends, als alle sich in ihrem Nest aneinander kuschelten gähnte Bruder Rupert: „Das mit dem Großwerden eilt nicht. Lasst uns lieber noch ein wenig glitzern, gell, Löffelchen?“
Und Löffelchen schmiegte sich an ihren großen Bruder und nahm sich in diesem Moment fest vor, allen zu sagen, dass bestimmt in jedem ein Glitzern steckt. Man muss es nur entdecken!
Kennst du schon das Kinderbuch mit Mannolo?
Mannolo – Der kleine Schlauberger
Ein humorvolles Bilderbuch ab 3 Jahren über Maulwurf Mannolo und das geheimnisvolle Verschwinden der Eule Ky.
