Das kleine Sandkorn

Ingo M. Ebert

Im tiefen, tiefen Ozean ist es kalt und dunkel. Hier unten lebt das kleine Sandkörnchen, das nur davon träumt von hier wegzukommen. Eines Tages geschieht das Wunder und das kleine Sandkörnchen geht auf eine spannende und turbulente Reise.

Nach Alter: Ab 3-5 Jahre

Nach Lesedauer: Ca. 10 – 20 Minuten

Das kleine Sandkorn | Seite 1/2

Es war einmal ein kleines Sandkörnchen. Es lebte in einem tiefen, tiefen Ozean.

Dort war es kalt und dunkel. Kein Sonnenstrahl drang bis nach unten zum Meeresboden, so tief war es da. Ab und zu verirrte sich eine Tiefseekreatur in diese karge Gegend, verschwand aber schnell wieder, da an jener Stelle nichts war au√üer Sand und Wasser. Was f√ľr ein trauriger Ort f√ľr ein Sandkorn mitten im Indischen Ozean.

Das kleine Sandkörnchen lag also mit den anderen Sandkörnern im Dunkeln und wartete. Ab und zu knirschte eines davon unmerklich, die absolute Stille kurz unterbrechend.
Dann seufzte unser kleines Sandkorn leise, schaute sich traurig um, stieß einen weiteren Seufzer aus und schloss wieder die Augen, um weiter vor sich hinzudämmern.

Es tr√§umte davon, eines Tages von hier wegzukommen. Egal wohin, denn √ľberall war es sch√∂ner und angenehmer als in dieser kalten, tiefen See. Aber es erschien unm√∂glich. Das kleine Sandk√∂rnchen wartete auf ein Wunder!

Eine lange Zeit verging und nichts passierte. Das kleine Sandk√∂rnchen hatte alle Hoffnungen bereits aufgegeben, als ein riesiges Unwetter √ľber das Meer streifte.
Es war der gr√∂√üte Zyklon aller Zeiten. Er w√ľtete eine ganze Woche lang √ľber dem Meer und quirlte das Wasser m√§chtig durcheinander.¬†

Starke Strömungen gelangten bis zum Grund und wirbelten die seit Tausenden von Jahren so da liegenden Sandkörner auf. Erst hatte das kleine Sandkorn furchtbare Angst, aber dann gefiel ihm die immer weiter zunehmende Geschwindigkeit des Wassers. 

Das Wirbeln und das Rauschen, das Auf und Ab, wie in einem Karussell.
Das kleine Sandkörnchen jauchzte vor lauter Freude. Es war ein riesiges Chaos.

Das Sandkorn merkte gar nicht, wie es immer weiter nach oben in Richtung der K√ľste getrieben wurde.¬†

Der Sturm legte sich. Das kleine Sandkörnchen war verwundert. Es war gar nicht mehr kalt und ein paar helle warme Strahlen kitzelten ihm den Bauch. Erstaunt schaute sich das Sandkörnchen um. Es lag mit vielen anderen Geschwistern in einer flachen Bucht mit himmelblauem Wasser. 

Vereinzelt lagen gr√ľn bewachsene Steine herum. Viele unbekannte bunte Fische flitzten vergn√ľgt hin und her. ‚ÄěDas muss das Paradies sein.‚Äú, dachte sich das kleine Sandk√∂rnchen und rekelte sich in dem warmen Wasser. Nun seufzte es wieder. Es war ein befriedigendes Seufzen.

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Doch die Idylle wurde jähe unterbrochen. Laute Geräusche kamen bedrohlich näher.

Eine gewaltige Kraft packte plötzlich das kleine Sandkörnchen. Ehe es laut aufschreien konnte, rutschte es durch einen großen Tunnel und landete auf einem langen, flachen Boot. Es kamen immer mehr Sandkörner hinzu und unser kleines Sandkörnchen wurde von vielen Tausend anderen Sandkörnern zugedeckt. Es war wieder dunkel, nichts mehr zu sehen.Unser kleines Sandkörnchen bekam Panik. 

Was passierte denn nun schon wieder?

Nach einer gef√ľhlten Ewigkeit wurde es zur√ľck in die Helligkeit geschleudert. Das krachmachende Ungeheuer verschwand in der Ferne. Das kleine Sandk√∂rnchen fand sich in ruhigem, aber undurchsichtigem Wasser wieder. Es lie√ü sich einfach treiben, von einer Unterwasserstr√∂mung erfasst. So begann eine weitere abenteuerliche Reise durch das unendliche Meer.

Zum Gl√ľck war es hier nicht mehr dunkel. Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur. Das winzige Sandk√∂rnchen genoss die Reise. Was es hier alles zu entdecken gab!

Viele unbekannte Tiere, kleine und große, kreuzten den Weg. Steile, dunkelschwarze Unterwassergebirge tauchten auf und verschwanden wieder in der Tiefe. Irgendwann wurde die Strömung schwächer und unser kleines Sandkörnchen sackte nach unten.
Es landete mitten auf einer riesigen hellgelben Koralle.

Links und rechts waren noch mehr davon in verschiedenen Farben. Wie ein großer bunter Teppich sah das aus.
Hier gefiel es ihm gut, denn es gab noch mehr zu entdecken. Kleine und große, silbrige und grellbunte Fische in allen erdenklichen Formen flitzten im klaren Wasser hin und her. 

Ein kleiner, frecher, orange-weiß gestreifter Clownfisch huschte vorbei und wedelte das kleine Sandkörnchen von seiner großartigen Aussichtsplattform herunter. Es fiel direkt in die Spalte zwischen zwei Muschelhälften. In dem schleimigen Fleisch blieb es sofort kleben und kam nicht mehr los. 

‚ÄěNa toll‚Äú, dachte sich das kleine Sandk√∂rnchen, ‚Äějetzt ist meine Reise wirklich zu Ende‚Äú.

Aber es war ja gar nicht weiter schlimm. Es hatte viel gesehen, mehr als es sich je ertr√§umte. Richtete sich das kleine Sandk√∂rnchen gem√ľtlich ein. Und merkte dabei gar nicht, wie es immer mehr von einer herrlichen Glasur √ľberzogen wurde. Es folgten im Laufe der Jahre viele weitere Schichten feinsten Perlmutts, H√ľlle f√ľr H√ľlle.

Eines Tages wurde unser kleines Sandkörnchen aus seinen Träumereien der letzten großen Reise gerissen. Irgendwer befreite das verwandelte Sandkorn aus dem kalten Gefängnis. Reinigte die kleine Kugel vorsichtig im klaren Wasser und legte sie in die warme Sonne.

Das Sandk√∂rnchen konnte nichts sehen, sp√ľrte aber die Sonnenw√§rme und h√∂rte die fremden Ger√§usche um sich herum. Nun war unser kleines Sandk√∂rnchen neugierig und versuchte das Geh√∂rte zu verstehen, was nicht gelang. Es klang alles so fremdartig. Dennoch war zu sp√ľren, dass keine Gefahr drohte.

Später konnte das eingeschlossene Sandkörnchen die Worte zu deuten. Seine Verwandlung in eine vollkommene und bezaubernde weiße Perle war etwas Besonderes, dass die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zog.

Die wundersch√∂ne Kostbarkeit wurde mit Gold verziert und zu einem au√üergew√∂hnlichen Kettenanh√§nger verarbeitet. Als es die W√§rme der Sonne von oben und die W√§rme des K√∂rpers von unten sp√ľrte, da geschah ein kleines Wunder.
Das kleine Sandkorn leuchtete von innen heraus und die warmen Strahlen der Perle verbreiteten Frieden und Gl√ľck in der ganzen Welt.

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