Logo vom Kinderbuch "Airline Drachendüser – Notruf im Nebel", ein E-Book für Kinder ab 5 Jahren zum Vorlesen mit einer Gute-Nacht-Geschichte über Drachen, Piloten und Abenteuer

Kapitel 3: Drachen-Check im Hangar

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Milla Motor liebte diesen Moment. Sie stand mitten in der Halle, stemmte die Hände in die Hüften und atmete tief ein. Es roch nach Arbeit. Nach Sattelfett, warmem Drachenatem und dem süßlichen Duft von trockenem Heu. Für Milla war das der beste Duft der Welt.

Gemeinsam liefen sie in den hinteren Teil der riesigen Halle. Dort sah es aus wie ein Pferdestall, nur viel, viel größer. Aus den massiven Boxen hörte man Schnauben und Scharren.

Rio positionierte sich vor die Box ganz links. An der Tür hing ein silbernes Schild in Form eines Blitzes. Darin wohnte sein Drache: Zischi.

Zischi war ein Pfeildrache. Er war geformt für Höchstgeschwindigkeit. Sein Körper war lang, schmal und extrem schnittig. Wie eine hellblaue Nadel, damit der Wind einfach an ihm abrutschte. Seine Schuppen waren klein und lagen so eng an, dass er glänzte wie ein Spiegel.

Und Zischi war hellwach. Er hatte auf Rio gewartet. Er tänzelte auf der Stelle. Tapp-Tapp-Tapp. Seine silberne Hufe klackerten rhythmisch auf dem Betonboden. Er schnaubte kleine Rauchwölkchen aus den Nüstern. Seine Augen leuchteten hellblau und klar. Er sah aus wie ein Rennpferd vor dem Startschuss.

Rio musste nicht viel tun. Er trat zu ihm. Er tätschelte den metallischen Hals. Der Drache war warm. Seine Muskeln waren bereit. „Na, mein Großer?“, flüsterte Rio. „Bist du bereit?“

Zischi stieß ein lautes, freudiges Fiepen aus. Er senkte den Kopf, damit Rio ihm das leichte Flieger-Halfter anlegen konnte. Es gab kein Zögern. Kein Murren. Zischi war ein Profi. Genau wie Rio. Er wusste, dass es gleich losging. Er vibrierte vor Energie, aber er stand still, damit Rio den Sattel festzurren konnte.

Rio schwang sich in den Sattel. Er fühlte sich sofort zu Hause. „System-Check“, murmelte Rio. Er prüfte die Zügel. Er prüfte den Sitz. Alles perfekt. Zischi war nicht nur schnell, er war auch präzise. Er brauchte keine extra Motivation. Er war geboren, um zu fliegen.

„Wir sind soweit!“, rief Rio durch die Halle. Zischi machte einen Satz aus der Box und landete elegant auf dem Mittelgang. Er sah fantastisch aus. Silber und schnell.

Milla hatte sich in der Zwischenzeit an der größten Box auf der rechten Seite platziert. An der Tür hing ein grünes Schild in Form eines Kleeblatts. Dort wohnte ihr Drache: Brummer.

Der große, grüne Drache war das genaue Gegenteil von Zischi. Er war ein Lastendrache. Er war nicht schnell. Er war nicht schnittig. Er war breit, massiv und stark. Er hatte vier kräftige Beine, die aussahen wie Baumstämme. Auf dem Rücken hatte er vier kleine Flügel, die summen konnten wie bei einer Hummel.

Brummer war dafür gemacht, schwere Dinge zu heben. Elefanten, Klaviere oder eben Lastenkörbe. Er war der stärkste Drache der Flotte.

Im Moment lag er aber noch faul auf dem Bauch. Mitten in seiner Box. Alle Viere von sich gestreckt wie eine riesige Schildkröte. Er schnarchte leise. Chrrrrr-püüüüh.

Milla stemmte die Hände in die Hüften. „Na, Dicker? Träumst du von Kleeblättern?“ Sie klatschte laut. Klatsch! „Aufwachen! Wir haben Arbeit!“

Brummer öffnete ein großes, braunes Auge und brummte widerwillig. Möööh? Es klang wie ein altes Nebelhorn im Hafen.

„Nichts da, ‘Möh’!“, rief Milla. „Wir brauchen deine Kraft!“ Sie krempelte die Ärmel hoch. „ Wir müssen schweres Gepäck verladen.“

Sie gab ihm einen freundlichen Klaps auf den Po. Brummer seufzte tief. Ein Drachenseufzer, der Staub aufwirbelte. Dann stemmte er sich hoch. Es knackte leise in seinen Gelenken. Er schüttelte sich, dass der Staub flog. Dann fingen seine vier kleinen Flügel an zu surren. Summm… Surrrr… Er hob leicht ab und schwebte brummend auf der Stelle. Ein Fels in der Brandung. 

Milla führte ihn aus der Box. Sie legte ihm seinen speziellen Sattel an und befestigte den vorbereiteten Lastenkorb unter Brummers Bauch. Der Lastendrache zuckte nicht einmal. Für ihn war das Gewicht ein Klacks. Er war stark genug, um den ganzen Hangar zu tragen. Milla zog die Gurte fest. Sie rüttelte daran. „Passt, wackelt und hat Luft!“

Jetzt war Pepe an der Reihe. Er stand etwas abseits. Vor ihm auf dem Boden saß sein Drache. Denno hatte zwar eine kleine Mini-Box im Hangar. Meistens aber wohnte er bei Pepe im Zimmer.

Denno war kein Pfeildrache. Er war auch kein Lastendrache. Denno war ein seltener Dehndrache. Im Moment war er winzig. Er saß da und zitterte leicht vor der feuchten Kälte, die durch das Tor kam.

Pepe ging in die Hocke. „Na, mein Kleiner? Bist du bereit?“ Denno nickte eifrig. Er wackelte mit den Ohren.

„Zeit, groß zu werden“, flüsterte Pepe. Er streckte die Hand aus. Er kraulte Denno an einer speziellen Stelle direkt unter dem Kinn. Dem Dehnungspunkt.

Denno schloss die Augen. Er entspannte sich. Und dann passierte das Wunder der Dehndrachen. Er fing an zu wachsen. Er streckte sich in die Länge. Er streckte sich in die Breite. Es sah aus, als wäre er aus magischem Kaugummi.

Er wurde größer und größer. Seine lila Haut entfaltete sich. Seine kurzen Beine wurden lang und schlaksig. Sein kleiner Rücken wurde breit und bequem. Plötzlich war er groß genug, dass Pepe locker auf ihm sitzen konnte. Er war jetzt so groß wie ein Pferd.

„Perfekt!“, sagte Pepe zufrieden. Er klopfte auf den Rücken des Drachen. Er fühlte sich an wie ein festes Gummibärchen. Pepe schwang sich hinauf. „Das ist das Tolle an Dehndrachen“, sagte er zu Rio. „Sie passen in jede Tasche. Und wenn man sie braucht, passen sie unter jeden Hintern.“

Denno drehte den langen Hals und stupste Pepe am Knie an. Er war bereit.

Die Crew war komplett. Drei Drachen. Drei Drachendüser. Zischi, der schnelle Pfeil. Brummer, der starke Lastenträger. Denno, der flexible Dehndrache.

„Alle bereit machen!“, rief Pepe über Funk. „Der Nebel wartet nicht!“

Die drei Piloten gaben das Zeichen. Die Drachen setzten sich in Bewegung. Sie “rollten” hinaus aus dem schützenden Hangar. Hinaus in die Kälte. Rauf auf das weite Vorfeld. Direkt zur Startbahn.

Normalerweise war die Startbahn etwas ganz Besonderes. Sie hatte die Farben des Regenbogen und glitzerte hell. Heute war sie grau und traurig. Fast schon so traurig wie das Geräusch aus dem Tal.

Sie blickten nach vorne. In das graue Nichts. Rio zog den Kinnriemen seines Helms fest. Klick. Er spürte das Kribbeln in den Fingerspitzen. Das war der Moment, für den er lebte. Er hob die Hand. „Seid ihr angeschnallt?“

„Ja!“, rief Milla und klopfte auf ihren Gurt. „Ja!“, piepste Pepe und klammerte sich fest.

Rio grinste. Er beugte sich tief über den Hals seines schnittigen Drachen. Zischi spannte die Muskeln an. „Dann los! Eins… zwei… drei… WUSCH!“

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