
Am nächsten Morgen wurde das Funkelstein-Team nicht durch das sanfte Wiehern der Pferde geweckt, sondern durch ein gewaltiges Fluchen.
Lori schreckte in ihrem Bett auf. „Was war das denn?“, murmelte sie schlaftrunken. Sie warf die Decke zurück und stand so schnell auf, dass sie fast über ihre eigenen Reitstiefel stolperte.
Phil steckte den Kopf aus seinem Zimmer. Seine Haare standen wie ein explodiertes Vogelnest in alle Richtungen. „Was ist denn hier los?“, fragte er und rieb sich die Augen. Er konnte keine Sekunde stillstehen und wippte bereits aufgeregt von einem Fuß auf den anderen.
Emma kam als Letzte auf den Flur. Sie trug ihren Morgenmantel und hatte bereits ihr blaues Notizbuch unter den Arm geklemmt. „Das ist doch Florians Stimme“, sagte sie bedacht. „Hört ihr sein Schimpfen?“
Die drei Freunde rannten nach draußen. Die Morgenluft war noch kühl und biss ein wenig in den Nasenspitzen. Es roch nach feuchtem Gras und dem süßlichen Duft von frischen Brötchen aus der Hofküche. Doch auf dem Hofplatz war keine Gemütlichkeit zu spüren. Stallmeister Florian lief vor der Feuerstelle auf und ab. Sein Gesicht war so rot wie eine reife Tomate und er fuchtelte wild mit den Armen.
„Das darf doch nicht wahr sein!“, rief er immer wieder. „Weg! Einfach weg!“
Lori marschierte direkt auf ihn zu. Sie krempelte die Ärmel ihres Schlafanzugs hoch. „Können wir dir irgendwie helfen, Florian?“
Florian blieb stehen und schnaufte wie ein müdes Walross. Er deutete auf den Holzturm. „Das Holz, Lori. Das gute, trockene Holz. Schon gestern hat etwas gefehlt. Und jetzt? Seht selbst!“
„Aber wer klaut denn Holz?“, fragte Phil und kratzte sich am Kopf.
Lori ballte die Fäuste. „Das ist gemein! Das Osterfeuer ist doch das Beste an den ganzen Ferien!“ Sie dachte an die hellen Flammen, das Knistern der Funken und wie sie alle zusammen Stockbrot rösteten. Die Vorstellung, dass das dieses Jahr ausfallen sollte, machte sie richtig wütend. „Das lassen wir nicht zu, Florian! Wir finden den Dieb!“
Emma kniete sich auf den Boden. Sie kniff die Augen zusammen und untersuchte den staubigen Boden. „Wartet mal kurz“, sagte sie leise. „Hier sind Spuren.“
Florian und die anderen beugten sich zu ihr hinunter. Emma deutete auf lange, schleifende Abdrücke im Rasen. „Das sieht aus, als hätte jemand die schweren Stämme über den Boden gezogen. Und schaut mal hier…“ Sie hielt einen kleinen, braunen Tannenzweig hoch. „Das ist ein Zweig von einem alten Weihnachtsbaum. Genau wie die im Wald gestern.“
Lori klopfte sich auf den Oberschenkel. „Emma, du hast recht! Die Haufen im Wald! Der Dieb bringt das Holz dorthin!“
„Aber warum?“, fragte Phil ungeduldig. Er fing an, leise zu pfeifen, ein Zeichen dafür, dass er angestrengt nachdachte. „Wer versteckt denn Brennholz im Wald? Das ist doch total unlogisch. Im Wald gibt es doch schon genug Stöcke!“
Stallmeister Florian schüttelte den Kopf. Er sah so traurig aus, dass Lori am liebsten sofort losgerannt wäre, um das Holz eigenhändig zurückzutragen. „Wenn das so weitergeht, haben wir nur noch ein winziges Teelicht statt eines Osterfeuers“, murmelte er.
„Keine Sorge, Florian“, sagte Lori fest. „Wir sind das Funkelstein-Team. Wir lösen das Rätsel.“
Die drei Freunde gingen zum Stall. Saphir begrüßte Lori mit einem kräftigen Wiehern. Hü-üüüh-hühhh. Er schien zu spüren, dass Lori aufgeregt war. Er rieb seinen Kopf an ihrer Schulter. Phil fütterte Stella eine extra Portion Hafer. „Du musst heute Nacht fit sein, Stella“, flüsterte er. „Wir werden Detektive.“
Emma saß auf einer Heuballen-Bank. „Wir brauchen einen Plan“, sagte sie. „Wenn wir den Dieb am Tag suchen, versteckt er sich. Er kommt bestimmt nur nachts, wenn alle schlafen.“
„Zack! Eine Nachtwache!“, rief Phil und machte einen kleinen Luftsprung. „Wir übernachten auf dem Heuboden!“
Lori nickte entschlossen. „Gute Idee. Vom Heuboden aus haben wir den perfekten Blick auf die Feuerstelle. Wir nehmen Schlafsäcke und Taschenlampen mit.“
Den ganzen Tag über waren die drei wie auf Kohlen. Als die Sonne schließlich langsam hinter den Tannen versank und der Himmel sich dunkelviolett färbte, schlichen sie sich in den Stall. Es roch nach warmem Pferd und süßem Heu.
Sie kletterten die hölzerne Leiter zum Heuboden hinauf. Knarz, knarz, machten die Stufen. Phil war als Erster oben, flink wie ein Eichhörnchen. Sie machten es sich im Heu gemütlich, das überall ein bisschen kitzelte.
„Hier halten wir Wache“, flüsterte Lori.
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