Fiepi du schaffst das

Eine Kindergeschichte

Im Gegensatz zu seinen Geschwister hat Fiepi Angst vor dem Fliegen. Fiepi traut sich einfach nicht und  sitzt immer traurig im Nest. Doch als Piepsi herbei fleigt und Fiepi hilft, Ă€ndert sich plötzlich alles…

Nach Alter: Ab 3-5 Jahre

Nach Lesedauer: Ca. 10 Minuten

Vogel im Nest
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Wie jeden Morgen kitzelten die ersten Sonnenstrahlen im Gesicht und sorgten fĂŒr ein sanftes Erwachen. Doch nur wenige Sekunden spĂ€ter wurde es laut im Wald, als aus den zahlreichen Nestern in den BĂ€umen die GesĂ€nge der Vögel erklangen. So auch in dem Nest von Fiepi, dem kleinen Rotkehlchen.

Fiepi hatte gerade seine Äuglein aufgeschlagen und freute sich ĂŒber den kurzen Moment der idyllischen Stille des Waldes, als auch schon sein großer Bruder und seine große Schwester mit Mama-Rotkehlchen in den morgendlichen Kanon einstimmten. Die Vorfreude auf den Tag war bei den dreien schon wieder riesig. Aber Fiepi freute sich nicht und war genervt von dem ganzen fröhlichen Gesang.

„Möchtest du es heute noch einmal versuchen und begleitest uns?“, fragte Mama Rotkehlchen Fiepi.

„Ja, Fiepi du schaffst das!“, ermutigten seine Geschwister sogleich.

„Heute lieber nicht.“, antwortete Fiepi mit gesenktem Blick, so wie jeden Morgen.

Mama-Rotkehlchen blieb wie immer ruhig und geduldig und sagte mit liebevollen Augen: „Dann beim nĂ€chsten Mal Fiepi.“.

Jetzt war Fiepi wieder sehr nervös, weil die anderen gleich losfliegen wĂŒrden. Dabei konnte Fiepi schon kaum zusehen. Seine Mama und die Geschwister stellten sich auf die Nestkante und sprangen. Fiepi hielt die Luft an. Sie waren nicht mehr zu sehen. Erst als sie nach sich ewig anfĂŒhlenden zwei Sekunden wieder in etwas Entfernung in die LĂŒfte stiegen, konnte Fiepi aufatmen.

Alleine saß Fiepi im Nest, schĂ€mte sich und murmelte vor sich hin: „Ich bin kein richtiger Vogel, welcher Vogel hat schon Angst vor dem Fliegen?!“.

„Was sagst du da?“, ertönte es plötzlich auf der anderen Seite des Nestes, „Du meinst du wĂ€rst kein Vogel?“. Es war Piepsi, die kleine Amsel des Nachbarbaums. „Es ist doch nicht schlimm Angst zu haben, du bist trotzdem ein ganzer Vogel. Ich hatte auch Angst und jetzt liebe ich das Fliegen. Angst zu haben bedeutet nicht, dass man etwas nicht kann. Es zeigt dir nur, dass es gefĂ€hrlich sein kann und du dich deshalb konzentrieren und gut aufpassen musst!“.

Die Worte von Piepsi klangen ganz richtig.“ Und du hattest auch Angst?“, fragte Fiepi ganz erstaunt. „Ja, aber dann habe ich mich konzentriert und tief durchgeatmet, dann war es einfacher.“

„Ich halte immer nur die Luft an und mache die Augen zu“, entgegnete Fiepi und starrte dabei auf den Boden.

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„Kopf hoch Fiepi, du schaffst das!“, motivierte Piepsi. „Wenn du weißt, wie es geht, dann versuchen wir es zusammen.“. Fiepi nickte verlegen zu. Den Ablauf kannte der kleine Vogel ganz genau. Abspringen, die FlĂŒgel ausbreiten, auf den Auftrieb warten und dann erst mit den FlĂŒgeln schlagen. „Na dann komm auf die Nestkante!“ und Piepsi zeigte mit dem Schnabel neben sich.

Etwas verlegen tapste Fiepi rĂŒber zu Piepsi. „Na komm, stell dich zu mir auf die Nestkante.“, forderte Piepsi auf. Ganz vorsichtig machte Fiepi die Schritte auf die Nestkante. Dort angekommen kneifte Fiepi auch schon die Augen zu, wĂ€hrend seine Atmung zwischen Luftanhalten und hektischem Schnappen nach Luft wechselte. Piepsi merkte das sofort und rĂŒckte ein StĂŒckchen nĂ€her heran.

„Ich helfe dir Fiepi!“, waren die unterstĂŒtzenden Worte. „Ich bleibe jetzt ganz nah bei dir und dann machst du die Augen auf und atmest ganz langsam und tief durch.“ Erst traute sich Fiepi nicht, doch öffnete dann langsam die Augen und atmete tief durch. Der kleine Vogel war ganz erstaunt, wie gut das funktionierte: „Es ist schon viel besser Piepsi!“

Piepsi lĂ€chelte: “Das habe ich ja gesagt, du schaffst das Fiepi. Wollen wir es versuchen?“. Fiepi war immer noch ein wenig verunsichert, doch fĂŒhlte sich jetzt bereit und stimmte nickend zu.

Gemeinsam standen die beiden jungen Vögel auf der Nestkante. Fiepi schaute nach unten und bemerkte aufgeschreckt wie hoch das Nest im Baum war. „Nicht nach unten schauen“ sagte Piepsi, „Wir wollen schließlich nach oben“ fĂŒgte Piepsi mit einem Zwinkern hinzu. Der kleine Witz brachte Fiepi zum Schmunzeln und er war wieder voll fokussiert. „Okay, dann los“, brachte Fiepi mit mutiger Stimme heraus und war ganz erstaunt ĂŒber sich selbst.

Im zweistimmigen Einklag zĂ€hlten die beiden einen Countdown. 5..4..3..2..1..los. Mit einem Satz sprang Fiepi von der Nestkante ab. Der kleine FluganfĂ€nger merkte wie er nach unten fiel und wurde panisch. Was passierte hier, er war dabei auf den Boden zuzurasen. „Hilfe!“ krĂ€hte es aus seiner Kehle.

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„FlĂŒgel ausbreiten und auf den Auftrieb warten“, ertönte es von der Seite. Fiepi traute sich herĂŒberzublicken und sah Piepsi genau an seiner Seite.

Fiepi breitete seine FlĂŒgel so weit aus, wie es nur ging. Doch es passierte nichts. Die Angst stieg weiter in ihm auf.

„Abwarten, Abwarten!“, rief Piepsi. Es waren erst zwei Sekunden vergangen nach dem Absprung, doch fĂŒr Fiepi spielte sich alles in Zeitlupe ab. Es fĂŒhlte sich an als wĂŒrden sie schon eine Ewigkeit fallen und der Boden keine Ahnungm immer und immer nĂ€her.

Doch plötzlich spĂŒrte Fiepi es. Die Luft strömte unter seine FlĂŒgel und der Druck erhöhte sich. Fast als hĂ€tte sich ein Zauber vollzogen stieg Fiepi nach oben und lag gleitend in der Luft.

Fiepi blickte wieder zu Seite und auch Piepsi glitt wie von Zauberhand durch die Luft. Sie schauten sich an und fingen vor Freude beide an laut zu lachen.

„Jetzt lass uns mit den FlĂŒgeln schlagen“, schlug die kleine Amsel vor.

Sie schlugen mit den FlĂŒgeln. Fiepi spĂŒrte wie sie schneller wurden und noch weiter nach oben stiegen.

„Das macht Spaß“, war der Freudenschrei des Neulings in der Luft.

„Ich habe es dir doch gesagt! Und jetzt schau mal nach unten“, freute sich auch sein UnterstĂŒtzer.

Fiepi sank seinen Kopf und konnte seinen weit aufgerissenen Augen kaum trauen. Der Blick war atemberaubend. Er konnte alles ĂŒberblicken, alle BĂ€ume alle Felder, den ganzen Wald und noch viel mehr. 

Jetzt verstand er, warum alle so von dem Fliegen schwĂ€rmten. Zusammen flogen die beiden noch eine ganze Weile durch die LĂŒfte und erkundeten die Gegend.

Als sie zurĂŒck im Nest angekommen waren, fiel Fiepi Piepsi sofort um den Hals und bedankte sich: „Danke Piepsi, das war das Beste, was sich je gemacht habe und ohne dich hĂ€tte ich das niemals geschafft.“

Piepsi freute sich sehr und antwortete: „Ich habe es dir ja gesagt. Fiepi du schaffst das! Auch wenn man erst Angst hat, wenn man tief durchatmet und konzentriert, schafft man es auch.“ Bevor Piepsi sich wieder auf den Weg ins eigene Nest machte, umarmten sie sich zum Abschied noch einmal krĂ€ftig.

Endlich habe ich es geschafft dachte sich Fiepi. Sobald meine Mama und meine Geschwister zurĂŒckkehren werde ich ihnen alles erzĂ€hlen.

Jetzt freute sich der kleine Vogel auch auf den nÀchsten Morgen und konnte es kaum erwarten in den morgendlichen Gesang aus voller Kehle mit einzustimmen.

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MĂ€dchen liest und sitzt auf einem BĂŒcherstapel

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