Auf ins Feriencamp!

Jakob Börner

Björn erwartet eine Überraschung, als es ins Feriencamp gehen soll. Wird alles gut gehen?

Nach Alter: Ab 6-8 Jahre

Nach Lesedauer: Ca. 10 Minuten

Reisebus ins Ferienlager

Auf ins Feriencamp!

Björn ist ganz schön müde. Der Wecker zeigt halb acht Uhr morgens und gibt einen scheinbar nicht endend wollenden Ton von sich. Der Geruch von getoastetem Brot stieg die Treppe bis in Björns Zimmer hinauf. Doch der sonst so wohlige Geruch konnte ihm heute keinen Appetit verschaffen. Sein Magen schien sich förmlich um sich selbst zu drehen und er merkte wie ein unwohles Gefühl ihm den Hals hinaufkroch. Das Abenteuercamp, auf das er sich mit seinem Freund Marvin schon seit Wochen gefreut hatte, würde Björn nun alleine besuchen müssen. Daher Björns mulmiges Gefühl…bestimmt würde er nun die ganze Zeit herumsitzen und den anderen Kindern dabei zuzusehen, wie sie spielen. Ohne Marvin, dessen Suche nach Spielkameraden immer so mühelos schien, hatte Björn bereits Schwierigkeiten den Mut zu finden jemanden anzusprechen.

Nachdem Björn sich aus dem Bett geschält und seine Klamotten übergestreift hatte, ließ er sich in den Küchenstuhl sinken. Als seine Mutter ihm das geschmierte Toastbrot auf den Tisch stellte, musterte er es kurz widerwillig und schob den Teller von sich. „Ich habe keinen Hunger“, murmelte Björn mit gesenktem Kopf. Seine Mutter wollte ihm das jedoch nicht durchgehen lassen: „Du hast doch heute eine lange Busfahrt vor dir Björni, da musst du wenigstens etwas gegessen haben.“ Björn versuchte zu verhandeln: „Ich kann das doch auch einfach im Bus essen.“  

Mit Brotdose im Gepäck stand Björn mit seiner Mutter am Busbahnhof. Er hatte versprechen müssen, dass er sein Frühstück auch essen würde. Die gemeine Unterstellung er würde sich ausschließlich an den Keksen laben, die er mitbekommen hatte, wies er von sich. Da würde Mama ihm einfach mal vertrauen müssen. Vereinzelt standen bereits Kinder und Eltern in der Nähe des angekündigten Abfahrtortes. Ein Johlen ertönte und Björn schaute hinüber zu einer Gruppe Jungen, von denen offenbar einer einen Fußball zwischen zwei Reisetaschen hindurchgejagt hatte. Dem notdürftig zusammengestellten Tor fehlten im Gegensatz zum richtigen nur leider die Netze, die den nun auf die Straße zurollenden Ball hätten aufhalten können. Der Torwart, realisierend, was im Begriff zu passieren war, nahm seine Beine in die Hand und stürmte dem Ball hinterher. Vergebens. Der Ball rollte unter einen der parkenden Busse, wo er anschließend die leichte Anhöhe des Stellplatzes hinunterkullerte, unter dem Bus hinaustrat und auf der Straße zum Vorschein kam.

Ohne eine Sekunde zu zögern, lief der Junge zum Ball um ihn zu ergreifen. Ein lautes Hupen und das Bremsen von Autoreifen war kurz darauf zu hören. Der Junge schreckte vor einem Auto zurück, das soeben noch vom Bus verdeckt gewesen war. Ein Mann stieg aus dem Auto und schimpfte. Im selben Augenblick eilte eine Frau zum Geschehen und fing daraufhin an im Wechsel sich bei dem Mann zu entschuldigen und eine Schimpftirade über den Jungen zu ergießen. Der Junge holte, diesmal sich umblickend, den Ball von der Straße und ging mit seiner Mutter an der Jungengruppe vorüber, die von der restlichen Elternschaft dazu bewegt worden war, die Torpfosten abzubauen.

Der Platz am Busbahnhof füllte sich zunehmend mit Kindern und Eltern, bis der Zeitpunkt zur Abfahrt gekommen war. Nachdem sich der erste Ansturm auf den Gepäckraum endlich gelegt hatte, trug auch Björn seine Reisetasche zum Bus. Nachdem er sich noch ein letztes Mal von seiner Mutter verabschiedet hatte, stieg er in das bereits zum größten Teil gefüllte Gefährt. Er schluckte. Björn ging an einigen voll besetzten Reihen vorbei und schaute verlegen um sich. Dabei vermied er andere direkt anzuschauen. „Eine freie Reihe!“, fiel Björn auf. So würde er niemanden danach fragen müssen, ob er sich dazusetzen könne. Ein wenig erleichtert setzte sich Björn an den Fensterplatz. Doch der kurze Moment von Ruhe sollte nicht lange währen. Björn merkte, wie sich jemand auf den Sitz neben ihn setzte. Den Schreck, dem ihm das eingejagt hatte, konnte er nur schwer verbergen, als er sich zu dem Jungen drehte, der sich neben ihn gesetzt hatte.  

Es war der Torwart, der dem Ball hinterhergelaufen war! „Was macht der denn hier?“, wunderte sich Björn „Warum sitzt der nicht bei seinen Freunden?“ Björn wurde aus seinen Gedanken gerissen als der Torwart ihn ansprach: „Ach sorry, geht das wenn ich hier sitze?“ „Äh… Klar… Kei- Kein Problem:“, stammelte Björn – etwas verdattert. Der Torwart hatte sich nun neben ihn gesetzt und einen Turnbeutel unter dem Sitz vor ihm verstaut. Darauf war ein grünes Vereinswappen zu erkennen. Zuordnen konnte Björn es jedoch nicht. „Also vermutlich von nem Verein wo der spielt.“, dachte Björn. In einem Fußballverein hatte Björn auch mal gespielt. Nur war er immer so schlecht gewesen, dass er häufig den Zorn seiner Mitspieler auf sich zog.  

Eine Stunde war verstrichen, da meldete sich Björns Magen mit einem Hunger, den kein mulmiges Gefühl der Welt hätte zurückhalten können. Er öffnete die Tasche seines Rucksacks und zögerte kurz bevor er die Keks-Tüte ergriff. Bei einem solchen Appetit war es einfach zu schwierig, nicht die leckeren Kekse den langweiligen Stullen vorzuziehen. „Ohh die sind voll lecker!“, hörte Björn „Kann ich ein paar davon gegen welche von meinen Gummibärchen tauschen?“ Der Torwart hielt Björn eine Tüte gefüllt mit bunten Fruchtgummis hin, die man unter Anstrengung der eigenen Vorstellungskraft als Bären ausmachen konnte. „Klar.“, murmelte Björn.  „Oh, müssen wir nicht, wenn du nicht willst.“, entgegnete der Torwart, während er eine Bewegung machte den Arm mit der Tüte zurückzuziehen. „Doch, doch!“, stoppte ihn Björn. „Du wirst es nicht bereuen.“, der Torwart grinste und schüttete Björn ein paar der Bärchen in die Hand.

„Danke, dass du mit mir getauscht hast. Ich ess die so selten, weil ich die immer nur bei meinem Papa kriege.“, der Torwart biss in den Keks. „Nur bei deinem Papa?“, fragte Björn. „Ja, meine Mama und Papa wohnen nicht mehr zusammen. Ich besuch Papa ab und zu an Wochenenden.“ „Das muss ja voll komisch für dich sein oder nicht?“ Der Torwart schüttelte den Kopf: „Nee, ehrlich gesagt gar nicht. Meine Eltern haben sich getrennt als ich noch ganz klein war. Deswegen ist das irgendwie normal für mich, verstehste?“ „Verstehe.“, entgegnete Björn. „Aber diesen Sommer hatten beide keine Zeit für einen Urlaub und deswegen fahr ich jetzt mit meinem Cousin und seinen Freunden zum Camp.“, der Torwart klang etwas geknickt. „Wieso sitzt du denn nicht bei denen eigentlich?“, diese Frage hatte Björn nun seit einer Weile auf der Zunge gebrannt. „Ach naja, weißt du, die Freunde von meinem Cousin sind voll blöd zu mir und beim Fußballspielen muss ich ständig im Tor stehen.“, gestand der Torwart. „Deswegen dachte ich mir, ich setz mich woanders hin.“ „Kann ich voll verstehen.. ähh..“, Björn stockte. „Sag mal, wie heißt du eigentlich? Ich weiß das gar nicht.“ Der Torwart grinste und streckte Björn die Hand aus: „Malte.“ Als Björn seine Hand ausstreckte, bemerkte er etwas eigenartiges. Das unwohle Gefühl von heute Morgen war längst verschwunden, ohne dass er es gemerkt hatte. „Hallo Malte, ich bin Björn.“

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