Mina Maus auf Drachensuche

4-6 Jahre | Ca. 10 Minuten | Anne-Katrin Paulke

Darum geht's

Die mĂ€rchenbegeisterte Mina Maus möchte gerne wissen, warum Drachen Prinzessinnen entfĂŒhren. Kurzerhand beschließt sie, solch ein UngetĂŒm selbst zu suchen, damit sie es gleich persönlich fragen kann. Opa Igel weiß auch von einem gefĂ€hrlichen Wunderwesen mit schwarzer Haut und Feuerstreifen, das am Rande der Blumenwiese gesehen worden ist. Gemeinsam mit ihrem Freund Moritz Eichhörnchen hat das MĂ€uslein schon einen Plan, wie sie den Drachen hervorlocken können…

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„Der fĂŒrchterliche Drache Eisenzahn flog mit seinen von Dornen besetzten Schwingen ĂŒber die Stadt. Sein Fauchen durchbrach die Stille der Nacht. Seine FeuerbĂ€lle erhellten die Dunkelheit. Prinzessin Rosalind war der Grund, warum er seine Höhle in den Bergen nach 100 Jahren wieder verlassen hatte.“

Mina klappte das MĂ€rchenbuch zu und strich sich langsam zweimal ĂŒber das feine rosa NĂ€schen. Das tat sie immer, wenn sie dringend eine Antwort auf eine interessante Frage suchte. Mina ĂŒberlegte: „Warum mĂŒssen Drachen eigentlich immer Prinzessinnen entfĂŒhren? Sie können doch gleich den König erschrecken, damit er ihnen schnell all das Gold und die Juwelen aus der Schatzkammer ĂŒberlĂ€sst. Drachen sind ganz verrĂŒckt nach diesen ReichtĂŒmern. Jedes MĂ€usekind weiß, dass der Drache stets wachsam, mit einem aufgeklappten Auge, auf seinem Schatz tief in seinem steinernen Zuhause schlĂ€ft. WĂŒrde ihn da nicht eine schimpfende Prinzessin stören?“

Da wurde die Maus von einem fröhlichen Rufen aus ihren Gedanken gerissen: „Haalloo Mina! Na, was machen wir heute?!“ Das war Moritz, der neugierig seinen Eichhörnchenkopf zur TĂŒr hineinsteckte. Unsere Maus schaute ihren Freund einen Moment lang mit zusammengekniffenen Augen an und sagte dann entschlossen: „Wir suchen einen Drachen!“

 

Sie fragten Opa Igel, wo sich solch ein Wunderwesen verstecken könnte. Der alte Herr hatte schon viel gesehen und gehört. „Oh, ja. Man erzĂ€hlt sich, dass ein Drache am magischen Felsen am Rande unserer Blumenwiese gesehen worden ist. Aber das ist schon sehr lange her“, erinnerte er sich.

„Wie sieht er aus? Was hat er getan?“, fragte Mina aufgeregt. „Nun, seine Haut ist so schwarz wie die tiefste Nacht. Auf ihr sieht man das Feuer, das im Inneren des Tieres lodert, als orangene oder rote Streifen. Das Maul ist groß und breit. Dem, welchem er begegnet war, hatte der Drache einen riesigen Schrecken eingejagt und er soll Zeit seines Lebens vom Pech verfolgt gewesen sein.“ Moritz lief ein leichter Schauer ĂŒber den RĂŒcken, wĂ€hrend Mina nur lĂ€ssig abwinkte. „Ach, das sind doch nur alte Geschichten. Ich will die Wahrheit herausfinden und habe so viele Fragen!“, rief sie und tippelte nervös von einem Pfötchen auf das andere – das Abenteuer sollte endlich beginnen!

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Ehe es sich der Eichhörnchenjunge versehen hatte, waren sie schon auf dem Weg zu seiner Tante Marie. „Was wollen wir bei Tantchen?“, fragte Moritz, der nun gar nichts mehr verstand. „Wir brauchen ein besonderes Kleid fĂŒr dich. Schließlich soll aus dir eine wunderhĂŒbsche Prinzessin werden! Wie sonst sollen wir einen Drachen, der sich ewig nicht hat blicken lassen, aus seinem Schlaf wecken?“, sagte Mina schnell. „Ich glaube, ich höre wohl nicht richtig!“, schnappte Moritz. Mina tippte ihm leicht auf die Schulter. „Nur du kommst mit deinem seidig roten Fell dafĂŒr in Frage. Hab dich nicht so! Du darfst immerhin einem echten Drachen als Erster in die Augen sehen!“ Moritz seufzte schwer, aber trottete der Maus weiter hinterher. Er wusste, dass man Mina von etwas, das sie sich in den Kopf gesetzt hatte, nicht so leicht abbringen konnte.

Marie Eichhorn schĂŒttelte, nachdem die zwei ihr das Vorhaben geschildert haben, nur mit dem Kopf, gab das Kleid aber gerne. Jetzt hatten sie das, was sie brauchten. Nun mussten sie nur noch den Drachen finden.

 

Die Blumenwiese erschien den Abenteurern heute riesig. Nichts als Blumen und GrĂ€ser. Der Wald war ja schon fast erreicht. Vielleicht hatte sich Opa Igel doch getĂ€uscht…

Die Grenze zum Wald wollten die zwei nicht unbedingt ĂŒberschreiten, da dort einige Gefahren lauerten. Eine streckte seine schwarze Nase schon in die Luft: Danny Dachs hatte den EichhörnchenmĂ€usegeruch in der Nase und sein Magen grummelte schon seit Tagen. Schnell tapste er durch das hohe Gras. „Lauf!“, rief Mina, die den Dachs hatte kommen sehen, Moritz zu.

Sie rannten so schnell wie der Wind. Der Dachs ließ trotzdem nicht von ihnen ab. Bald war ein großer Steinhaufen in Sicht. Über die steilen Kanten konnten die beiden nicht so schnell nach oben gelangen. Da hatte Mina die rettende Idee: „Flitze so hoch du kannst, und wir verstecken uns in einer Spalte!“

Das Eichhörnchen tat es und Mina folgte ihm in die Dunkelheit. Danny Dachs grummelte wĂŒtend, als er sein Mittagessen nicht mehr sehen konnte: Er musste seinen Beutezug aufgeben.

 

Mina und Moritz atmeten erleichtert aus. Als der Eichhörnchenjunge schon wieder in die Freiheit wollte, hielt Mina ihn am Arm fest. „Sind wir nicht in der Felshöhle, von der Opa Igel gesprochen hat? Moritz machte große Augen und blickte in das tiefe Schwarz vor ihnen.

„I…iich gehe doch lieber wieder nach Hause. Eine Verfolgungsjagd am Tag reicht mir!“, stotterte er und wurde plötzlich ganz starr vor Angst. Das GerĂ€usch eines Zischens hallte von den Steinen wider. „Das muss er sein! Los, zieh das Kleid an und singe ein liebreizendes Lied – sei eine schöne Prinzessin! Jetzt mĂŒssen wir es wagen!“, rief die Maus aufgeregt.

Die beiden Abenteurer mussten gar nicht lange warten: „♫â™Ș Ich gihiing ĂŒber die Soommerwiese und suuuchte meinen Priinzen ♫â™Ș“, sang Moritz zum zweiten Mal und wedelte etwas mit seinem Röcklein. Dann brachte ein mĂ€chtiges BrĂŒllen ihre Ohren zum Dröhnen: „Was ist das fĂŒr ein fĂŒrchterlicher LĂ€rm?! Wer wagt es, meine Ruhe zu stören?!!“

Nicht nur die Stimme des Feuerspeiers war erschreckend, auch sein riesiger Schatten auf der Steinwand ließ einem die Knie weich werden. „Wenigstens hat er nur einen Kopf“, flĂŒsterte Mina Moritz zu. Die mutige Maus wusste allerdings nicht, ob Moritz nickte oder einfach nur so heftig zitterte.

Die Schritte aus dem Inneren kamen nĂ€her, wurden aber zur Verwunderung von Mina und Moritz leiser anstatt lauter. Als sie schon dachten, alles wĂ€re nur ein Schreckenstraum gewesen, kam das UngetĂŒm aus dem Nichts…

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„Ein Feuersalamander!“, riefen Mina und Moritz gleichzeitig. „Wen habt ihr erwartet? Den bösen Wolf oder RotkĂ€ppchen gar selbst?“, grummelte der alte Fritz und lehnte sich erschöpft an einen Stein. „Nein, einen Drachen! Einen feuerspeienden, supergefĂ€hrlichen Drachen wie aus dem MĂ€rchen“, sagte unsere Maus enttĂ€uscht. Da fing Fritz Feuersalamander so heftig an zu lachen, dass er seinen Bauch festhalten musste.

Er verstummte und schaute die zwei mit mĂŒdem Blick an: „Na wenigstens verdanke ich dieser irrwitzigen Idee, dass mich mal wieder jemand besucht. Es ist ziemlich einsam hier. Die Tiere des Waldes und der Wiese vermeiden eine Begegnung mit mir. Sie glauben, es brĂ€chte UnglĂŒck.“ Mina nickte wissend. „Das hat uns Opa Igel auch erzĂ€hlt. Nun sind wir schon einmal hier. Jetzt können wir auch gemeinsam unseren Proviant verputzen.“ Wie auf Kommando grummelte der Bauch des Eichhörnchens laut. „Oh, das nenne ich mal einen Drachenhunger“, schmunzelte der alte Feuersalamander.

Als sie gemeinsam in der Runde saßen und vor sich hin schmatzen, war Mina wieder in Gedanken. „Herr Fritz, wir wollten den Drachen eigentlich fragen, warum es ihm gerade die Prinzessinnen angetan haben. Wisst ihr vielleicht eine Antwort darauf?“ Der alte Feuersalamander kratze sich an seinem kahlen Kopf: „Vielleicht wollen sie in ihrer kalten Höhle nicht alleine sein und holen sich mit einer Prinzessin eine nette Gesellschaft, die wieder etwas Licht in das Dunkle bringt.“

Mina ĂŒberlegte kurz: „Ja, das ist eine gute Antwort. Wir sind zwar trotz MoritzÂŽ tollem Gesang keine Prinzessinnen, aber wir werden sie von nun an immer Mal besuchen kommen und den anderen erzĂ€hlen, dass sie nicht unbedingt allen alten MĂ€rchen glauben mĂŒssen.“ Das Gesicht des Feuersalamanders erhellte sich kurz. „Das will ich aber auch hoffen“, brummte er.

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Beitragsbild Kinderbuchautorin Anne-Katrin Paulke

Rezensionen zu dieser Geschichte

Leserbewertungen

5,0
Rated 5,0 out of 5
5,0 von 5 Sternen (basierend auf 1 Bewertung)
Ausgezeichnet100%
Sehr gut0%
Durchschnittlich0%
Schlecht0%
Furchtbar0%

MĂ€rchenhaft, wundervoll!

Rated 5,0 out of 5
23. MĂ€rz 2023

Ich hab die beiden kleinen Abenteurer Mina und Moritz gleich ins Herz geschlossen. Die Geschichte ist niedlich, mĂ€rchenhaft, liebevoll, spannend, kreativ und lustig. Ich musste ein paar mal wirklich laut lachen! Es war mir eine große Freude, die Geschichte zu lesen. Hier also meine Vorleseempfehlung fĂŒr alle Eltern abenteuerlustiger Kinder! 🙂

Elisabeth Hartlieb
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