Logo vom Kinderbuch "Weihnachten im Traumland – Die verlorenen Wünsche", ein E-Book für Kinder ab 5 Jahren zum Vorlesen mit einer Gute-Nacht-Geschichte für Weihnachten zum Entspannen, Träumen und Einschlafen

Kapitel 2: Mission – Rettet die Weihnachtswünsche

🎯 ab 5 Jahren

🕔 ca. 11 Minuten

📚 aus dem E-Book: Weihnachten im Traumland

Darum geht's

Als der Weihnachtsmann plötzlich im Traumland erscheint, bringt er eine erschütternde Nachricht: Ein Eissturm hat alle Weihnachtswünsche der Kinder verstreut – und nur die Traumel können sie retten. Toni, Mona und Mo stürzen sich in ein magisches Abenteuer, um Weihnachten zu bewahren.

Der Weihnachtsmann steht mitten auf dem großen Platz, und für einen Moment ist es so still, dass man das sanfte Knacken der Traumschneeflocken hören kann, die rings um den Schlitten landen.

Die Rentierherzen schlagen warm und ruhig, und aus ihren Nüstern steigen kleine Wölkchen in die kalte Luft. An ihren Geschirren hängen kleine Glöckchen, die leise klimpern, als sie unruhig scharren. Doch der Weihnachtsmann selbst wirkt ungewöhnlich bedrückt. Sein Mantel glitzert zwar, wie er es immer tut, aber seine Augen schauen traurig aus. Toni spürt es sofort. Etwas stimmt wirklich nicht.

Der Obertraumel tritt näher heran, verbeugt sich höflich und sagt: „Lieber Weihnachtsmann, wir fühlen uns geehrt, dass du uns in dieser besonderen Zeit besuchst. Und noch mehr geehrt, dass du unsere Hilfe brauchst. Bitte erzähl uns alles.“

Der Weihnachtsmann zieht tief die Luft ein, sein Bauch hebt sich schwer. „Ihr lieben Traumel … ein schrecklicher Eissturm ist über den Nordpol gezogen. Ein Sturm, wie wir ihn seit hundert Jahren nicht mehr gesehen haben.“

Mo flüstert: „Ein Eissturm? Mit Wind? Und Schnee? Und Eis …?“
„Mit allem“, sagt der Weihnachtsmann. „Aber das schlimmste war: Er hat meine Wunschgläser erfasst.“

Die Traumel reißen die Augen auf. Denn sie wissen: Wunschgläser sind für den Weihnachtsmann das, was Traumgläser für die Traumel sind. Kostbar. Notwendig. Und voller Magie. Doch anders als die Traumgläser, in denen die Energie für alle Träume steckt, sind die Wunschgläser efüllt mit den Weihnachtswünschen aller Kinder. Toni spürt, wie sich in seinem Bauch etwas zusammenzieht.

„Viele dieser Wunschgläser“, fährt der Weihnachtsmann fort, „wurden in den Sturm gerissen. Die Wünsche darin – die echten Wünsche der Kinder – sind fortgeweht worden.
Sie treiben nun irgendwo durch die Welt und finden alleine nicht den weg zurück zu mir!“

Er setzt sich schwer auf eine Wolkenbank, die ihm einige Traumel extra hingestellt haben.
„Ich kann diese Kinder nicht beschenken, wenn ich nicht weiß, was sie sich wünschen. Und Kinder …“ – seine Stimme wird leiser – „… verlieren die Magie von Weihnachten, wenn ihre Wünsche verloren gehen.“

Kein Traumel atmet. Nicht einmal Mo. Und Mo atmet eigentlich immer laut.

Toni tritt einen Schritt vor. „Kann…“, er holt tief Luft, „kann es sein, dass die Wünsche vielleicht hier im Traumland gelandet sind? Und deshalb nicht ihren Weg zurück finden?“

Der Weihnachtsmann sieht ihn überrascht an. „Genau das dachte ich auch. Und deshalb bin ich hier.“

Toni spürt, wie Mo und Mona sich links und rechts an seine Seite stellen. Sie sagen nichts, aber Toni muss nur einmal hinsehen, um zu wissen: Sie sind an meiner Seite. Wie immer.

Der Weihnachtsmann zeigt auf den Himmel. „Der Sturm hat die Wünsche in alle Richtungen getragen. Einige mögen nah sein, andere vielleicht weit. Manche hängen fest, manche irren noch umher – doch eines ist sicher: Wenn wir sie nicht bald finden, verblassen sie.“

Mona legt eine Pfote auf ihr Herz. „Verblassen? Für immer?“
„Für immer“, sagt der Weihnachtsmann leise.

Die Worte fallen wie schwere Eiszapfen.

Der Obertraumel tritt vor und hebt seinen Stab aus Traumholz. „Liebe Traumel“, ruft er mit klarer Stimme, „wir können uns kein Weihnachtsfest vorstellen, an dem Wünsche verloren bleiben. Das Traumland ist ein Ort der Hoffnung, des Trostes und der Wärme. Wir werden helfen und die verlorenen Wünsche finden!“

Alle Traumel nicken. Einer hüpft vor Aufregung. Ein anderer hat Tränen in den Augen. Ein dritter holt schon sein Notizbuch heraus. Aber der Obertraumel hebt eine Pfote.

„Doch diese Aufgabe ist nicht für alle. Es ist eine Aufgabe für die Mutigen. Die Geduldigen. Diejenigen, die gelernt haben, Chaos zu verstehen und Hoffnung zu stärken.“

Langsam schaut er zu Toni.

„Es ist eine Aufgabe für dich, Toni Traumel.“

Toni spürt Wärme in seiner Brust. Einen warmen Funken, der sich ausbreitet wie eine kleine Flamme.

„Und selbstverständlich“, fährt der Obertraumel fort, „für Mo und Mona, die in diesem Jahr bewiesen haben, dass wahre Stärke aus Freundschaft entsteht.“

Mo richtet sich stolz auf. Mona nickt – sehr ordentlich, aber mit weichen Augen.

„Wir sollen die Wünsche im Traumland suchen.“ Es war keine Frage. Der Weihnachtsmann nickte.

Mona trat vor, die Stirn gerunzelt. „Aber das Traumland ist riesig! Es gibt hunderte kleiner Wege, verborgene Nischen, magische Schluchten und überall Traumstationen. Wo sollen wir suchen?“

„Ja,“ warf Mo ein und wedelte mit seiner blinkenden Mütze, „wir könnten ja überall anfangen! Oder nirgends! Oder überall gleichzeitig, aber nirgends richtig!“

Mona verdrehte die Augen, doch der Weihnachtsmann lächelte schwach.

„Deshalb brauche ich euch drei. Ihr kennt diesen Ort besser als jeder andere.“

Mona holte eine zusammengerollte Karte hervor. Sie war groß, bunt und voller winziger Symbole. Die Traumstationen leuchteten in verschiedenen Farben, und die Wege dazwischen wirkten wie dünne, glitzernde Fäden.

„Hier“, erklärte Mona und rollte die Karte aus, „sind die Wolkenweiden, dort die Lachhügel, dort die Zauberwälder, und ganz weit drüben die Heldenschlucht. Die Wünsche könnten… überall sein.“

Der Weihnachtsmann trat näher, und Toni bemerkte, dass seine Schritte diesmal schwerer wirkten. „Es gibt einen Weg, wie wir herausfinden können, wo die Wünsche sich versteckt haben.“ Er kramte in einem seiner tiefen Manteltaschen und zog ein kleines goldenes Säckchen hervor. Es funkelte, als wäre es von innen beleuchtet.

„Was ist das?“ fragte Toni.

„Der Sternenstaub der Sehnsucht“, antwortete der Weihnachtsmann. „Er zeigt nur eines an: echte, ehrliche Wünsche.“

Die Traumel hielten den Atem an. Der Weihnachtsmann öffnete das Säckchen ein Stück weit und ließ eine Handvoll des glitzernden Staubes auf die Karte rieseln. Zuerst geschah nichts. Dann begann das Gold zu glimmen. Winzige Punkte leuchteten auf – erst wenige, dann immer mehr.

Mo flüstert: „Oooh! Glitzerpunkte! Meine Lieblingspunkte!“

Toni zählte. „Eins… zwei… fünf… zehn… zwanzig… oh!“

Mona schluckte. „Das sind… Hunderte! Überall im Traumland!“

„Die Wünsche haben sich verteilt“, murmelte der Weihnachtsmann. „Wie Funken, die der Wind verweht hat.“

Jemand zog an Tonis Fell. Es war Mo. Er hüpfte nervös auf und ab, seine Mütze blinkte in einer Art Alarmmuster. „Toni! Ich hab’s! Ich HAB’S!“

„Was hast du?“

„Wenn Wünsche so ähnlich funktionieren wie Traumenergie…“ Mo machte eine weite Handbewegung, die fast einen anderen Traumel umwarf. „…dann könnten wir sie doch über die Leitungen der Traumstationen zur Traumfabrik schicken und in Traumgläsern sammeln!“

Die anderen Traumel murmelten. Das klang… gar nicht so dumm.

„Mona?“ fragte Toni.

Die kluge Traumelin überlegte fieberhaft. „Nun ja… theoretisch stimmt es. Traumgläser sammeln Traumenergie und halten sogar der gebündelten Traumkraft stand. Und Wünsche bestehen aus Wunschenergie. Aber… alle großen Gläser in der Traumfabrik sind voll.“

„Nicht alle!“ rief Mo triumphierend und wedelte so heftig mit der Mütze, dass sie gar nicht aufhörte zu blinken.

„Was meinst du?“ fragte Mona skeptisch.

Mo zeigte auf die riesige Wand der Traumgläser in der Traumfabrik. Und tatsächlich: Eines der Gläser war nur halb gefüllt. Ein Raunen ging durch die Traumel.

„Das Glas hat noch Traumkraft für unzählige Träume“, sagte Mona.  Wir haben wochenlang dafür gesammelt!“

Die Traumel sahen sich an. Das war eine Menge Arbeit. Wirklich viel Arbeit. Wenn sie das Glas leeren mussten, müssten sie all die Energie später neu sammeln. Das bedeutete: doppelte Arbeit, doppelte Mühe. Doch dann sah Toni zu den Traumeln, sah ihre glitzernden Augen, ihr buntes Fell, ihre warmen Herzen.

„Für die Wünsche der Kinder würden wir es tun“, sagte Toni leise.

„Für Weihnachten“, ergänzte Mo und pustete eine Seifenblase in die Luft, die sofort zu einer kleinen funkelnden Schneeflocke gefror.

Mona nickte entschlossen. „Also gut. Wir leeren das Glas.“

Die Traumel versammelten sich vor dem halb gefüllten Glas. Der Obertraumel trat vor, legte die Hände aneinander und murmelte eine leise Melodie, die nur zu besonderen Momenten gesungen wurde. Das Glas begann zu glühen, erst schwach, dann hell. Die Traumenergie löste sich wie Dampf und stieg in allen Farben des Regenbogens in den Himmel auf.

„Möge sie wieder zu den Kindern zurückkehren“, sagte der Obertraumel. „Und mögen sie bald neue, schöne Träume zu uns senden.“

Als das Glas leer war, blieb es still. Sehr still. Toni spürte, wie schwer dieser Moment für alle war. Doch dann trat der Weihnachtsmann vor und legte seine große, warme Hand auf das leere Glas. „Ihr Traumel habt etwas getan, was nicht selbstverständlich ist. Ihr habt gegeben, bevor ihr genommen habt. Das ist der wahre Geist von Weihnachten.“

Mo strahlte. Mona lächelte. Toni wuchs ein Stück in die Höhe – zumindest fühlte es sich so an.

„Nun“, sagte der Weihnachtsmann, „braucht ihr noch etwas Wichtiges.“
Er griff erneut in seinen Mantel und zog eine silberne Glocke hervor. Sie war klein, aber wunderschön. Zarte Schneeflocken waren eingraviert, und sie schimmerte in einem weichen Blau.

„Diese Glocke wird euch helfen. Wenn ein Wunsch in der Nähe ist, wird sie klingen.“

Toni nahm sie vorsichtig entgegen. In dem Moment läutete sie ein einziges Mal – ein leiser Ton. „Das ist… wundervoll“, flüsterte Toni.

Mo hüpfte. „Dann können wir die Wünsche finden! Und in das Traumglas bringen! Und Weihnachten retten!“

„Ganz genau“, sagte der Weihnachtsmann.

Mona beugte sich über die Karte und tippte auf einen der ersten leuchtenden Punkte. „Hier. Die Wolkenweiden. Dort sind besonders viele Wünsche gelandet.“

Die Wolkenweiden waren ein Ort, an dem alles weich und sanft war – schwebende Wolkenbäume, flauschige Schafe und schimmernde Wolkenspulen mit der Energie für ruhige Träume voller Entspannung.

„Ein guter Start“, meinte der Weihnachtsmann.

„Dann… brechen wir auf!“ rief Mo.

„Moment“, sagte Mona streng. „Wir brauchen Reihenfolge. Planung. Struktur.“

„Wir brauchen ein Abenteuer!“ rief Mo.

Toni schmunzelte. Er wusste, dass beide recht hatten.

„Wir tun es zusammen“, sagte er. „Wie immer.“

Er nahm die Glocke. Mo nahm die Karte. Mona nahm ihr Notizbuch. Und gemeinsam machten sie sich auf den Weg – durch funkelnde Schneeflocken, vorbei an der Traumfabrik, hinein in das weite, glitzernde Traumland. Die Suche nach den verlorenen Wünschen hatte begonnen. Und das erste Ziel waren die Wolkenweiden.

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