Eurelia und der Osterhase

Martina TĂŒrschmann

Ein paar Tage vor Ostern flattert ein merkwĂŒrdiger Brief ins Haus. Der Osterhase benötigt Eurelias Hilfe. Nichts leichter als das. EierfĂ€rben ist fĂŒr sie kein Problem. Doch dieses Mal geht so einiges schief


Nach Alter: Ab 0 Jahre

Nach Lesedauer: Ca. 10 – 20 Minuten

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„Kannst du nicht endlich Ruhe geben?“, maunzte es aus dem Körbchen. „Ich dachte, du willst ein MittagsschlĂ€fchen halten.“ Doch anstatt zu antworten, seufzte Eurelia laut auf. Heute war einfach nicht ihr Tag. Nicht einmal ein Nickerchen bekam sie hin.

Die MĂŒdigkeit, die sie noch vor ein paar Minuten verspĂŒrt hatte, war verflogen. Hellwach saß sie in dem Ohrensessel, den ihre Großmutter ihr vermacht hatte, und war bis in die letzte Haarspitze unzufrieden mit sich selbst.

„Auch wenn du nicht mehr mĂŒde bist, könntest du etwas leiser sein“, bat Zenturo. „Wie soll ich denn ĂŒber die Welt sinnieren, wenn du die ganze Zeit so vor dich hin grunzt.“

„Mir ist langweilig“, maulte sie daraufhin. Dann fuchtelte sie mit den HĂ€nden in der Luft herum, so dass ihre Armreife leise klapperten. „Komm, lass uns was zusammen machen“, schlug sie vor, doch der Kater machte keine Anstalten, sein Körbchen zu verlassen. Manchmal war er zu nichts zu gebrauchen.

Seine Gelassenheit wĂŒrde sie noch in den Wahnsinn treiben. Gerade war es wieder soweit. „Du liegst den ganzen Tag nur faul rum und denkst ĂŒber irgendeinen Blödsinn nach“, versuchte sie es noch einmal. Dann warf sie einen Blick aus dem Fenster. „Jetzt raff dich auf und lass uns spazieren gehen. Draußen ist wunderbares Wetter, die Sonne scheint …“, doch weiter kam sie nicht, da Zenturo in dem Moment aufstöhnte und sie unterbrach:

„Was ist denn an innerer Ruhe so verkehrt?“, fragte er. Dann fuhr er sich ein paar Mal mit der Zunge ĂŒber das schwarze Fell. Nachdem er mit seiner Hygiene fertig war, riss er das Maul auf, gĂ€hnte ausgiebig und streckte sich. Schließlich machte er es sich wieder gemĂŒtlich und legte die Vorderpfoten ĂŒbereinander. Dann blinzelte er zu ihr hoch. Ihre Blicke trafen sich.

„Ich will doch nur dein Bestes. Außerdem wirst du langsam pummelig, wenn du dich nicht bewegst“, stichelte sie. 

„Werde ich nicht“, gab er selbstgefĂ€llig zurĂŒck.

„Vielleicht lassen wir heute eine Mahlzeit aus? Es hĂ€lt dich fit, wenn du dir dein Essen selbst fangen musst“, versuchte sie, ihn weiter zu Ă€rgern. Eigentlich war das gar keine schlechte Idee. Dann grinste sie breit und sah von oben auf ihn herab, aber der Kater verdrehte nur die Augen und rollte sich zusammen. Das GesprĂ€ch schien fĂŒr ihn beendet zu sein. Ihrer Brust entfuhr der nĂ€chste Seufzer. Irgendwas musste sie jetzt anstellen. Sie stand auf und begann mit einer Wanderung durch das Wohnzimmer. „Komm, Zenturo, hoch mit dir“, quengelte sie dabei.

„Wir könnten …“, fing sie an, aber es fiel ihr einfach nichts Spannendes ein. Einige Male schlurfte sie jetzt vor dem Globus und dem massiven Schreibtisch auf und ab. Mitten auf der ArbeitsflĂ€che thronte das große Hexenbuch, in das sie auch schon lange nicht mehr geschaut hatte. Sie warf einen kurzen Blick darauf und entschied, dass zum Lernen nicht der richtige Zeitpunkt war. Ohne es weiter zu beachten, schritt sie entlang des BĂŒcherregals zum Fenster. Dabei fuhr sie mit dem Finger ĂŒber die BuchrĂŒcken. Doch Lesen reizte sie genauso wenig.

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Dann betrachtete sie sich ihren Garten. Aus der Erde lugten die ersten Krokusse und Schneeglöckchen. Jeden Tag gewann die Sonne an Kraft. Bald wĂŒrden die letzten kleinen Inseln aus glitzerndem Schnee geschmolzen und endgĂŒltig verschwunden sein.

Sie schaute zur anderen Straßenseite. Gerade war der Postbote dabei, den Nachbarn schrĂ€g gegenĂŒber einen Stapel Karten in den Briefkasten zu schmeißen. Nur an sie dachte wieder niemand, nicht einmal an Ostern. 

Auch sonst trudelten bei ihr immer nur Rechnungen und Wurfsendungen ein.

„Ostern!“, murmelte sie daraufhin und wurde traurig. In ein paar Tagen zogen die Kinder ihrer Straße wieder los und suchten Osternester. 

Gab es im Leben nichts Schöneres, als sich dem anzuschließen?

Wie gerne wÀre sie dabei, aber dummerweise war sie zu alt. Selbst der Osterhase hatte sie nicht mehr auf dem Schirm. 

Immer noch unzufrieden mit sich und der Welt kehrte sie dem Fenster den RĂŒcken zu. Langsam schlenderte sie zum Sessel zurĂŒck. Vielleicht konnte sie ja doch noch ein SchlĂ€fchen halten. Was fĂŒr ein blöder Tag. Auf einmal stutzte sie, legte eine Hand auf die Kopflehne und starrte ins Leere. NatĂŒrlich, das war es. Dann jauchzte sie auf und warf dem Kater einen triumphierenden Blick zu. Misstrauisch schielte er zu ihr hoch. 

„Ich weiß, was wir machen. Wir werden am Ostersonntag auch Eier suchen gehen.“

„Klar. Tolle Idee. Wie willst du das denn anstellen?“, fragte er trocken. „Hast du vergessen, dass du schon viel zu viele Jahre auf dem Buckel hast, um vom Osterhasen beschenkt zu werden? Nur den Kindern versteckt er Nester.“

Eurelia rollte mit den Augen. „Was bist du doch fĂŒr ein einfallsloser Langweiler. Wir fĂ€rben sie uns einfach selbst. Dann basteln wir kleine Gebinde, in die wir sie hineinlegen, und verstecken sie. Wichtig dabei: Wir suchen uns schwer zu findende PlĂ€tze aus, damit wir am Ostersonntag möglichst lange beschĂ€ftigt sind“, betonte sie mit Nachdruck.

„Ja, natĂŒrlich, das machen wir“, spottete er daraufhin. „Dir ist schon klar, dass das Suchen nur Sinn ergibt, wenn du die Verstecke nicht kennst?“

„Spaßbremse“, knurrte sie. „Ist es im Bereich deiner Vorstellungskraft, dass du mir die Eier versteckst und ich sie dir?

Komm schon. Zentuuuurooo. Bitte, bitte, bitte!“

Mit ihrem Pantoffel versetzte sie nun dem Körbchen einen Stoß, doch der Kater blieb liegen und schien gĂ€nzlich unbeeindruckt zu sein. Jetzt streckte er sich und gĂ€hnte erneut. Dann zeigte er ihr kurz seine Krallen und rollte sich gleich darauf wieder zusammen.

„Was bist du doch fĂŒr ein nichtsnutziger Faulpelz“, versuchte sie es noch einmal, aber es war zwecklos.

Sie schnaubte. „Mach doch, was du willst. Das einzige, was du brauchst, ist ein bequemes Körbchen, genug zu fressen und von Zeit zu Zeit meine Kraulehand. Aber nur das du es weißt: Mit der Kraulerei ist fĂŒrs erste Schluss. Ich hab jetzt besseres zu tun.“ Ohne eine Reaktion abzuwarten, machte sie sich auf den Weg in die KĂŒche. Zuerst wĂŒrde sie ein paar Eier fĂ€rben und das alleine bereitete ihr schon Freude. Im KĂŒhlschrank hatte sie gestern noch welche gesehen.

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In dem Moment ertönte ein Klingeln an der TĂŒr. Das konnte nur eins bedeuten. „Ich habe auch Post bekommen?“, fragte sie erstaunt.  Dann eilte sie durch den Flur. Frische Luft strömte ins Haus, als sie öffnete. Gerade sah sie den BrieftrĂ€ger noch um die Ecke verschwinden. Ihr Briefkasten hing an einem großen Apfelbaum auf halbem Wege zum GartentĂŒrchen. Sie kicherte in sich hinein, denn sie wusste, dass sich der Postbote jedes Mal ein wenig darĂŒber Ă€rgerte, dass sie den Kasten nicht direkt am Gartenzaun angebracht hatte. Doch dieses Mal hatte er sich die MĂŒhe gemacht und ihr ein großes Paket vor die TĂŒr gelegt. Sie schob ihre Unterlippe nach vorne und nahm sich vor, in Zukunft etwas netter zu ihm zu sein.

„Wer schickt dir denn sowas? Was kann da drin sein?“, maunzte es zu ihren FĂŒĂŸen.

Neugierig war er dann doch, dieser Kater!

Verwundert betrachtete sie den braunen Einband. Nie zuvor hatte sie so ein großes Paket bekommen. Gespannt wie ein Fliegenpilz kurz vor der Ernte bĂŒckte sie sich nun und versuchte, einen Absender zu entdecken, doch sie fand keinen. Auch kein Poststempel verriet ihr, wo es aufgegeben worden war. Nur ihr Name war in dicken schwarzen Buchstaben groß obenauf geschrieben – und: <Es eilt!>

„Vielleicht ist es von Esmeralda“, vermutete sie, verwarf den Gedanken aber sofort wieder. Zu ihrer Kusine pflegte sie keinen Kontakt. Was eigentlich schade war. Ein halbes Jahrhundert hatten sie sich jetzt schon nicht mehr gesehen. Wie es ihr wohl ging? Doch darĂŒber konnte sie spĂ€ter grĂŒbeln. Erst wollte sie wissen, was sich in dem Paket befand.

Sie erhob sich wieder, streckte die Hand aus und hielt nun ihre langen Finger gekrĂŒmmt ĂŒber dem Einband. Dann schaute sie sich vorsichtig nach allen Seiten um und ĂŒberzeugte sich davon, dass sie nicht beobachtet wurde. Gleich darauf murmelte sie: „Bei allen staubigen Spinnenweben, komm jetzt mit und versuch, zu schweben.“

Langsam hob das Paket vom Boden ab und folgte ihr dicht unter der Hand durch den Flur in die KĂŒche. Behutsam hob sie den Arm und setzte es auf dem KĂŒchentisch ab. Erneut betrachtete sie es von allen Seiten. Wer hatte ihr das bloß geschickt?

Gespannt riss sie das Papier herunter. Zum Vorschein kam eine strapazierfÀhige Holzkiste, auf der zuoberst ein roter Umschlag lag. Mit gerunzelter Stirn nahm sie ihn in die Hand und starrte kurz darauf. Dann ritzte sie ihn mit einem ihrer langen FingernÀgel auf, zog ein Blatt Papier hervor und las:

Liebe Eurelia,

ich brauche dringend deine Hilfe. Mitten in der heißen FĂ€rbephase habe ich mir eine Hasengrippe eingefangen und liege im Bett. UnterstĂŒtze mich bitte und fĂ€rbe die Eier, die ich dir mit dieser Holzkiste schicke. Am Ostersonntag verstecke ich sie dann fĂŒr die Kinder deiner Straße. Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Vielen Dank Dein Osterhase

Entgeistert starrte sie auf die krakeligen Zeilen und las den Brief ein zweites Mal durch.

„Stell dir das mal vor, Zenturo“, murmelte sie schließlich. „Der Osterhase braucht meine Hilfe.“ Langsam ließ sie den Brief sinken.

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In dem Moment strich der Kater an ihrem Bein vorbei und hĂŒpfte mit einem eleganten Satz auf die Ofenbank, von wo aus er einen besseren Blick hatte. „Ostersonntag ist schon in drei Tagen. Da wirst du dich ganz schön ins Zeug legen mĂŒssen“, maunzte er und schaute ihr dabei zu, wie sie die Kiste öffnete, ein Ei nach dem anderen herausnahm und vorsichtig auf dem KĂŒchentisch aufreihte. Die leere Kiste wanderte gleich darauf auf den Boden. Er legte den Kopf schief. Dann nĂ€herte sich seine Pfote langsam einem Ei und stupste es an.

„Lass das“, brummte sie und rettete das rollende Ei, indem sie es kurz mit den Fingern festhielt. „Und was heißt hier: nur bis Ostersonntag“, beschwerte sie sich. „Das sind noch ganze drei Tage, also ein Klacks fĂŒr eine so gute Hexe wie mich. Du wirst schon sehen. Pass auf.“ Gleich darauf kniff sie die Augen zusammen und konzentrierte sich.

„Eierpansch und Regenbogen, dass ich’s nicht kann, ist glatt gelogen!“ Dabei hielt sie eine Hand ĂŒber einen Teil der Eier. Es puffte leise und bunter Rauch stieg auf. Kurze Zeit spĂ€ter war ein halbes Dutzend in allen Regenbogenfarben gefĂ€rbt.

„Na? Was sagste jetzt?“, triumphierte sie und warf Zenturo einen herablassenden Blick zu.

„Nicht schlecht“, schnurrte er anerkennend, fuhr aber spöttisch fort: „Du musst die Eier nur zuerst kochen. Erst dann kannst du sie fĂ€rben.“ Dabei stupste er erneut eins mit der Kralle an.

„Papperlapapp, das habe ich schon immer so gemacht. Und jetzt … hör endlich auf damit“, fauchte sie und rettete das weiße Ei, das der Tischkante gefĂ€hrlich nahe gekommen war. Mit großen Augen sah er zu ihr auf und maunzte: „Du hast doch noch nie in deinem Leben Ostereier gefĂ€rbt.“

„Ach, was du nicht sagst“, entgegnete sie. „KrĂŒmelkacker mag man nicht. Schon vergessen?“ Dann warf sie ihrem Kater einen langen trotzigen Blick zu.

Der zuckte nur mit den Barthaaren, sprang auf den Boden und zog majestÀtisch von dannen.

„Gut, mach dich vom Acker, ist auch besser so“, brummte sie, sah ihm hinterher und wartete, bis er den Raum verlassen hatte. Endlich war sie ungestört und konnte sich der bevorstehenden Aufgabe widmen. Tief atmete sie durch und schloss die Augen. Langsam hob sie ihre HĂ€nde ĂŒber die aufgereihten Eier. In leisem Singsang murmelte sie nun eine Zauberformel nach der anderen. Bald blitzte und puffte, zischte und qualmte es in der kleinen KĂŒche.

Als sie fertig war, konnte sie vor lauter Rauch kaum noch was sehen. Fast blind tastete sie sich zum Fenster und öffnete es. Die frische Luft tat ihr gut. Langsam verzog sich der Qualm. Dass es auch immer so nach Schwefel stinken musste, wenn sie loslegte.

Einen Moment wartete sie noch, bevor sie es wieder schloss. Dann drehte sie sich um und nahm ihr Werk in Augenschein. Ihr Herz hĂŒpfte vor GlĂŒck. Auf dem Tisch lagen die schönsten Ostereier, die sie je zu Gesicht bekommen hatte. Neben den bereits GefĂ€rbten befanden sich Exemplare, die in einem zauberhaften Licht erstrahlten. Ein goldener Schimmer umgab sie.

Eins davon nahm sie nun in die Hand und hielt es in die Höhe. Es sah so aus, als wĂŒrde es von innen heraus leuchten.

LĂ€chelnd legte sie es zurĂŒck. Dann wandte sie sich den nĂ€chsten Eiern zu, die in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden ihre Farbe wechselten. Blaue Eier wurden rot und gleich darauf wieder blau, violette Ă€nderten ihre Tönung hin zu Orange und grĂŒne wurden gelb.

Am besten gefielen ihr jedoch die bunten Eier, um deren Schale ein kleines KĂŒken zu laufen schien. Als ihr Blick zuletzt auf eine Gruppe fiel, die ihre ganze Form verĂ€ndern konnte, lachte sie laut auf. Das hatte sie gar nicht beabsichtigt. Irgendetwas musste beim Hexen schief gegangen sein. Was der Osterhase wohl dazu sagen wĂŒrde, dass ovale Eier rund und gleich darauf quadratisch wurden? Und das auch noch im Wechsel?

Eine Welle der Zufriedenheit durchströmte sie, als sie sich an diesem Abend in der KĂŒche auf die Ofenbank legte, um zu schlafen. Bevor sie jedoch mĂŒde in ihre bunten Kissen sank, vergewisserte sie sich, dass die TĂŒr verschlossen war. Man konnte nie wissen, was dem Kater fĂŒr ein Blödsinn einfallen wĂŒrde. Im Kamin prasselte ein Feuer. Es war warm und gemĂŒtlich.

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Bald schlief sie tief und fest. Nicht einmal der Schnellzug nach Altenkirchen, der jedes Mal einen schrillen Pfiff ausstieß, wenn er an ihrem HĂ€uschen vorbei rumpelte, unterbrach ihr gleichmĂ€ĂŸiges Schnarchen.

Am nĂ€chsten Morgen wurde sie von seltsamen GerĂ€uschen geweckt. Sie gĂ€hnte laut und Ă€rgerte sich darĂŒber. Nach der anstrengenden Arbeit des gestrigen Tages hĂ€tte sie gerne noch geschlafen. Doch irgendwas war anders als sonst. Das spĂŒrte sie mit jeder Faser ihres Körpers. MĂŒde rieb sie sich die Augen und streckte sich. Dann hob sie den Kopf und warf einen prĂŒfenden Blick durch die KĂŒche. Gleich darauf hielt sie die Luft an und fiel wieder in die Kissen zurĂŒck. Sie kniff die Augen zusammen und zĂ€hlte langsam bis zehn. Doch als sie erneut hinsah, war alles wie zuvor. Sie trĂ€umte nicht, sie war hellwach. Wie sollte sie das dem Osterhasen erklĂ€ren? Die Eier auf dem Tisch waren alle verschwunden.

Den TrĂ€nen nahe kam Eurelia in die Höhe, schwang die FĂŒĂŸe ĂŒber die Kante ihrer Ofenbank und setzte sich auf. Vor ihr tummelten sich frisch geschlĂŒpfte KĂŒken.

Zwischen aufgebrochenen Eierschalen saßen sie wild durcheinander und fiepten leise. Auch unter dem Tisch und in der Kiste waren welche. Überall hatten sie sich verteilt. Doch das MerkwĂŒrdige an ihnen war ihr Gefieder. Direkt vor ihrer Nase saß ein Dunkelblaues. Das daneben wechselte in dem Moment die Farbe von GrĂŒn zu Orange. Gleich darauf erhaschte ihr Blick eins, das von einem goldenen Schimmer umgeben war. Es sah so aus, als ob es von innen heraus leuchtete. Ihre Augen suchten weiter. Am anderen Ende des Tisches saßen welche, um die der Schatten eines kleinen Schwesterchens herumlief.

Doch damit nicht genug, denn die angrenzenden KĂŒken plusterten sich gerade auf und nahmen eine runde Form an. Dann wurden sie quadratisch, bis sie wieder normal aussahen.

Ihr Blick wanderte ins Leere. Was hatte sie bloß angerichtet.

An den Spott ihres Katers mochte sie erst gar nicht denken.

Langsam legte sie sich wieder hin, zog die Decke ĂŒber den Kopf und wĂŒnschte sich ganz, ganz weit weg, am besten auf einen anderen Stern.

Der Ostersonntag kam. Ein Kind nach dem anderen lief aus dem Haus, manche Eltern mit Fotoapparat im Schlepptau.

Letzte Nacht hatte der Osterhase wohl trotz seiner Grippe eine SondereierfĂ€rbeschicht eingelegt. Eurelia verzog sich in ihren Ohrensessel und schĂ€mte sich. Dabei fixierte sie mit starrem Blick einen Punkt ĂŒber dem Globus und bemĂŒhte sich, das Gejauchze der ausgelassenen Schar auszublenden.

Zenturo schaute aus dem Fenster, kehrte ihr den RĂŒcken zu und hatte dagegen seine wahre Freude. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht drehte er sich jetzt zu ihr um. „Was hĂ€ltst du denn davon, wenn wir spazieren gehen und schauen, was die Kinder so alles in den Nestern haben?“, schlug er vor. Gleich darauf gackerte er laut los und wandte sich wieder dem bunten Treiben zu.

Na Hauptsache, der Kater hat Spaß, dachte sie und betitelte ihn mit: „Blödian!“ Dann warf sie ihm einen wĂŒtenden Blick zu.

In dem Moment klingelte es am Eingang. Wer war das denn? Missmutig erhob sie sich und schlurfte durch den Flur zur TĂŒr. Sie öffnete und sah zu ihrem Erstaunen einen roten Briefumschlag und einen bunten Blumenstrauß auf der Fußmatte liegen. Schnell bĂŒckte sie sich, nahm das Kuvert und riss es auf. Es war ein Brief vom Osterhasen, den er nach getaner Arbeit selbst vor die TĂŒr gelegt haben musste.

Zu ihrer großen Freude lauteten die letzten Zeilen:

… Eurelia, du bist so genial. Anstatt zu fĂ€rben, hast du mir fĂŒr nĂ€chstes Jahr HĂŒhner gezaubert, die bunte Eier legen.
Tausend Dank

Mit dem Brief in der Hand eilte sie ein paar Schritte in den Garten und schaute sich suchend um. Doch vom Osterhasen war weit und breit nichts mehr zu sehen.

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Beitragsbild Martina TĂŒrschmann

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