Logo vom Kinderbuch "Airline Drachendüser – Notruf im Nebel", ein E-Book für Kinder ab 5 Jahren zum Vorlesen mit einer Gute-Nacht-Geschichte über Drachen, Piloten und Abenteuer
Kapitel 1: Das letzte große Abenteuer
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»Oma, weißt du denn, welcher magische Ort dir noch fehlt?«, ruft Lilli aufgeregt und umklammert ihren Bruder. 

Oma Annabell lächelt und zieht beide Enkelkinder fest an sich, bevor der Koffer die Drei weit weg befördert. »Ja, Lilli-Maus. Mein letztes großes Abenteuer … unser gemeinsames … führt uns nach …«

Die vertrauten Geräusche des Dachbodens verschwinden nach und nach, als Mika, Lilli und Oma in den Sog des magischen Reisekoffers gezogen werden. Diesmal ist er außergewöhnlich stark! Die Luft um sie herum wird warm und schwer und in der Ferne erklingen helle Trommelgeräusche …

Nur kurze Zeit später sind sie von einem riesigen grünen Meer aus Moos umgeben. Um sie herum: pure Dschungelmagie!

Mika erkennt sofort, wo sie sich befinden. »Ich kann’s kaum glauben! Oma! Lilli! Wir sind im Amazonas!« Der Junge springt begeistert vom weichen Boden auf und dreht sich wie ein Kreisel um die eigene Achse. »Mein größter Traum ist Wirklichkeit geworden!«

»Das stimmt, Mika. Wir sind in Brasilien gelandet. Das letzte Land, das ich mit dem magischen Reisekoffer noch erleben darf …«, erklärt Oma Annabell und sieht sich ehrfürchtig um. »Ich habe mir lange vorgestellt, wie es wohl sein wird. Es ist …«

»… unglaublich schön hier!«, vervollständigt Lilli den Satz und begutachtet eine hübsche Blume, die in einem kräftigen Orangeton schimmert.

»Schaut mal, mein Lieblingstier!«, ruft Mika plötzlich und deutet nach oben. In einer der Baumkronen sitzt ein prachtvoller Ara, der die Reisenden mit seinen neugierigen, bernsteinfarbenen Augen mustert. Sein Gefieder leuchtet in kunterbunten Farben … genau wie ein Regenbogen! Die einzelnen weißen Federn an seinem Hals sehen aus wie eine winzige Perlenkette.

»Ein süßes Kerlchen!«, findet Oma und winkt dem Tier zu.

Doch als der Ara den Schnabel öffnet, können die Drei ihren Ohren kaum trauen. »Willkommen im Herzen des Amazonas! Mein Name ist Lumino. Ihr müsst Mika, Lilli und Oma Annabell sein!«

Während Lilli und Oma mit heruntergeklappten Kinnladen wie angewurzelt dastehen, bleibt Mika ganz cool und antwortet ihm prompt: »Hi Lumino! Ja, das stimmt. Woher kennst du unsere Namen?«

»Du … du … kannst sprechen?«, fragt die Jüngste im Bunde nun völlig ungläubig.

»Aber ja! Ich bin schließlich kein gewöhnlicher Ara!«

Lumino flattert von der Baumkrone herab, landet elegant auf Mikas Arm und verneigt sich dramatisch. »Ich wurde von einer uralten Macht gebeten, euch zu begleiten und zu beschützen. Und hier bin ich nun.«

Noch während Lumino das letzte Wort ausspricht, wirbelt ein Schwarm rot-schwarzer Falter durch die Luft. Ihre Flügel zeigen ein Muster, das aussieht wie zwei verschiedene Zahlen.

»Oh, die Kollegen hier kenne ich auch!«, kichert der selbsternannte Amazonas-Profi. »Das sind 89/98er-Schmetterlinge! Ihr Flügelmuster sieht aus wie richtige Zahlen, deswegen werden sie so genannt.«

»Ich wette, die haben Mathe als Lieblingsfach! Igitt!«, kommentiert Lilli trocken.

Doch was ist das? Die Schmetterlinge flattern nicht einfach wahllos durch die Luft, sie scheinen sich zu ordnen! Erst formen sie einen Pfeil nach Osten, dann nach Süden. Außerdem blinkt immer wieder die Zahl 89 und danach die Zahl 98 auf ihren Flügeln auf.

»Das ist bestimmt ein Hinweis!«, schlussfolgert Oma. »Ich vermute, wir müssen 89 Schritte in die eine Richtung und 98 in die andere gehen.«

»SO viele Schritte? Bei DER schwülen Hitze?«, stöhnt Lilli. »Da bin ich ja glatt froh, dass es keine 1002/2001-Schmetterlinge gibt!«

Oma lacht und klopft ihrer Enkeltochter auf die Schulter. »Ach, das schaffen wir schon. Mit jedem Schritt kommen wir unserem großen Abenteuer etwas näher!«

Na dann mal los! Alle zählen laut im Chor und laufen so erst 89 Schritte gen Osten, dann 98 Schritte nach Süden. Der Boden ist teilweise uneben. Sie stolpern, lachen und stützen sich gegenseitig. Lumino flattert währenddessen immer ein kleines Stück voraus und feuert die Abenteurer an: »Noch fünfzehn! Noch elf! Noch sechs! Fast geschafft!«

Und tatsächlich! Nach dem achtundneunzigsten Schritt Richtung Süden entdecken sie eine große Lichtung.

Kaum treten sie aus dem Dickicht, empfängt sie ein ohrenbetäubendes Durcheinander: Brüllaffen hängen in den Ästen und schreien. Tukane trompeten mit ihren Schnäbeln dazwischen. Frösche quaken völlig außer Takt. Und mittendrin hängt ein Faultier, das immer wieder laut und schief gähnt.

»Wuaaaah! Was ist das denn hier?«, quiekt Lilli und hält sich die Ohren zu. 

»So klang das auch manchmal, als du noch ein kleines Baby warst, Schwesterherz!«, fügt Mika neckisch hinzu.

Da spannt Lumino stolz die Flügel auf. »Ein Fall für Maestro Flatterich!« Er fliegt in die Mitte der Lichtung und spricht in allen Tiersprachen mit den Dschungelbewohnern: brüllend wie die Affen, trompetend wie die Tukane, quakend wie die Frösche und gähnend wie das Faultier. Sofort legt sich das Durcheinander.

»Unglaublich!«, staunt Oma. »Unser neuer Federfreund ist ein wahres Sprachtalent!«

Wie ein echter Dirigent hebt Lumino plötzlich seine Flügel und schon spielen und singen alle Tiere melodisch zusammen! Ein Orchester aus magischen Dschungelklängen!

»Dieses Konzert«, ruft der Ara stolz über die vielen verschiedenen Klänge hinweg, »ist nur für euch! Ihr seid schließlich unsere heutigen Ehrengäste. Falls ihr also Musikwünsche habt, immer her damit!«

Lilli zögert nicht lange und streckt die Stoffarme von Wobi hoch. »Wobi möchte bitte die Titelmelodie von ‚Star Wars‘ hören!«

»Sein Wunsch sei uns Befehl!«, zwitschert Lumino und für ein paar Minuten fühlen sich Mika, Lilli, Oma und Wobi wie echte Sternenkrieger.

Auch Oma Annabell äußert einen besonderen Musikwunsch. »Ich wünsche ein Lied, das ich damals in Dauerschleife gehört habe, als der magische Reisekoffer und ich uns zum allerersten Mal begegnet sind.« 

Lumino flattert zu Oma Annabell hinab. Sie flüstert ihm den Titel des Stücks ins Ohr.

Alle Tiere neigen gespannt die Köpfe. Lumino nickt ernst und übersetzt den Musikwunsch für seine felligen und gefiederten Freunde. Dann breitet er erneut imposant seine Flügel aus … und schon erklingt im Amazonas die Melodie von ‚Dust in the Wind’.

Die Frösche summen die Gitarrenbegleitung, die Tukane pfeifen die sanften Töne der Violine und das Faultier übernimmt – wenn auch etwas verlangsamt in der Ausführung – den Gesang: »All we are is dust in the wind …«

Oma Annabell lauscht gespannt und lächelt mit glasigen Augen. »Ja … das war es. Genau dieses Lied. Damit hat alles begonnen. Und damit endet es heute, mein Freund.«

Sie tätschelt den goldenen Reisekoffer liebevoll und wischt sich eine Träne von der Backe.

Lilli öffnet schon den Mund, um neugierig nachzuhaken, wann und wo sich die beiden zum ersten Mal begegnet sind. Doch Mika hält sie zurück. Der feinfühlige Junge spürt ganz genau: Das ist gerade ein Moment, der nur Oma und dem Koffer gehören soll.

Nachdem der letzte Ton gespielt wurde, beginnen alle begeistert zu klatschen. »Bravo, bravo!«, rufen die Kinder laut. »Das war das beste Konzert meines Lebens«, freut sich Oma Annabell, »aber jetzt bin ich hundemüde.«

»Ich auch!«, sagt Lilli und gähnt dabei so heftig, dass selbst das Faultier beeindruckt zu ihr runterblickt.

»Es ist schon stockdunkel …«, murmelt Mika. »Wisst ihr was? Ich habe eine richtig gute Idee! Wir sollten noch eine Nacht hier bleiben und uns ein cooles Dschungelbett bauen! Unsere Schlafanzüge haben wir ja sowieso noch an!«

»Aber Mika, morgen ist doch wieder Schule!«, wirft Lilli ein.

»Du hast doch deinen Bonustag auch noch nicht verbraucht, oder? Oma soll Mama einfach eine Nachricht schicken, dass wir morgen schulfrei brauchen!«

Gesagt, getan! Oma leitet Mikas und Lillis Bonustag-Info an Zuhause weiter und die Geschwister sammeln unter Luminos wachsamen Augen riesige Blätter und biegsame Lianen. Schon bald haben sie sich einen gemütlichen Schlafplatz errichtet.

»Das ist wirklich der perfekte Abschluss«, flüstert Oma, während sie ihre beiden Enkel in die Arme schließt. »Danke, dass ich diese letzte magische Reise mit euch erleben durfte. Ein bisschen traurig bin ich ja schon, aber alles muss irgendwann einmal enden …«

»Aber Oma«, flüstert Lilli und kuschelt sich fester an sie, »wenn etwas endet, dann nur, damit etwas Neues beginnen kann, oder?«

Oma lächelt sanft und nickt. »Ich denke, du hast recht …«

Ganz langsam fallen den Abenteurern die Augen zu, während hoch oben in den Bäumen das Dschungelorchester ihnen noch ein leises Schlaflied vorspielt. 

Es wird stockdunkel um sie herum … nur der magische Reisekoffer leuchtet noch neben ihnen … und zwar in einem blauen Schimmerton …

#fae1e1