Butsche, der Piepmatz

Eines Tages sitzt ein kleiner entflohener Piepmatz auf dem Fensterbrett von Marie. Wird sie den Besitzer wiederfinden?

Nach Alter: Ab 3-5 Jahre

Nach Lesedauer: Ca. 5-10 Minuten

Blauer Wellensittich

Butsche, der Piepmatz

Blauer Himmel, singendes Vogelgezwitscher, warme Sonnenstrahlen… Es ist Sommer. Marie liegt mit weit geöffnetem Fenster in ihrem Bett und lauscht den Geräuschen der Natur. So lange hat sie auf den Sommer gewartet. In ihren Gedanken ist sie am See mit ihren Freunden. Viele lustige Momente hat Marie dort erlebt und die Sommerferien geben ihr ein Gefühl der Freiheit. Einfach auf das Fahrrad steigen, ihre Freundin Sophie abholen und dann können die Abenteuer schon losgehen.

Plötzlich reißt ein Gezwitscher Marie aus ihren Gedanken. Diese Töne hatte sie zuvor noch nie gehört. Sie klingen ungewohnt. Marie schaut zum Fenster und da sitzt er auf ihrem Fensterbrett; so groß wie ihre Handfläche, blau und mit ganz vielen weißen und schwarzen Punkten…  So einen Vogel hat sie ja noch nie gesehen!

„Na du Kleiner“, flüstert Marie zum Vogel. Eigentlich kennt Marie alle Vogelarten, die in Deutschland leben… Auf Zehenspitzen geht sie zu ihrem Bücherregal, sie will den Kleinen nicht erschrecken, nicht dass er noch wegfliegt… Sie greift nach dem Vogellexikon und blättert alle Seiten durch.

„Da ist er!“ rief Marie lautstark. Schnell guckt sie zum Fenster, da sie dachte, dass sie den Vogel erschreckt hat. Doch dieser guckt ganz interessiert in Maries Zimmer und macht nicht den Anschein, wegfliegen zu wollen.

Wellensittich, so heißt die Vogelart also, die da bei ihr am Fenster sitzt. Marie liest ganz gespannt den Infotext durch: Der Wellensittich ist eine Papageienart aus Australien. Er lebt in sehr großen Schwärmen. Obst und Gemüse essen die kleinen Vögel am liebst. Marie muss lachen; also sie isst ja viel lieber Süßigkeiten! Im Buch steht noch, dass die Lebenserwartung eines Wellensittichs 8 Jahre beträgt. Wie alt wohl der Vogel sein mag, der da bei ihr am Fenster sitzt?

Marie klappt das Buch zu und stellt es wieder in ihr BĂĽcherregal. Sie setzt sich auf ihre Bettkante und beobachtet den kleinen blauen Vogel. Minuten vergehen und immer noch sitzt er da, schaut in Maries Zimmer und putzt sich hin und wieder sein Gefieder.
Marie erschrickt! Plötzlich fliegt der Vogel auf sie zu und setzt sich auf den Stuhl an Maries Schreibtisch. „Oh nein, was mach ich denn jetzt?“, denkt sich Marie. Sie steht ganz vorsichtig auf, geht langsam zur TĂĽr, drĂĽckt die TĂĽrklinkle runter und öffnet die TĂĽr nur einen kleinen Spalt, so dass sie gerade so durchpasst.

Marie rennt in das Wohnzimmer: „Mama, Mama, das wirst du mir nicht glauben! Da sitzt ein kleiner blauer Vogel auf meinem Schreibtischstuhl!“

Ihre Mutter schaut sie verdutzt an. Marie erzählt ihr, was eben passiert ist und sie gehen gemeinsam zu Maries Zimmer, um nachzuschauen, ob er noch da ist. Langsam öffnen sie die Tür und stecken erst einmal nur ihre Köpf durch. Tatsächlich, er sitzt immer noch auf dem Stuhl. „Mama, warum sieht man seinen Kopf denn nicht?“ fragt Marie. Ihr Mutter erklärt ihr, dass Vögel ihren Kopf in ihr Gefieder stecken, wenn sie schlafen.

Der Wellensittich muss wohl entflogen sein, denn in Deutschland leben sie nicht in der Natur, sind aber beliebte Haustiere. Maries Mutter schlieĂźt das Fenster ganz vorsichtig, damit der kleine Vogel nicht auf die Idee kommt, wieder rauszufliegen. Sie mĂĽssen jetzt irgendwie den Besitzer ausfindig machen. Der macht sich bestimmt schon Sorgen um seinen Piepmatz.

Marie hat die Idee, Zettel mit einem Bild in der Nachbarschaft aufzuhängen. Vielleicht meldet sich der Besitzer.

Auf einmal kommt Maries Vater ins Zimmer; „Was ist denn hier los“, fragt er. „Psscht! Nicht so laut Papa“, antwortet Marie und zeigt auf den Stuhl. Ihr Vater lacht laut und fragt, was denn ein Vogel in dem Zimmer seiner Tochter macht. Durch das laute Lachen ist der Wellensittich aufgewacht und hochgeschreckt. Er fliegt panisch durch Maries Zimmer. Auf einmal fliegt er direkt auf Maries Vater zu. Marie und ihre Mutter fangen an zu kichern; da ist der kleine Vogel tatsächlich auf seinem Kopf gelandet!

Der Vater schaut die beiden irritiert an und fragt, „Ja, was soll ich denn jetzt machen!?“

Marie ist immer noch am Lachen.  Sie hält ihre Hand dem Vogel hin und tatsächlich läuft er ganz vorsichtig, Schritt für Schritt auf ihre Finger.
„Ich mache schnell ein Foto, dann können wir das für die Zettel verwenden“, flüstert Maries Mama.

Sie gehen gemeinsam in die Küche, der Vogel immer noch auf Maries Hand. „Mama können wir ihn nicht behalten?“, fragt Marie ganz traurig ihre Mutter. Maries Mutter erklärt ihr, dass man nicht einfach fremde Tiere behalten kann, da der Besitzer sich wahrscheinlich schon ganz große Sorgen macht.

Marie hat sich mit ihrer Freundin Sophie verabredet, um gemeinsam die Zettel in der Nachbarschaft aufzuhängen. „Und wo habt ihr den Wellensittich jetzt?“, erkundigt sich Sophie. Marie erzählt ihr, dass ihr Vater vorhin zu ihrer Oma gefahren ist, um einen Vogelkäfig abzuholen, da sie früher auch mal kleine Papageien hatte.

Als Marie abends im Bett lag, war sie ganz schön müde von dem aufregenden Tag. Immerhin landet nicht alltäglich ein kleiner Vogel auf dem Kopf ihres Vaters! Marie liegt trotzdem noch eine Weile wach und hat viele ungeklärte Fragen. Wem gehört der Vogel? Ist er schon lange allein draußen gewesen? Hat er auch einen Schwarm, wie es in ihrem Vogellexikon geschrieben ist?

Das erste, was Marie am nächsten Tag macht, ist dass sie zum Vogelkäfig rennt, das kleine Tor aufmacht und den leuchtend blauen Vogel rauslässt, damit er etwas im Haus rumfliegen kann. „Mama, hat sich schon jemand gemeldet?“, fragt sie ganz gespannt ihre Mutter. Doch bis jetzt kam noch kein Anruf und ihre Mutter vermutet, dass das auch noch eine Weile dauern kann.

Eine Woche ist schon vergangen. Maries Mutter hat in der Zwischenzeit schon eine Anzeige in das Internet gestellt und auch bei allen Tierheimen in der Nähe nachgefragt…. Vergebens, niemand vermisst seinen kleinen blauen Wellensittich. Mittlerweile ist der Vogel allen schon ans Herz gewachsen. Morgens sitzt er mit auf dem FrĂĽhstĂĽckstisch und pickt alle KrĂĽmel auf, die vom Teller fallen. Er schläft oft auf Maries Schulter, während sie lernen muss. Hin und wieder setzt er sich einfach auf den Kopf des Vaters…Den Platz scheint er zu mögen!

Eines Abends fragt Marie ihre Eltern, was sie jetzt mit dem Kleinen machen. Ihre Eltern gucken sich gegenseitig an, grinsen und verkünden, dass der Wellensittich bei ihnen bleiben darf! Marie freut sich tierisch und hüpft durch das ganze Zimmer. „Aber er braucht jetzt noch einen Namen!“ ruft ihr Vater ihr zu. Marie hört auf zu hüpfen und überlegt. „Butsche! So soll er heißen!“, antwortet Marie ganz stolz. „Willkommen zu Hause Butsche!“ rufen alle im Chor.

Marie ist ĂĽberglĂĽcklich. Butsche ist ein treuer Begleiter geworden, egal wo sie im Haus hingeht, er ist immer an ihrer Seite.
Butsche hat sich an dem Tag, als er zu Marie ans Fenster flog, seine neue liebevolle Familie selbst ausgesucht.

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