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Kapitel 2: Das blaue Flimmern und der Popcorn-Duft

Summmmmmm.

Das Geräusch wurde lauter. Es klang nicht mehr wie ein kleiner, harmloser Bienenschwarm, der um eine Blüte kreist. Nein, jetzt klang es tief und satt. Es erinnerte an eine riesige, gemütliche Katze, die auf einer Heizung liegt und schnurrt, weil sie gerade eine Schale Milch getrunken hat. Ein tiefes, brummendes Vibrieren lag in der Luft. Es war so stark, dass die Wassertropfen auf den Grashalmen anfingen zu zittern.

Leo spürte es bis in die kleinen Zehen. Seine Füße, die sonst nie stillstehen konnten und immer tipp-tapp-tipp-tapp machten, waren plötzlich wie festgewurzelt im kalten Matsch. Er starrte mit offenem Mund auf das Tor. Vor einer Minute war es noch ein rostiges, trauriges Ding aus altem Eisen gewesen. Ein Tor, das schon fast auseinanderfiel. Jetzt aber leuchtete es.

„Wow“, hauchte Leo. Der Atem bildete kleine weiße Wölkchen vor seinem Mund. „Guckt mal! Das glüht ja!“

Der graue, eiskalte Regen, der ihnen gerade noch in den Kragen gelaufen war, schien einen großen Bogen um das Tor zu machen. Rund um die drei Freunde prasselte es weiter auf den matschigen Acker. Plitsch, platsch. Überall war es nass und ungemütlich. Aber direkt vor dem Tor, in einem großen Halbkreis, war der Boden plötzlich trocken. Die Pfützen verdampften einfach. Und es war warm. Eine sanfte, wohlige Wärme strahlte von dem blauen Licht aus. Es fühlte sich an, als würde man an einem kalten Wintertag die Tür zu einer Backstube öffnen oder eine ofenwarme Decke um die Schultern gelegt bekommen.

Mila machte vorsichtig einen Schritt nach vorne. Ihr Pferdeschwanz, der sonst immer wild hüpfte, hing ganz ruhig herab. Mila hatte große Augen, so groß wie Untertassen beim Kaffeekranz. „Mein Ball“, flüsterte sie. Sie zeigte mit dem Finger auf das flimmernde Netz. „Er ist da rein geflogen. Habt ihr das gesehen? Er ist einfach verschluckt worden!“

Benne stand hinter Mila und Leo. Er machte sich so klein, wie ein riesiger Bären-Torwart sich eben machen kann. Er drückte seine gewaltigen Torwarthandschuhe vor die Brust, als wollte er sich dahinter verstecken wie hinter einem Schutzschild. „Bälle können nicht in Tore hineinfliegen, ohne wieder herauszukommen“, brummte Benne ängstlich. Er schüttelte den Kopf, dass seine Wangen wackelten. „Das geht in echt gar nicht. Tore sind aus Eisen, nicht aus Wackelpudding. Das ist gegen die Regeln.“ Benne mochte es, wenn Dinge normal waren. Äpfel fielen vom Baum nach unten. Regen machte nass. Und Tore standen einfach nur rum. Das hier war gar nicht normal.

„Vielleicht ist es ein Trick“, sagte Leo. Seine Neugier war größer als seine Angst. Er löste seine Füße aus dem Matsch und schlich um das Tor herum. Er wollte sehen, was hinter dem Netz war. Er stapfte durch das nasse Gras auf die Rückseite des Tores. „Und?“, rief Mila ihm nach. „Was siehst du?“

Leo kratzte sich am Kopf. Er schob sein nasses Stirnband hoch. „Nichts!“, rief er zurück. „Hier ist nur der Wald! Und die Brennnesseln!“ Leo streckte die Hand aus und wedelte hinter dem Netz herum. Er konnte seine Hand durch die Maschen sehen. Ganz normal. Aber wenn er wieder nach vorne lief und von vorne in das Tor schaute, dann war da kein Wald. Da war nur wirbelndes Blau.

Es sah aus wie Wasser in einem wunderschönen Swimmingpool, das jemand kräftig mit einem riesigen Löffel umgerührt hat. Hellblau, dunkelblau, türkis und dazwischen tanzten kleine, funkelnde Pünktchen, wie Glühwürmchen auf einer Sommerwiese. Swusch, swusch, swusch machte das Licht, während es sich drehte. Es war wunderschön und ein bisschen unheimlich zugleich.

Leo zupfte nervös an seinem Trikot. „Das ist wie Zauberei“, flüsterte er. „Vorne hui, hinten pfui.“ „Das heißt anders“, korrigierte Mila, aber sie ließ den Blick nicht von dem blauen Wirbel. „Das ist ein Portal. Wie in den Filmen.“

„Ein Portal?“, fragte Benne und seine Stimme rutschte eine Etage höher. „Du meinst so ein Ding, wo Monster rauskommen?“ Er machte einen großen Schritt rückwärts. Seine Schuhe schmatzten laut im Matsch. „Ich glaube, wir sollten jetzt wirklich nach Hause gehen“, sagte Benne schnell. „Meine Mama macht heute Pfannkuchen. Mit Apfelmus. Und Zimt und Zucker. Wenn wir uns beeilen, kriegen wir noch die ersten, die schön knusprig sind.“

Mila drehte sich langsam um. Sie sah Benne an. Dann sah sie Leo an. In ihren Augen blitzte etwas auf. Es war nicht nur Angst. Es war dieses besondere Funkeln, das Mila immer hatte, wenn sie auf den höchsten Baum im Park kletterte oder mit dem Fahrrad freihändig den Berg runterraste. Es war Abenteuerlust. „Wir können nicht gehen“, sagte Mila fest. Sie stemmte die Hände in die Hüften. „Warum nicht?“, fragte Benne und schielte ängstlich zu dem unheimlichen blauen Wirbel, der immer noch leise Summ-diii-dumm machte. „Weil mein Ball da drin ist!“, rief Mila. „Das ist mein allerbester Ball. Der einzige, der noch halbwegs rund ist. Den hat mir mein Opa geschenkt. Den lass ich nicht da drin.“

Sie ging noch einen Schritt näher heran. Das Summen wurde höher, wie eine kleine Flöte. Fiiiieeeep. Das Licht wurde heller. Es spiegelte sich in den Pfützen auf dem Boden, sodass der braune, hässliche Matsch plötzlich aussah wie flüssiges Gold.

„Riecht ihr das?“, fragte Leo plötzlich. Er reckte den Hals und schnupperte wie ein kleines Kaninchen, das eine Möhre wittert. Seine Nase zuckte hektisch hin und her. Leo hatte einen ganz feinen Geruchssinn. Er konnte riechen, wenn es in der Schule Milchreis gab, noch bevor er das Gebäude betreten hatte. Er roch sogar, wenn der Hausmeister heimlich Pfefferminzbonbons aß. Benne nahm die Hände vom Gesicht und schnupperte auch vorsichtig. „Riecht gar nicht nach Strom“, stellte er überrascht fest. „Oder nach verbranntem Gummi.“ „Nein“, sagte Leo. Ein breites, seliges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Es riecht nach … Jahrmarkt.“

„Jahrmarkt?“, fragte Mila verwundert. „Mitten auf dem Acker?“ „Ja!“, rief Leo begeistert. Er schloss kurz die Augen. „Es riecht nach gebrannten Mandeln. Und nach Zuckerwatte, die rosarot und klebrig ist. Und ganz doll nach frischem, warmem Popcorn!“

Benne leckte sich über die Lippen. Sein Magen machte ein lautes Grummel-Knurr-Geräusch, das fast so laut war wie das Summen des Tores. Benne hatte eigentlich immer Hunger, aber bei Popcorn wurde er schwach. Popcorn war sein Lieblingsgemüse. „Bist du sicher?“, fragte Benne und ging vorsichtig, ganz vorsichtig, wieder einen Schritt auf das Tor zu. „Ganz sicher“, sagte Leo und nickte eifrig. „Süßes Popcorn. Mit extra viel Zucker und Butter.“

Jetzt standen sie alle drei direkt vor der weißen Linie, die kaum noch zu sehen war vor lauter Schlamm. Das Tor ragte riesig vor ihnen auf. Die Pfosten sahen nicht mehr rostig und alt aus, sondern glatt und silbern, wie poliertes Mondlicht. Das blaue Licht wirbelte direkt vor ihren Nasen. Es war so nah, dass Leo spürte, wie die feinen Härchen auf seinen Armen sich aufstellten. Es kribbelte überall am ganzen Körper. Ein lustiges Kribbeln, wie Brausepulver auf der Zunge oder wie Ameisenlaufen, wenn der Fuß eingeschlafen ist – nur viel schöner.

Mila atmete tief durch. Sie streckte langsam ihre Hand aus. „Nicht anfassen!“, warnte Benne und wollte sie festhalten. „Vielleicht ist es heiß! Verbrenn dich nicht!“ Aber Mila hörte nicht auf ihn. Sie war wie verzaubert von dem tanzenden Licht. Ihre Fingerspitzen berührten ganz sacht das wirbelnde Blau.

Mila zuckte nicht zurück. Im Gegenteil, sie kicherte. „Es ist nicht heiß“, sagte sie staunend. „Es ist kitzelig. Wie Seifenblasen in der Badewanne, wenn sie platzen.“ Sie wurde mutiger. Sie steckte ihre ganze Hand hinein. Die Hand verschwand einfach im blauen Wirbel, als würde sie in Tinte tauchen. „Guckt mal!“, rief sie begeistert. „Meine Hand ist weg! Einfach weg!“ Sie zog sie schnell wieder heraus. Die Hand war noch da. Puh! Alle atmeten erleichtert aus. Die Hand war ganz trocken, aber sie leuchtete ein bisschen schwach, als wäre sie mit feinem Sternenstaub gepudert worden.

Leo konnte nicht mehr stillhalten. Er wippte von einem Fuß auf den anderen. Hopp, hopp, hopp. Das Abenteuer-Kribbeln in seinem Bauch war jetzt so stark, dass er fast platzte. Er wollte wissen, wo das Popcorn war. „Ich will auch mal!“, rief er. Er steckte seinen Kopf kurz in das Licht und zog ihn sofort wieder zurück. „Hui!“, kicherte er und schüttelte sich wie ein nasser Hund, dass die Tropfen flogen. „Das kühlt an den Ohren! Wie ein Eiswürfel im Nacken!“

Mila drehte sich zu ihren Freunden um. Ihr Gesicht war ernst, aber ihre Augen strahlten wie Wunderkerzen an Silvester. Sie wusste, was sie tun musste. Als Kapitänin der Mannschaft durfte sie ihren Ball nicht im Stich lassen. „Wir gehen da rein“, sagte sie bestimmt. Benne riss die Augen so weit auf, dass sie fast aus dem Kopf fielen. „Bist du total verrückt geworden? Wir wissen doch gar nicht, wo das hinführt! Vielleicht landen wir im Bauch von einem Wal! Oder in einem Vulkan!“ „Quatsch“, sagte Leo und wischte sich über die Nase. „Wale riechen nach Fisch und Vulkane nach Schwefel. Hier riecht es nach Popcorn. Da kann es nur gut sein.“

„Wir holen nur den Ball“, sagte Mila. Sie klang sehr vernünftig, obwohl ihr Herz hämmerte. „Rein, Ball schnappen, raus. Das dauert keine zwei Minuten. Deine Pfannkuchen werden nicht kalt, Benne. Versprochen.“ Benne sah skeptisch aus. Er schaute auf seine Uhr, aber die war unter dem Handschuh versteckt. Er klopfte seine riesigen Handschuhe gegeneinander. Patsch. Patsch. Das machte er immer, wenn er Mut brauchte oder sich beruhigen musste. Er schaute zurück auf den grauen, nassen, kalten Acker. Dort warteten nur Maulwürfe und die gemeinen Sprüche von Rocco. Dann schaute er nach vorne in das warme, blaue, popcorn-duftende Licht.

Benne seufzte tief, wie ein alter Blasebalg. „Na gut“, brummte er. „Aber wenn uns ein Monster fressen will, dann box ich es weg. Dafür habe ich die Handschuhe an.“ Er hielt seine riesigen Pranken hoch und boxte in die Luft. Wusch, wusch.

Mila lächelte. Sie war froh, dass Benne dabei war. Benne war stark. „Okay“, sagte sie. „Aber wir müssen zusammenbleiben. Keiner lässt los. Wir sind ein Team. Verstanden?“ „Verstanden!“, rief Leo schnell und hüpfte auf der Stelle. „Verstanden“, seufzte Benne ergeben.

Sie stellten sich nebeneinander auf, direkt an die Torlinie. Mila stand in der Mitte. Sie nahm Leos Hand in ihre linke Hand. Leos Hand war klein und warm und zitterte ein bisschen vor Aufregung. Dann nahm Mila Bennes große Pranke in ihre rechte Hand. Der Torwarthandschuh fühlte sich weich, griffig und sicher an. Sie bildeten eine Kette. Eine feste Mannschaftskette, die nichts trennen konnte.

„Auf drei“, sagte Mila. Das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Bumm, bumm, bumm. Es war ein tolles, wildes Gefühl. Ein bisschen wie kurz bevor man im Schwimmbad vom Dreimeterbrett springt, obwohl man sich eigentlich nicht traut.

„Eins“, zählte Mila laut. Das Summen des Tores wurde noch lauter. Es klang jetzt fast wie eine Melodie, die sie rief. Summ-diii-dumm, kommt her-uuuum.

„Zwei“, sagte Leo und biss sich auf die Lippe. Er ging leicht in die Hocke, spannte die Muskeln an, bereit zum Sprung. Er war ein Sprinter. Er war bereit für das Rennen seines Lebens.

Benne kniff die Augen ganz fest zu. Er wollte nicht sehen, was passierte. Er wollte nur an die Pfannkuchen denken. Einen Turm aus zehn Pfannkuchen. Mit Sirup. „Drei!“, brummte Benne tief aus dem Bauch heraus.

„Und los!“, schrie Mila.

Alle drei sprangen gleichzeitig ab. Sie sprangen über die weiße Linie. Sie sprangen mitten in das wirbelnde Blau hinein.

WUSCH!

Im ersten Moment fühlte es sich an, als würden sie durch einen Wasserfall springen, der aber gar nicht nass war. Die Welt drehte sich. Alles um sie herum wurde hellblau. Der graue Himmel war weg. Der Regen war weg. Der Acker war weg.

Dann fühlte es sich an, als würden sie rutschen. Eine riesige, unsichtbare Rutsche hinunter, die sich wie eine Spirale drehte. Sausssssss! Es ging rasend schnell. Schneller als die schnellste Wasserrutsche im Freibad. Leos Stirnband flatterte im Wind, der ihm um die Ohren pfiff. Überall um sie herum blitzten Farben auf. Lila Kringel, gelbe Streifen und grüne Punkte tanzten vorbei. „Juhuuuuu!“, schrie Leo vor Freude. Das kitzelte im Bauch! Es war das beste Gefühl der Welt. „Wuuuaaaah! Hilfeeee!“, rief Benne und hielt Milas Hand so fest, dass ihre Finger fast knackten. Mila lachte laut. Sie konnte nicht anders. Es war ein wildes, verrücktes, wunderbares Gefühl. Sie wirbelten durch die Farben. Es gab kein Oben und kein Unten mehr. Sie waren schwerelos wie Astronauten.

Es dauerte nur ein paar Sekunden. Vielleicht auch nur einen einzigen Wimpernschlag lang. Das wilde Sausen wurde langsamer. Das blaue Licht wurde weicher, wie Zuckerwatte. Dann spürten sie wieder Boden unter den Füßen. Aber es war kein harter Aufprall. Kein schmerzhaftes Platsch im Matsch wie vorhin bei Leos Sturz.

Es war ein ganz weiches, federndes Landen.

BOING!

Sie prallten auf den Boden und wurden sofort wieder in die Luft geschleudert. BOING, BOING! „Huch!“, rief Leo. Er purzelte vorwärts, machte einen Salto und landete wieder auf den Füßen. Der Boden katapultierte ihn gleich wieder hoch. Mila landete auf dem Po und hüpfte wie ein Flummi wieder hoch. Huiii! Benne, der immer noch die Augen fest zugekniffen hatte und steif wie ein Brett war, plumpste einfach um wie ein nasser Sack Kartoffeln. Aber er blieb nicht liegen. Er federte sanft nach. Wabbel, wabbel, boing.

Einen Moment lang hüpften und wackelten sie alle durcheinander, bis sie endlich zum Stillstand kamen. Dann war alles still. Mucksmäuschenstill. Kein Regenprasseln mehr. Kein Summen mehr. Kein Autolärm von der Straße. Nur ein leises, fremdes Zirpen war zu hören, wie von Grillen, die Schluckauf haben. Zirp-hicks… zirp-hicks…

Leo lag auf dem Rücken und starrte nach oben. Er spürte etwas Weiches unter seinen Händen. Er knetete es. Es fühlte sich an wie Gummi oder fester Schaumstoff, aber es war warm und trocken. Er atmete tief ein. Die Luft roch hier nicht mehr nach Popcorn. Das war schade. Aber sie roch auch gut. Sie roch süß und fruchtig. Wie warme Gummibärchensuppe mit Himbeergeschmack.

Ganz langsam, vorsichtig wie eine kleine Schnecke, die aus ihrem Haus schaut, öffnete Leo ein Auge. Dann das andere. Dann riss er beide Augen so weit auf, dass sie fast rund waren. Sein Mund klappte nach unten wie eine Ladeklappe beim LKW.

„Leute“, flüsterte er heiser. „Macht mal sofort die Augen auf. Sofort!“

Benne schüttelte den Kopf. Er lag mit dem Gesicht nach unten im weichen Boden und hielt sich die Hände über die Ohren. „Sind wir tot?“, fragte er dumpf in den Boden hinein. „Oder sind wir im Krankenhaus?“ „Nein“, sagte Mila. Ihre Stimme klang ganz dünn vor Staunen. Sie rappelte sich langsam hoch. Ihre Knie zitterten, aber der Boden federte lustig bei jeder Bewegung. Sie staubte sich die Hosen ab, obwohl da gar kein Staub war. Dann schaute auch sie nach oben. Und dann fror sie ein, genau wie Leo.

Über ihnen war kein grauer Himmel mehr. Da waren keine dunkelgrauen Regenwolken. Da war auch keine gelbe Sonne.

Der Himmel über ihnen war lila. Ein wunderschönes, leuchtendes, sattes Lila, genau so wie der Fliederbusch im Garten von Leos Mama im Frühling blüht. Und am Himmel standen nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Monde. Ein riesig großer Mond, der aussah wie eine Melone. Ein mittlerer Mond. Und ein ganz kleiner Mond, der frech daneben leuchtete. Alle drei schimmerten in einem zarten Blassrosa.

Leo setzte sich auf. Er traute seinen Augen nicht. Er kniff sich in den Arm. Aua. Okay, er schlief nicht. Er schaute auf den Boden. Der Rasen war nicht braun. Er war nicht grün. Er war leuchtend blau. Knallblau! Und die Grashalme waren keine echten Grashalme. Sie sahen aus wie tausende kleiner blauer Gummischläuche oder Nudeln. Wenn Leo mit der Hand darauf drückte, federten sie lustig zurück.

„Benne“, sagte Mila und stupste den großen Torwart mit dem Fuß an. Boing machte Bennes Seite. „Guck mal. Wir sind nicht mehr in Kickstadt. Wir sind auch nicht mehr auf dem Acker.“

Benne blinzelte vorsichtig durch seine Finger. Erst sah er nur dunkel, dann sah er blau. Er nahm die Hände weg. Er sah den blauen Gummiboden. Er sah den lila Himmel. Er sah die drei rosa Monde, die am Himmel hingen wie Lampions. Er setzte sich auf. Er ließ die Arme hängen und sein Mund stand offen wie ein riesiges Scheunentor. Er vergaß sogar, an seine Pfannkuchen zu denken.

„Ach du dicke Banane“, flüsterte Benne. „Wo sind wir hier?“

Leo sprang auf. Hui, er flog viel höher als sonst! „Das ist ja cool!“, rief er. „Guckt mal, wie hoch ich springen kann!“ Weit und breit war kein Fußballplatz zu sehen. Sie standen auf einer riesigen, weichen, blauen Ebene, die bis zum Horizont reichte. Überall wuchsen seltsame Blumen, die aussahen wie gedrehte Lutscher.

Aber ganz hinten am Horizont, da glitzerte etwas Gewaltiges. Es sah aus wie eine gigantische Kuppel aus Glas, unter der bunte Lichter tanzten. Und direkt davor, nur ein paar Meter entfernt, schwebte plötzlich etwas Kleines, Gelbes auf sie zu.

Es hatte keine Beine, dafür zwei Ärmchen. Es hatte keine Flügel. Es leuchtete wie eine kleine Sonne und sah aus wie eine Glühbirne. Und es summte leise auf sie zu. Sssssst.

Die drei Freunde rückten ganz eng zusammen. Mila nahm Leos Hand, Leo nahm Bennes Hand. Was war das denn? Freund oder Feind?

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