Streifen und Karo am Kilimandscharo

Ab 8 Jahre | Ca. 17 Min. | Melanie SchĂŒtze-Aagaard

Darum geht's

Eine lange Tiergeschichte ĂŒber die neunjĂ€hrige Karolin, die den Zoo besucht und Freundschaft mit einem Zebra namens Stripes, zu deutsch Streifen, schließt.

Die Zoodirektorin plant gerade, das Konzept zu Ă€ndern. Sie will die Tiere auswildern und den Zoo in einen Campus verwandeln, auf dem die Besucher spannende Dokumentationen zu Tierexpeditionen anschauen und sich im Themenpark und auf besonderen Veranstaltungen vergnĂŒgen können.

Als dann der Moment der Auswilderung kommt, wird Karo plötzlich klar, dass sie Streifen gehen und loslassen muss. Was wird nun aus der Freundschaft des kleinen MÀdchens mit dem Zebra?

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Streifen & Karo am Kilimandscharo | Zum Anhören & Anschauen

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Zootiere im Unterricht?

Als die SchĂŒler der dritten Klasse der Rotmoor Grundschule am Montagmorgen in den Sachunterricht gingen, stand ein Thema auf dem Lehrplan, mit dem niemand gerechnet hatte:

„Die Tiere im Zoo“

Gemeint war ein ganz bestimmter Zoo, nĂ€mlich der im Norden der Stadt. Jedes Kind hatte ihn schon einmal besucht oder zumindest davon gehört. Dort gab es faszinierende, exotische Tiere wie Pinguine, Löwen, Krokodile und Papageien. Der Zoo war so riesig, dass ein einziger Tag gar nicht reichte, um jede Tierart ausgiebig zu beobachten und vielleicht sogar etwas ĂŒber sie zu lernen. Und dann gab es ja auch noch den Spielplatz mit der DschungelbrĂŒcke, der BĂ€renhöhle, dem Eislabyrinth und der Affenschaukel.

Der Lehrer, Herr Yildiz, erklĂ€rte, was es mit diesem außergewöhnlichen Thema auf sich hatte, und die Kinder konnten es zuerst gar nicht glauben.

Ein Zoo erfindet sich neu

Herr Yildiz erzĂ€hlte, dass der Zoo sich entschlossen hatte, alle Tiere auszuwildern und sie dafĂŒr an die Orte zu bringen, wo sie ihren natĂŒrlichen Lebensraum hatten.

Weißt Du, wo zum Beispiel Pinguine leben? Richtig! In der Antarktis, am sĂŒdlichen Pol unseres Erdballs.

Die Zoodirektorin hatte lange an diesem Vorhaben gearbeitet. Zusammen mit ihren GeschĂ€ftspartnern auf der ganzen Welt hatte sie die Transporte der verschiedenen Tierarten, ihre Versorgung wĂ€hrend der Reise und die Eingliederung vor Ort in das neue Umfeld grĂŒndlich geplant.

Nun war es soweit.

Die Kinder hörten ganz still zu, und ihre Gesichter wurden immer lĂ€nger. Herr Yildiz bemerkte es und munterte die Kinder sogleich wieder auf: „Der Zoo schließt nicht. Er wird sich nur – verĂ€ndern.“

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Alles wird anders, aber wird es auch gut?

Herr Yildiz erklĂ€rte: „Der Zoo wird kĂŒnftig verschiedene Bereiche haben. Jeder Bereich steht fĂŒr einen Kontinent. Dort schaut man sich die Tiere, die an Land, im Wasser oder in der Luft leben, in einer Art Kino an.“

Kino klang gut.

„Es wird jede Menge Filme ĂŒber Tierexpeditionen geben. Man sieht, wo und wie die Tiere wirklich leben, wie sie jagen, wo sie schlafen, wieviel Nachwuchs sie bekommen und ob sie EinzelgĂ€nger oder Rudeltiere sind“, erlĂ€uterte Herr Yildiz weiter. „Außerdem wird noch der Spielplatz vergrĂ¶ĂŸert, und es wird Veranstaltungen geben. Die Zoodirektorin hat von TierkostĂŒmfesten und KletterĂ€ffchen-Spaß-Tagen gesprochen. Und ich glaube, sie hat auch etwas von einem Ponystall-Erlebnistag gesagt.“

Die Kinder redeten plötzlich wild durcheinander. Erst nach einer Weile fragte Herr Yildiz sie, wie sie das Vorhaben fanden. Alle antworteten gleichzeitig, aber Herr Yildiz glaubte, verstanden zu haben, dass sie sich freuten.

Yippieh, wir gehen in den Zoo!

Die Zoodirektorin war eine kluge GeschĂ€ftsfrau und bot Kindergartengruppen und Schulklassen einen Zoobesuch zum Sonderpreis an, bevor sie mit der Umsiedlung der Tiere und den Umbaumaßnahmen im Zoo starten wĂŒrde. Die Rotmoor Grundschule machte sofort davon Gebrauch, und so ging es fĂŒr die dritte Klasse am kommenden Freitag in den Zoo statt in die Schule.

„Das ist so viel besser als Mathe und Sport“, dachte sich Karo, als sie davon erfuhr. Ihr wĂ€re tatsĂ€chlich alles lieber als diese beiden UnterrichtsfĂ€cher. Sie wĂŒrde freiwillig abwaschen oder das Fahrrad putzen. Selbst ihrem Opa die FingernĂ€gel schneiden wĂŒrde sie. Hauptsache, kein Mathe oder Sport! Aber niemand interessierte sich fĂŒr ihre Qualen. Und schlaue SprĂŒche wie „Das Leben ist kein Ponyhof“ halfen ihr nicht weiter. Darum redete sie einfach nicht mehr darĂŒber. Aber am Freitag, da wĂŒrde sie im Zoo sein. Kein Mathe, kein Sport!

Alle Kinder ihrer Klasse freuten sich. Aber Karo, die freute sich ganz besonders.

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Crazy Shit

Die Sonne schien, und der Tag war einfach perfekt fĂŒr einen Besuch im Zoo. Alle hatten prima Laune. Die Kinder sowieso, aber auch die Lehrer, die mitkamen.

Sie hatten GlĂŒck. Alle Elefanten waren im Außengehege, auch die beiden tapsigen Jungtiere Amal und Saira, die sich gegenseitig jagten. Ihre RĂŒssel schlackerten so lustig dabei.

Die Löwen lagen schlafend in der Sonne – laaangweilig!

Im Affenhaus war richtig was los. Am Boden, in den Ästen, an den Seilen, ĂŒberall wimmelte es. Es war gar nicht so einfach, ein und dasselbe Äffchen mit den Augen zu verfolgen, so schnell rasten sie kreuz und quer und hoch und runter.

Am Gehege der Zebras blieben die Kinder nicht lange stehen, obwohl eines der Tiere sogar an den Zaun kam. Nur Karo blieb und streichelte dessen Kopf. Sie bemerkte gar nicht, dass die anderen schon bei den PrĂ€riehunden waren und diskutierten, ob das nun ErdmĂ€nnchen waren oder nicht. Das Zebra wunderte sich. „Warum gehst Du nicht mit den anderen?“ fragte es, und Karo sprang erschrocken zur Seite. Sie blickte sich um, aber niemand war in ihrer NĂ€he. „Das war ich“, sagte das Zebra, oder kicherte es? „Crazy Shit!“ rief Karo aus. „Sprache, mein Kind, Sprache!“ ermahnte sie das Zebra. „Wie heißt Du?“ „Ich heiße Karo. Also eigentlich Karolin, aber alle nennen mich Karo.“ „Freut mich, Karo. Ich heiße Stripes. Das ist Englisch und bedeutet Streifen. Weiß nicht, vielleicht wegen meines Fells.“ Beide lachten. Ein Zebra mit Humor. Das war mal was. „Hey“, meinte plötzlich Karo. „Streifen und Karo – das passt doch!“ Streifen und Karo – das fanden beide supercool!

Ferien der besonderen Art

Karo kam ganz schön in ErklĂ€rungsnöte, als sie ihre Eltern um Erlaubnis bat, in den Ferien im Zoo zu arbeiten. Sie war gerade erst neun Jahre alt geworden, und sie war nicht gerade eine Einser-SchĂŒlerin.

Ihre Eltern hörten aufmerksam zu, stellten Fragen, waren beeindruckt von Karos Entschlossenheit und willigten schließlich ein.

Nun musste Karo nur noch die Zoodirektorin ĂŒberzeugen. Das war keine große HĂŒrde. Im Zoo war jede Hilfe willkommen. Die Direktorin verlangte nur die Einwilligung der Eltern, und damit waren fĂŒr sie alle FormalitĂ€ten geklĂ€rt und das GesprĂ€ch beendet. Nun aber stellte Karo noch eine Bedingung: Sie wollte ausschließlich im Zebragehege aushelfen. Die Direktorin blickte sie erstaunt an. „Warum gerade das Zebragehege?“ fragte sie. „Ich mag Zebras, und Streifen und ich sind Freunde“, erklĂ€rte Karo. NatĂŒrlich verstand die Direktorin nicht, dass Karo von Stripes, den sie ja nun Streifen nannte, sprach. Aber da Erwachsene Kinder hĂ€ufiger mal nicht verstanden, dachte sich die Direktorin nur ihren Teil und ging wieder ihren GeschĂ€ften nach.

Karo hatte es geschafft. Auf dem Heimweg fuhr sie mit ihrem Fahrrad Schlangenlinien vor lauter Freude und lÀchelte die ganze Zeit vor sich hin. Sie freute sich auf die Zeit mit Streifen.

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Hör auf dein Herz

Karo kĂŒmmerte sich großartig um die Zebras, und die Zoodirektorin, die Tierpfleger und die Zebraherde wollten sie nicht mehr missen. Auch nach den Ferien war sie immer willkommen, und Karo besuchte Streifen so oft sie nur konnte.

Dann erfuhr sie plötzlich von der anstehenden Auswilderung der Zebras. Schlagartig wurde ihr klar, dass sie Streifen nie wieder sehen und ihn verlieren wĂŒrde.

Ihre Mutter bemerkte als Erste, dass Karo bedrĂŒckt war und fragte nach. Sie konnte Karos Kummer gut verstehen. Gemeinsam ĂŒberlegten sie, was das Beste fĂŒr Streifen wĂ€re. Die Vorstellung, Streifen in seiner Heimat zu wissen, glĂŒcklich, wild und frei, dass er ein richtiges, echtes Zebraleben leben dĂŒrfte, tröstete und faszinierte Karo zugleich.

Karo hatte viel ĂŒber Zebras gelernt seit sie zum ersten Mal Streifens Kopf gestreichelt hatte. Sie hatte Bilder von goldfarbenen SonnenuntergĂ€ngen in der ostafrikanischen Steppe gesehen. Sie kannte die Gefahren und Feinde der Zebras. Sie wusste, dass aufregende Abenteuer auf Streifen warteten. Und sie hatte keinen Zweifel, es wĂŒrde kein besseres Leben fĂŒr Streifen geben.

Aber klar, Loslassen tat weh.

 

Trauriger Geburtstag

Karos Geburtstag stand bevor.

Komisch, ihre Eltern hatten noch immer nicht gefragt, was sie sich wĂŒnschte. Vielleicht hatten sie es einfach vergessen. Sie hatten wohl auch noch mehr zu tun als sonst. Karos Mama verschwand fast jeden Abend in ihrem Arbeitszimmer und holte Karos Papa immer wieder mal zu Hilfe. „Na ja, egal“, sagte sich Karo. „Dann feiere ich eben mit Streifen. Uns bleibt sowieso nicht mehr viel Zeit miteinander.“

Am Morgen ihres Geburtstags erlebte Karo eine EnttĂ€uschung. Es standen Blumen auf dem Tisch, am Fenster hing eine bunte Geburtstagsgirlande, und an ihrer Kakaotasse lehnte eine GlĂŒckwunschkarte.

Aber kein einziges Geschenk war zu sehen. Kein einziges!

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Echt jetzt? Kein Spaß?

„Guten Morgen, mein liebes Kind! Herzlichen GlĂŒckwunsch zum Geburtstag!“ begrĂŒĂŸte sie ihr Vater. Karos Mama sang „Zum Geburtstag viel GlĂŒck“ und knuddelte sie. „Hast du schon deine Geburtstagskarte gesehen?“ drĂ€ngelte sie dann. „Ja. Danke!“ erwiderte Karo kurz und trocken. „Freust du dich gar nicht?“ wollte Karos Vater wissen, und er schien irritiert. Karo war mindestens genauso verwundert. „Über eine Karte?“ fragte sie und verzog dabei das Gesicht. „Lies doch mal, was darauf steht“, schlug die Mama eifrig vor. Ihr Lachen verriet, dass es doch noch ein Geschenk geben wĂŒrde.

Karo betrachtete das hĂŒbsche Bild der GlĂŒckwunschkarte. Sie brauchte Zeit, um sich zu ĂŒberlegen, wie sie eine mögliche EnttĂ€uschung ĂŒberspielen konnte. „Komm, Karo, mach schon!“ drĂ€ngte ihre Mutter.

Karo drehte die Karte um und begann zu lesen. Ihre Augen wurden immer grĂ¶ĂŸer, ihr Mund stand weit offen, und sie setzte sich hin, weil ihr die Knie weich wurden. Sie blickte von der Karte auf und brachte nur ein „Echt jetzt? Kein Spaß?“ hervor.

Ihre Eltern lachten ausgelassen, als wĂŒrden sie sich mehr freuen als Karo selbst.

 

Ein krasses Geschenk

Niemals hatte Karo mit so einem Geburtstagsgeschenk gerechnet. Eine Reise nach Afrika! Zu Streifen! Ihre Eltern waren einfach die besten! Und die Zoodirektorin auch!

Karo war dabei, als ein VeterinĂ€r den Zebras Beruhigungsmittel fĂŒr die erste Etappe des Transports spritzte, damit die Tiere so wenig Stress wie möglich hatten. Viel spĂ€ter erst ging die Reise fĂŒr Karo und ihre Eltern los. Der Plan war, Streifen und die anderen Zebras in Kenia in Empfang zu nehmen und die Herde gemeinsam mit dem Zoo-Team und den Experten vor Ort in der Steppe auszuwildern. Den Tieren wĂŒrde es ein GefĂŒhl der Sicherheit und StĂ€rke geben, in der neuen, fremden Umgebung ein StĂŒck Vertrautheit vorzufinden.

Die Flugreise nach Nairobi in Kenia dauerte fast zwanzig Stunden. Karo war so aufgeregt wie noch nie zuvor in ihrem Leben. „Wie mag es Streifen gehen? Und seiner Herde? Hoffentlich geht alles gut! Bitte, bitte, dass er bloß nicht krank wird! Oder stirbt
!“ All diese Gedanken rasten ihr durch den Kopf.

Am Flughafen von Nairobi sah erst einmal gar nichts nach Steppe, goldenem Licht oder friedlicher Natur aus. Es war heiß und stickig. Menschen strömten kreuz und quer um die Familie herum. Karo kam sich doch recht verloren vor und war froh, dass sie ihre Eltern bei sich hatte.

Sie wollte einfach nur zu Streifen.

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Ruckel Zuckel RĂŒttel SchĂŒttel

Am Ausgang des Flughafens wurden sie von einem Ranger mit Namen Kito erwartet, der ein Schild hochhielt, auf dem in großen Buchstaben „KARO“ stand. Er brachte die Familie in ein Hotel in der NĂ€he des Flughafens, und Karo und ihre Eltern schliefen die ganze Nacht wie Babys.

Am nĂ€chsten Morgen holte Kito sie ab. Er trug seine khakifarbene Ranger-Uniform und hatte eine solche auch fĂŒr Karo und ihre Eltern mitgebracht. Eine solche Uniform zu tragen, war hilfreich und wichtig, um sich vor der brennenden Sonne und den MĂŒcken zu schĂŒtzen. In den Taschen seiner Weste hatte er lauter so Zeugs wie SchnĂŒre und ein Schweizer Messer, auf das Kito besonders stolz war.

Die bevorstehende Fahrt dauerte vier Stunden und ging 200 Kilometer durch die Steppe bis in den SĂŒden des Amboseli Nationalparks.

Lag es am Jeep oder an der Straße, dass es eine so rumpelige, ruckelige Fahrt war und alle Mitfahrer durchgeschĂŒttelt wurden? Karo wusste es nicht, aber sie spĂŒrte schmerzhaft ihren Po, der immer wieder hoch und runter plumpste.

 

Wo geht’s hier zum Kilimandscharo?

Plötzlich hielt der Jeep, und sie hatten das Safari Camp erreicht, in dem Karo und ihre Eltern nun zwei Wochen lang wohnen wĂŒrden. Kito war sehr fĂŒrsorglich. Ehe Karo es ĂŒberhaupt bemerkte, war ihr GepĂ€ck schon in der HĂŒtte und der Esstisch auf einer schattigen Veranda mit Obst, Brot und Wasser gedeckt.

Nach dem Essen fĂŒhrte Kito die Familie auf die andere Seite des Camps. Dort hatten sie freien Blick auf den Kilimandscharo, den höchsten Berg Afrikas. Er lag im Nachbarland Tansania und bestand aus drei Vulkankratern. Die hießen Kibo, Mawenzi und Shira. Kibo war der höchste Gipfel und ein seit 200 Jahren schlafender Vulkan. Er trug eine weiße MĂŒtze aus Schnee und Eis. Kito erklĂ€rte, dass sie in zehn Jahren verschwunden sein wĂŒrde, denn durch die KlimaerwĂ€rmung hatte eine rasante Eisschmelze eingesetzt.

Das klang ĂŒberhaupt nicht gut, und Karo sah Kito traurig an.

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Ein Zebra macht Witze

Nach ein paar Safari-AusflĂŒgen fĂŒhlte sich Karo in der Wildnis zuhause. Angst hatte sie nicht, Kito war ja immer an ihrer Seite. Aber Magensausen hatte sie stĂ€ndig, weil alles so krass aufregend war.

Als sie eines Morgens aus ihrer HĂŒtte trat, standen im Camp riesige Transporter, und ĂŒberall waren Ranger. Karos Herz fing heftig an zu schlagen. Sie ahnte, dass Streifen angekommen war.

Und so war es.

Die Herde war bereits in den StĂ€llen untergebracht worden, damit sie sich geborgen und geschĂŒtzt fĂŒhlten. Kito wollte direkt nach den Zebras schauen und bot Karo an, ihn zu begleiten. Die Tiere ruhten sich noch von den Strapazen der Reise aus.

Karo wartete geduldig bis Streifen allmĂ€hlich aufwachte. Er richtete seinen Kopf langsam auf, seufzte zufrieden, und zum Abschluss seiner Morgenroutine pupste er krachend laut und stinkend. Es ging ihm prima, so viel war mal klar. Als er Karo entdeckte, schrie er lachend: „Ay, gibt’s hier kalte Limo oder’n Pool? Ich schwitz so hart, dass mir die Streifen verschmieren. Nicht, dass ich nachher ausseh‘ wie’n BĂŒffel!“

Hatte sich Karo wirklich Sorgen gemacht?

Ab geht’s in die Steppe

Karo war jedenfalls froh und dankbar, dass Streifen nichts von seiner Frohnatur eingebĂŒĂŸt hatte. Und die beiden waren nach wie vor ein Herz und eine Seele.

Ein paar Tage lang blieb die Herde im Camp. Die Zebras sollten sich ausruhen, jede Menge GrĂ€ser fressen und ausreichend trinken, um dann gestĂ€rkt in die Wildnis zu gehen. Der VeterinĂ€r bestand darauf, sie tĂ€glich zu untersuchen, um sicherzugehen, dass alle Tiere fit fĂŒr die Freiheit waren. Jeden Tag schrieb Kito seitenlange Berichte und tauschte sich stĂ€ndig ĂŒber Funk mit anderen Rangern aus. Karo war schon neugierig, was Kito da so machte, aber sie widmete all ihre Zeit Streifen. Jeder Moment war so kostbar.

Und dann kam der Tag der Auswilderung.

In Karos Magen sauste es wieder einmal, ihr Herz klopfte laut und ihre Gedanken fuhren Karussell. Kito sah ihr an, dass sie ganz durcheinander war. Er drĂŒckte ihre Hand und sah sie aufmunternd an. Mit Kito verstand sich Karo wortlos.

Karo, Kito und die anderen Ranger brachten die Tiere an eine Wasserstelle im Amboseli Park, die nicht allzu weit vom Camp entfernt lag. Angekommen, stolperten die Zebras nach und nach aus den Transportern und gingen direkt zum Wasser.

Sie waren ganz ruhig und verhielten sich, als wenn alles ganz vertraut und normal fĂŒr sie war.

 

Liebe, Abschied, Hoffnung

Vor ihrer Abreise zog Karo sich noch einmal ihre Ranger Uniform an und ging mit Kito auf einen letzten Rundgang.

Den ganzen Morgen hielt sie Ausschau und hoffte, Streifen noch einmal zu sehen. Aber in der Ferne sah sie nur ein paar Giraffen gemĂ€chlich stolzieren und ĂŒber ihr Vögel, die im Schwarm durch die Luft schwebten.

Karo ließ ihren Blick schweifen. Sie wĂŒrde den Anblick dieser Landschaft mit der unendlich scheinenden Steppe und dem Kilimandscharo mit seiner weißen MĂŒtze fĂŒr immer in Erinnerung behalten und in ihrem Herzen tragen. Vor allem aber das Bild von Streifens Zebraherde im wilden Lauf durch die Savanne wĂŒrde sie ein Leben lang nicht vergessen.

Eines Tages wĂŒrde Karo wieder hierherkommen und den Kilimandscharo besteigen bevor seine weiße EismĂŒtze fĂŒr immer weggeschmolzen war. Und wer weiß, vielleicht wĂŒrde sie dann auf einer Safari eine Zebraherde sehen, und sicher wĂ€re Streifen unter ihnen. 

GlĂŒcklich, wild und frei.

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