Oskar & sein blaues Ohr

Ab 3 Jahren | ca. 7 Minuten | Toni Grimm

Darum geht's

Oskar hilft seiner Oma dabei, den Zaun zu streichen – da passiert ihm ein kleines Missgeschick. Wie soll er das seinen Freunden in der Schule nur erklĂ€ren…?

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Oskar und sein blaues Ohr | Seite 1/3

Es war ein strahlend schöner Sommertag. Oskar und Oma saßen schon morgens gemeinsam im Garten und frĂŒhstĂŒckten. Als sie aufgegessen hatten, schlossen beide noch ein wenig die Augen und genossen das warme Licht der Sonne. SpĂ€ter am Nachmittag hatte Oma eine Idee und schlug vor: “Oskar, mein Liebling, könntest du mir beim Streichen des Zaunes helfen?”

Oskar musste keinen Moment ĂŒberlegen, denn er liebte es, etwas mit seiner Oma zu unternehmen. “Ja, ich helfe dir gerne!”, antwortete er freudig.

Voller Begeisterung machten sich die beiden auf den Weg in die Stadt, um Farbe zu kaufen. Der VerkĂ€ufer empfahl wasserfeste Farbe fĂŒr den Gartenzaun, damit der Regen dem Holz nichts anhaben konnte. “FĂŒr kleine KĂŒnstler wie dich haben wir eine besondere Auswahl”, fĂŒgte er hinzu.

Oskar durfte die Farbe aussuchen. DarĂŒber freute er sich sehr. Die Auswahl war groß, doch Oskar wusste genau, welche Farbe er wĂ€hlen wĂŒrde. Er entschied sich fĂŒr Blau – genau die gleiche Farbe wie seine geliebte Latzhose. Der VerkĂ€ufer betonte noch einmal, wie wichtig es sei, mit der wasserfesten Farbe vorsichtig umzugehen. “Damit bleibt der Zaun nicht nur schön, sondern hĂ€lt auch lĂ€nger.”

Mit zwei Eimern Farbe und Pinseln bewaffnet, kehrten Oma und Oskar zurĂŒck nach Hause. Dort angekommen legte Oskar sofort los, wĂ€hrend seine Oma noch GetrĂ€nke und eine kleine StĂ€rkung in der KĂŒche vorbereitete. Oskar öffnete den Eimer mit Farbe. Das Blau sah wundervoll aus und passte perfekt zu seiner Latzhose. Da strahlte er ĂŒber beide Schweineohren. Konzentriert und vorsichtig strich Oskar den Zaun, wobei er aufpasste, dass kein Tropfen daneben ging.

Nach einer Weile bemerkte Oskar einen wunderschönen Schmetterling, der auf einer Blume neben dem Farbeimer saß. Er liebte Schmetterlinge und war fasziniert, wie schön die Farben dieses Schmetterlings in der Sonne glitzerten. Oskar wollte ihn unbedingt genauer betrachten. Sanft streckte er seinen Finger aus und tatsĂ€chlich krabbelte der Schmetterling vorsichtig drauf.

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Völlig vertieft in den Moment, hatte Oskar jedoch nicht bemerkt, dass sein Ohr in den Farbeimer hineinragte. Mit dem Schmetterling auf dem Finger ging er stolz zu Oma, die sich ĂŒber den bezaubernden Anblick freute. Jedoch entdeckte sie auch Oskars blaues Ohr und musste schmunzeln. 

“Warum grinst du denn so, Oma?”, fragte Oskar mit dem Schmetterling auf der Hand. 

“Der Schmetterling ist wunderschön. Dir ist nur ein kleines Missgeschick passiert” , erklĂ€rte sich Oma und zeigte auf Oskars Ohr.

Oma versuchte, die Farbe abzuwaschen. Dabei stellte sie fest, dass der VerkĂ€ufer sie zurecht darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die Farbe wasserfest war. Genau wie der VerkĂ€ufer es vorausgesagt hatte, ließ sich die Farbe mit Wasser nicht entfernen. Auch die extrastarke Seife konnte nichts daran Ă€ndern. Oma war besorgt, dass Oskar sein blaues Ohr nicht mögen wĂŒrde. 

Oskar jedoch betrachtete sich im Spiegel und sagte: “Ich mag mein blaues Ohr, Oma. Es ist so schön blau, wie meine Latzhose!”

Mit dem Schmetterling, der es sich inzwischen auf der Schulter von Oskar gemĂŒtlich gemacht hatte, und seinem blauen Ohr strahlte Oskar vor Stolz. Oma freute sich ĂŒber Oskars positive Einstellung und erklĂ€rte, dass er trotzdem gut aufpassen mĂŒsse. Auch wenn ein schöner Schmetterling ihn ablenke, dĂŒrfe er nicht vergessen, was um ihn herum geschieht. 

“Du kannst wirklich stolz auf dich sein, Oskar. Die Farbe steht dir. Trotzdem ist es wichtig, aufmerksam zu sein”, fĂŒgte sie liebevoll hinzu.

Von nun an erinnerte ihn sein blaues Ohr stets daran, dass er immer gut aufpassen musste. Ob er den Zaun strich oder etwas anderes tat, bei dem Konzentration und Vorsicht geboten waren – Oskar probierte, sich nicht mehr so leicht ablenken zu lassen und die Aufgaben mit Bedacht zu erledigen.

Er machte sich wieder an die Arbeit und strich den Zaun zu Ende. Er blieb konzentriert und auch der Schmetterling lenkte ihn nicht mehr ab. Nicht ein Tropfen Farbe ging daneben. Danach hatte er noch genug Zeit, den Schmetterling zu beobachten und mit ihm ĂŒber die Wiese zu flitzen.

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Am nĂ€chsten Morgen, bevor Oskar zur Schule ging, blickte er in den Spiegel und ĂŒberlegte. Wie sollte er reagieren, wenn ihn die anderen Kinder auf sein blaues Ohr ansprechen wĂŒrden? Die Geschichte, wie es passiert ist, war ihm ein wenig peinlich. Er beschloss, Oma um Rat zu fragen.

“Oma?”, fragte Oskar zögerlich. “Was soll ich sagen, wenn die Kinder in der Schule mich auf mein Ohr ansprechen? Die Geschichte ist mir ein bisschen unangenehm.”

Oma lĂ€chelte liebevoll und antwortete: “Mein Liebling, sei einfach ehrlich. ErzĂ€hle ihnen, wie es wirklich passiert ist. Es ist wichtig, zu seinen Missgeschicken zu stehen.”

Auf dem Weg zur Schule ĂŒberlegte Oskar jedoch, dass die Wahrheit vielleicht zu einfach ist. Er spielte mit dem Gedanken, eine andere Geschichte zu erfinden. Vielleicht könnte er erzĂ€hlen, dass der Eimer im Farbenladen heruntergefallen ist, weil der VerkĂ€ufer so tollpatschig war. Das wĂŒrde weniger nach seiner eigenen Unachtsamkeit klingen.

In der Klasse angekommen, fragten sofort die ersten Kinder, woher er sein blaues Ohr hat. Oskar erzĂ€hlte seine erfundene Geschichte und die Kinder kicherten zunĂ€chst ĂŒber sein blaues Ohr. In der Schulpause jedoch, als seine Freunde es genauer wissen wollten, ĂŒberlegte Oskar noch einmal. Er erinnerte sich an Omas Rat und beschloss, die Wahrheit zu sagen.

“Na ja, eigentlich ist es so passiert
” begann Oskar verunsichert und erzĂ€hlte die wahre Geschichte. 

Die Kinder hörten gespannt zu und fanden es amĂŒsant. Lustig machten sie sich nicht ĂŒber ihn. Ganz im Gegenteil! Sie konnten ihn sehr gut verstehen und bestĂ€tigten, dass jedem mal sowas passieren kann und auch sie schon einmal tollpatschig gewesen sind.

“Danke, dass ihr so verstĂ€ndnisvoll seid!”, bedankte sich Oskar erleichtert bei seinen Freunden. “Wie findet ihr denn mein blaues Ohr?”, erkundigte er sich zunĂ€chst ganz zaghaft. 

Auf Oskars Gesicht machte sich ein großes Grinsen breit, als seine Freunde ihm voller Freude mitteilten, dass sein blaues Ohr perfekt zu ihm passte und es ihn einzigartig und wunderschön machte. 

Oskar war erleichtert, am Ende einfach ehrlich gewesen zu sein und zu seinem Missgeschick stand. Von diesem Moment an trug er sein blaues Ohr endgĂŒltig mit wahrem Stolz. Oskar hatte gelernt, dass Missgeschicke passieren können und Ehrlichkeit die beste Lösung ist. Manchmal sind es gerade die kleinen Missgeschicke, die jeden von uns einzigartig machen.

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