Logo zum Kinderbuch "Albert und Mimi – Eine besondere Freundschaft und ein echter Kriminalfall", ein Bilderbuch zum Vorlesen ab 5 Jahren über ein tierisches Detektivabenteuer voller Freundschaft, Vielfalt und Zusammenhalt

Die Auserwählte des Zauberbuchs 3/3

🎯 ab 11 Jahren

🕔 ca. 9 Minuten

📚 aus dem Fantasyroman: Marlene – Die Auserwählte des Zauberbuchs

Darum geht's

Die Lichtelfe Alsuna erkennt in Marlene eine starke Magie. Sie weiß nicht, woher die Magie stammt, doch ist sich sicher, dass sie ihr helfen kann. Sie erklärt Marlene die Bedeutung des leuchtenden Zweiges und welche bittere Wahrheit damit verbunden ist. Das Reich der Lichtelfen ist in großer Gefahr. Wird Marlene helfen, die Welt der Elfen vor der Finsternis zu bewahren?

Wieder fand Alsuna, dass das neugierige Menschenkind einen Schritt zu weit ging. Sollte sie wirklich Geheimnisse ihres Volkes verraten? Elfen können nicht lügen. Es gab dann also kein Zurück mehr. Aber irgendetwas hatte diese Marlene an sich. Als sie dem Schattenwesen, einem Njól, gegenübergestanden hatte, konnte Alsuna ganz deutlich ein Aufleuchten von starker Magie gegen ihn erkennen. Nur deshalb hatte sich der Finstere wieder verkrochen.

Woher kam diese Magie? Und wie sollte Marlene sie kontrollieren können, wenn sie noch nicht einmal von ihr wusste? War das gefährlich oder nützlich? Alsuna entschied sich für nützlich. Sie hatte schon jetzt so viel aufs Spiel gesetzt, vielleicht konnte sie die Kräfte dieses Menschenkindes für ihre Sache nutzen.

»Alsuna?«

Marlenes besorgte Stimme holte die Elfe wieder in das Hier und Jetzt zurück. Alsuna wollte Marlene nicht noch weitere gefährliche Fragen stellen lassen.

Darum beeilte sie sich, auf die bereits von ihr gestellte zu antworten: »Der Zweig heißt in unserer Sprache „Mirandolor“, in der eurigen „Tränenkristall“. Er ist einer der wertvollsten Schätze des Waldes. Über diesen einst harmlosen Zweig sind über Jahrhunderte die Tränen seines Mutterbaumes geflossen und haben ihn in einen in tausend Facetten scheinenden Kristall gewandelt. Dieser Kristall trägt die gesamten Erinnerungen des Baumes in sich. Denn es waren sowohl Tränen der Trauer, für all die Unglücklichen, die unter der schützenden Krone Trost gesucht haben, als auch Tränen der Rührung und Freudentränen über fröhliche Elfen, Feen, Irrlichter und Waldschrate, die Hand in Hand um den Stamm ihren lustigen Reigen getanzt haben. Dieser Zweig gehört zu einer Esche, einem Lebensbaum, der das Zentrum unseres Reiches markiert. So schön der Mirandolor auch ist, er gehört allein dem Baum und darf nur gebrochen werden, wenn das Volk der Lichtelfen in großer Not ist.«

»Was passiert mit der Esche, wenn sie ihren Erinnerungszweig verliert?«, fragte Marlene nach.

Alsuna seufzte tief. »Sie stirbt nicht. Jedoch werden die sonst in allen Grüntönen schimmernden Blätter erst grau, bevor sie abfallen und nur noch nackte Äste zurücklassen. Erst wenn das Elfenvolk wieder sicher ist, beginnen neue Blätter zu sprießen.«

Marlene schaute Alsuna unter vor Sorge zusammengezogenen Augenbrauen an.

»Also steht es nicht allzu gut um das Elfenvolk, wenn du den Mirandolor unter deinem Mantel trägst. Warum ist dieses gruselige Nebelauge daran so sehr interessiert?«

»Mirgos, der König der Dunkelelfen, Herr über Schwarzalfheim, streckt seine kalte Hand nach der Krone der Lichtelfenkönigin aus. Er will sich mit seinen finsteren Untertanen aus dem dunklen, unterirdischen Reich erheben. Alle Kreaturen des Lichts sollen ihr Knie vor ihm beugen. Der Mirandolor ist der Schlüssel für eine verborgene Kammer im Stillen Berg, einer der zwei steinernen Riesen, unter denen er Hof hält. Ohne den Mirandolor ist ihm der Zutritt zu einer Kammer verwehrt, in der sich die mächtigste magische Quelle dieser Zeit befindet: das Herz von Karún.« Alsuna hob stolz ihr Kinn. »Ich werde zur Kammer vordringen und das Herz von Karún unserer Lichtelfenkönigin Arisa bringen. Dies wird mir einen Platz in der königlichen Weißen Wache ermöglichen.«

Dass sie gestern Nacht vor den besagten Weißen Wachen geflohen war, nachdem sie den Mirandolor aus der königlichen Schatzkammer entwendet hatte, behielt Alsuna aber erst einmal für sich. Es war nicht die Königin, die sie mit der Suche nach der Quelle beauftragt hatte. Alsuna war nur die Tochter des Hauptelfen der Weißen Wache.

Dafür gehörte sie dank des strengen Unterrichts ihres Vaters und ihrem starken Willen zu den geschicktesten Bogenschützen des Reiches. Zu Alsunas großen Enttäuschung hatte ihr Vater sie jedoch nicht in die Riege der Krieger gewählt, die sich in das Schattenreich aufmachen sollten. Doch sie konnte nicht in Alfheim zurückbleiben und bloß warten! Alsuna war überzeugt davon, dass sie alleine schneller und vor allen Dingen unbemerkt nach Schwarzalfheim gelangen wird.

Es musste jetzt schnell gehandelt werden! Der dunkle Herrscher hatte sich bereits Teile der Lichtelfenlanden und noch etwas für sie viel Kostbareres genommen: ihre Schwester Liv. 

Alsuna war nicht auf Ehre und Ruhm aus, sondern auf die Rettung ihres Reiches und der Rettung Livs. Mirgos musste bezwungen werden. Auch wenn sie dafür in den tiefsten Berg und durch das schwärzeste Dunkel gehen musste!

Marlene betrachtete den feinen silbernen Reifen, der sich an die blasse Stirn der Lichtelfe schmiegte. Darauf schimmerte ein Ränkespiel von grazilen Blüten und Blättern. Doch noch mehr faszinierte sie der daran befestigte Edelstein, der zwischen ihren roten Augenbrauen in einem warmen Sonnengelb leuchtete. Marlene sah darin etwas pulsieren. Sie schüttelte heftig den Kopf.

Jetzt ging wieder ihre Fantasie mit ihr durch. Egal, wer sie ansah oder reden hörte, hielt sie für eine Träumerin. Eine, die nicht so recht in die wirkliche Welt passte mit ihren bunten Röcken, deren Saum bis über die Spitze ihrer Schuhe ging und den Blumen- und Schmetterlingspangen im widerspenstigen braunen Haar.

Die Stimme Alsunas ließ sie erschrocken aufblicken.

»Der Stein, den du gerade so anstarrst, hilft mir dabei …«

»… die Lichtmagie zu kanalisieren«, beendete Marlene Alsunas Satz.

»Woher weißt du das?«, fragte Alsuna scharf.

»I…ich habe es vor mir gesehen, so wie ich dich jetzt vor mir sehe. Vielleicht war das ja auch einfach nur eine Einbildung uu…nd geraten. Ich habe schon so viele Bücher über Fabel- und Fantasiewesen gelesen, da kann mir mein vollgestopfter Kopf schon mal einen Streich spielen«, sagte Marlene und lachte nervös.

In Alsunas moosgrünen Augen blitzte es auf. »Gib mir deinen rechten Zeigefinger«, flüsterte sie aufgeregt und griff danach, ohne Marlenes Reaktion abzuwarten. Mit angehaltenem Atem suchte Alsuna nach Mirgos’ Zeichen: zwei sich am Fuße berührende Dreiecke, eines für den Stillen Berg und eines für den Heulenden Berg, unter denen er den Hof hielt.

Auf Marlenes Finger war nichts zu sehen. Nicht die feinste schwarze Linie. Alsuna stieß die Luft erleichtert wieder aus. Es waren also nicht die Seiten von Mirgos’ verfluchtem Buch, über die Marlenes Finger gestrichen waren. Das Zeichen hätte sich sonst mit jedem Seitenumblättern tiefer in ihre Haut gegraben.

Die Lichtelfe schaute auf. Ihr Blick war für Marlene unergründlich: eine Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung.

»Was sollte denn auf meinem Finger zu sehen sein?«, hakte Marlene trotzdem noch einmal nach.

Alsuna antwortete ihr nicht auf die Frage. Stattdessen schüttelte sie heftig den Kopf, als könne sie die dunklen Gedanken damit loswerden. Als das nicht wirklich half, drehte sie sich auf dem Absatz um und blickte in Richtung der Bergspitzen des Stillen und des Heulenden Berges. Diese erhoben sich wie die Zacken auf dem Rücken eines schlafenden Ungeheuers hinter einem grünen Meer aus Bäumen in den eisengrauen Himmel. Alsuna richtete sich gerade auf und sagte leise: »Wir haben noch einen sehr langen Weg vor uns.«

Bevor sie die ersten Ausläufer der Berge erreichten, mussten sie es erst einmal durch den Myrkviðr, den Dunkelwald schaffen. Er war das Niemandsland zwischen Alfheim und Schwarzalfheim.

Dort hinein, so sagte man, haben sich Wesen guter und böser Natur zurückgezogen, die keinem der Elfenherrscher ihre Treue schwören wollten. Keine der Lichtelfen, nicht einmal die Weiße Wache, wagte sich freiwillig in dieses Gebiet. Und wer sich dorthin aufmachte, kehrte nicht zurück und so blieb ihr Schicksal ein ewiges Geheimnis.

Alsuna schaute Marlene fest in die Augen. »Ich frage dich dies nun das einzige und letzte Mal: Wirst du mir helfen, die Welt der Elfen vor der Finsternis zu bewahren? Überlege es dir gut. Auf uns lauern unbekannte Wesen und Gefahren.«

Bevor Marlene den Mund öffnen konnte, erhoben sich bereits die Stimmen in ihrem Inneren: »Zögere nicht! Wir sind stets an deiner Seite! Du wirst Großes vollbringen. Ohne dich sind alle verloren!«

Marlene straffte die Schultern. Wie konnte sie als einzige Hoffnung auf Rettung kneifen? »Ich bin dabei!«, sagte sie mit einem kräftigen Nicken.

Du möchtest wissen, wie es weitergeht?

Marlene – Die Auserwählte des Zauberbuchs

Episches Fantasy-Abenteuer, das von Magie, Elfen und nordische Fabelwesen erzählt. Kinder- und Jugendroman ab 11 Jahren über eine Welt voller Abenteuer, Mut und Zusammenhalt.

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