Die ungeduldige Fr├╝hlingsfee

Ab 5 Jahre | Ca. 12 Minuten | Anne-Katrin Paulke

Darum geht's

Die Fr├╝hlingsfee Alina war zu fr├╝h aus dem Schlaf erwacht. Voll Freude wollte die neugierige Fee im Sonnenschein ├╝ber gr├╝ne Wiesen fliegen, doch stattdessen traf sie ein kalten Wind. Ersch├Âpft versteckte sich die kleine Fr├╝hlingsfee und schloss die Augen. Wildes und eiskristallklares Lachen weckte sie wieder auf. Es geh├Ârte zu den Winterfeegeschwistern Miranda und Miranus. Ob sie wohl Alina mit ihrer Wintermagie den Fr├╝hling bringen k├Ânnen?

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Die ungeduldige Fr├╝hlingsfee | Seite 1/3

Die ersten Sonnenstrahlen locken,
doch der Wind bringt noch Flocken

ÔÇ×Ohh, ist das kaltÔÇť, bibberte die kleine Fr├╝hlingsfee Alina. Zitternd rieb sie sich die Oberarme. Ihr zartes, rosafarbenes Kleidchen bot ihr keinen Schutz gegen den eisigen Wind, durch den sie flog. Heute Morgen hatte die Sonne doch so sch├Ân geschienen… Alina schloss die Augen und sp├╝rte noch ihre warmen Strahlen auf den Wangen. Was war nur passiert? Trieb der Winter etwa immer noch sein frostiges Spiel?

Sie sehnte sich so sehr nach dem Fr├╝hling mit seiner Bl├╝tenpracht, dem Vogelgezwitscher und den sanften Brisen, die luftige Kleider zum Schwingen bringen. Deshalb hatte Alinas Herz wie wild in ihrer Brust geschlagen, als sie nach dem Aufwachen aus ihrem Schlafzimmerfenster geschaut hatte: Der Schnee war geschmolzen und die Tautropfen hatten auf den nackten Zweigen der B├Ąume im hellen Sonnenlicht geschimmert.

Nun konnte endlich die Arbeit der Fr├╝hlingsfeen beginnen! Sie wecken die Natur aus ihrem langen Schlaf. Ein Wink mit ihren Zauberst├Ąben und Knospen sollen sprie├čen, zarte Bl├╝ten sich ├Âffnen und Hasen ├╝ber gr├╝ne Wiesen hoppeln. Aufgeregt hatte Alina nach ihrer Krokuskappe auf ihrem Nachttischchen gegriffen und liebevoll ├╝ber ihren Zauberstab gestrichen. Sofort hatten die gelben Narzissen und violetten Hyazinthen darauf aufgeleuchtet. Auch Alina schien zu leuchten: mit gl├Ąnzenden Wangen und einem freudigen L├Ącheln auf den Lippen war sie aus ihrem gem├╝tlichen Bett gehopst. Was f├╝r Abenteuer w├╝rde dieser Fr├╝hling wohl f├╝r sie bereithalten?

Die anderen Feen jedoch hatten noch tief und fest geschlafen. Auch Alinas R├╝tteln und Sch├╝tteln hatte sie nicht aufwecken k├Ânnen. Komisch – im letzten Jahr waren sie kaum zu bremsen gewesen. Aufgeregtes Schnattern und Fl├╝gelschlagen hatte das Feenhaus hinter dem dicken Brombeerstrauch erf├╝llt. Nun war au├čer ihrem ruhigen Atem nichts zu h├Âren. Sollten sie doch weiter schlummern. Alina w├╝rde in diesem Jahr keine Sekunde verpassen. Der Fr├╝hling hatte begonnen! Und sie w├╝rde ihm schon einmal entgegenfliegen!

Das mit dem Fliegen hatte sie sich allerdings sch├Âner vorgestellt ÔÇô vor allen Dingen w├Ąrmer. So konnte sie ihren Weg nicht weiter fortsetzen, sonst w├╝rden noch ihre Fl├╝gel einfrieren. Verzweifelt suchte die kleine Fee nach einem Unterschlupf. Wo sie auch hinschaute, waren nur B├Ąume mit kahlen ├ästen zu sehen, die sich in den dunkelgrauen Himmel streckten. Kein Versteck weit und breit. Da blies ihr wieder eine kalte B├Âe ins Gesicht. Sie kniff die Augen f├╝r einen Moment ganz fest zu ÔÇŽ und prallte gegen einen Baumstamm.

Alina rieb sich den schmerzenden Kopf. Sie brauchte einen Augenblick, um sich zu erinnern, was geschehen war. ÔÇ×Alles ist falsch. Ich muss wieder zur├╝ck nach HauseÔÇť, murmelte die Fr├╝hlingsfee. Mit zitternden Beinen stand sie auf. Doch als sie losfliegen wollte, fuhr ihr ein schrecklicher Schmerz durch den rechten Fl├╝gel. ÔÇ×Oh nein. Ich habe mich doch verletzt! Ich kann nicht mehr fliegenÔÇť, jammerte Alina leise. Mit letzter Kraft trippelte die Fr├╝hlingsfee auf einem dicken Ast zu einem sch├╝tzenden Loch im Baumstamm.

Alina legte sich vorsichtig auf die Seite, zog die Beine ganz nah an die Brust heran und schlang ihre Arme um die Knie. Das raue Holz pikte sie durch das d├╝nne Kleid. Drau├čen heulte der Wind. Was sollte sie jetzt nur machen? Auf einmal war sie m├╝de, so unendlich m├╝de. Ihre Augen schlossen sich langsam und die Fr├╝hlingsfee fiel in einen tiefen Schlaf.

Die ungeduldige Fr├╝hlingsfee | Seite 2/3

Die Fl├╝gel sind von Eis bedeckt,
eine neue Freundschaft wird erweckt

Zwischen wirren Tr├Ąumen von Schneegest├Âber ├╝ber einer bunten Blumenwiese, drang ein raues Lachen an ihr Ohr. Fr├Âhliche Stimmen riefen sich zu: ÔÇ×Du kriegst mich sowieso nicht, du langsame Schneekugel!ÔÇť ÔÇ×Na warte! Gleich habe ich dich!ÔÇť Alina hob den Kopf und rieb sich die Augen. Wie lange hatte sie geschlafen? Als sie sich aufrichtete, schoss wieder dieser stechende Schmerz durch ihren Fl├╝gel. Richtig. Der Winter hatte sie mit seinen kalten Fingern einfach aus der Luft gepfl├╝ckt. Sie sch├╝ttelte leicht ihren Kopf. ÔÇ×Ich bin eine Fee mit Zauberkr├Ąften!ÔÇť, sagte Alina bestimmt. Flink nahm sie ihren Zauberstab, murmelte in einer uralten Sprache magische Worte und beschrieb mit ihm einen Kreis in der Luft.

Nichts passierte. Absolut nichts. Da fiel es ihr mit einem gro├čen Schrecken wieder ein: Solange der Fr├╝hling noch nicht angebrochen war, funktionierten ihre Zauber nicht, mit denen sie sich h├Ątte heilen oder um Hilfe rufen k├Ânnen!

ÔÇ×Also auf die altmodische ArtÔÇť, sagte die kleine Fee zu sich selbst. Vorsichtig setzte sie einen Fu├č auf den kalten, nassen Ast und zog den anderen nach. Mit den Armen versuchte sie die Balance zu halten. Es funktionierte. Sie schaute sich langsam um. Hoffentlich waren die Wesen, deren Stimmen sie geh├Ârt hatte, noch nicht verschwunden. Wieder war da dieses Lachen. Woher kam es nur?
Klatsch! Gerade als sie hinter sich schauen wollte, traf sie ein Schneeball am linken Bein. Sie geriet ins Wanken, verlor das Gleichgewicht und fiel wie ein Stein in die Tiefe. Alina schrie erschrocken auf. In ihrem Kopf drehte es sich so schnell, dass sie gar nicht merkte, wie vier H├Ąnde sie rechts und links packten und sie sanft auf den Boden gleiten lie├čen.

ÔÇ×Was ist denn mit dir los? Warum kannst du nicht fliegen? Du hast doch Fl├╝gel! Und wo hast du Jacke und M├╝tze gelassen?ÔÇť So viele Fragen prasselten auf Alina ein, dass sie gar nicht wusste, welche sie zuerst beantworten sollte. Verdutzt schaute sie in die Gesichter zweier Winterfeen. Sie waren so wei├č wie der Schnee und so fein geschnitten wie d├╝nnes Eis. Das M├Ądchen hatte ihre wei├čen Haare zu zwei langen Z├Âpfen geflochten, die ihr ├╝ber die hellblaue, mit Eiskristallen bestickte Jacke fielen. Die tiefblauen Augen des Jungen schauten die kleine Fr├╝hlingsfee unter einer dicken Pelzm├╝tze fragend an.

ÔÇ×Ich bin Alina, eine Fr├╝hlingsfee. Ich habe mich zu fr├╝h auf den Weg gemacht und mir dabei den rechten Fl├╝gel verletzt. Nun kann ich nicht so einfach zur├╝ck in mein Feenhaus fliegenÔÇť, erkl├Ąrte sie ihnen. Das Winterm├Ądchen schnaubte leise. ÔÇ×Dann hast du ja Gl├╝ck gehabt, dass wir dich gefunden haben. Oh, wie unh├Âflich! Wir haben uns noch gar nicht vorgestellt: Ich bin Miranda und das ist mein Bruder Miranus.ÔÇť

Freundlich zwinkerte der Feenjunge Alina zu. ÔÇ×Zeig deinen Fl├╝gel mal her. Vielleicht k├Ânnen wir ihn ja heilen.ÔÇť Etwas z├Âgerlich drehte sich die kleine Fr├╝hlingsfee um. Miranda fuhr leicht mit der kalten Hand ├╝ber die verletzte Stelle, sodass Alina kurz zusammenzuckte. ÔÇ×Der Fl├╝gel ist noch ganz, nur ein bisschen geknickt. Unsere Magie wird f├╝r die Heilung ausreichen. Halt jetzt bitte ganz still….ÔÇť

Die Wintergeschwister stellten sich ganz nah an den rechten Fl├╝gel, beugten sich vor und bliesen ihren k├╝hlen Atem auf die verletzte Stelle. Der Fl├╝gel wurde sofort von einer d├╝nnen Eisschicht ├╝berzogen. Alina sp├╝rte die K├Ąlte bis in ihre kleine Zehe, versuchte aber, sich nicht zu bewegen. Zuerst f├╝hlte sich der Fl├╝gel taub an, dann kribbelte er als w├╝rden kleine Marienk├Ąfer darauf spazieren gehen und dann… f├╝hlte er sich wieder normal an. Alina bewegte ihn leicht. Kein Schmerz mehr, kein Gef├╝hl mehr, dass etwas nicht in Ordnung war!

Jauchzend fiel sie Miranda und Miranus in die Arme. ÔÇ×Danke! Danke! Danke! Wie soll ich euch das nur zur├╝ckgeben.ÔÇť Die beiden schmunzelten. ÔÇ×Indem du noch ein bisschen mit uns spielst, bevor die Sonne untergehtÔÇť, schlug Miranus vor. Seine Schwester erg├Ąnzte: ÔÇ×Selbstverst├Ąndlich in passender Kleidung.ÔÇť Aus ihrem Zauberstab schwebten glitzernde Eiskristalle, die um die Fr├╝hlingsfee herumwirbelten. Alina blickte an sich herunter. ├ťber ihrem zarten Kleid trug sie jetzt einen pinken Mantel mit kleinen Wollpuscheln, die aussahen wie Schneeb├Ąlle. Auf ihrem Kopf sa├č eine von Silberf├Ąden durchzogene M├╝tze, die in der Mittagssonne nur so funkelte. Ihre F├╝├če steckten in warmen Stiefeln. Jetzt breitete sich auch auf Alinas Gesicht ein breites L├Ącheln aus. ÔÇ×Wetten eine Fr├╝hlingsfee ist schneller als eine langsame Schneekugelfee?ÔÇť, sagte sie und tippte Miranus auf die Schulter. ÔÇ×Du bist!ÔÇť

Die ungeduldige Fr├╝hlingsfee | Seite 3/3

Zartes Gr├╝n in strahlendem Wei├č,
des Fr├╝hlings hoffnungsvoller Verhei├č

Sie hatten den ganzen Nachmittag gespielt und waren jetzt ganz aus der Puste. Die Freunde lie├čen sich auf einem mit Moos bewachsenen Baumstumpf nieder. Alina f├╝hlte sich matt und ersch├Âpft. Eigentlich sollte sie wie die anderen Fr├╝hlingsfeen noch im Bett liegen und s├╝├če Tr├Ąume von duftenden Blumen und bunten Schmetterlingen haben.

Alina lie├č ihren Blick ├╝ber die weite Wiese schweifen. Da klingelte es leicht in ihren Ohren. Sie stand auf und folgte dem lieblichen Ton. Und dann entdeckte das Fr├╝hlingsm├Ądchen den gr├Â├čten Schatz dieser kalten Tage: das erste zarte Gr├╝n eines Schneegl├Âckchens.

Alinas Wangen wurden ganz rot vor Aufregung und Freude, aber in ihre Augen trat eine leichte Traurigkeit. Es w├╝rde noch dauern, bis das Schneegl├Âckchen vollends erbl├╝hte. Erst dann begann ihr geliebter Fr├╝hling.

Alina sp├╝rte einen leichten Windhauch, als Miranda und Miranus neben ihr landeten. Der Feenjunge sah den getr├╝bten Blick seiner Freundin. Da kam ihm eine Idee. Langsam streckte er die Hand nach dem zarten Pfl├Ąnzchen aus, lie├č sie zweimal darum kreisen, sodass sich um das Schneegl├Âckchen herum ein W├╝rfel aus Eis bildete. Dann gab er diesen Eisw├╝rfel der Fr├╝hlingsfee.

ÔÇ×Nimm ihn mit nach Hause. Ruh dich dort noch etwas f├╝r deine zuk├╝nftigen Abenteuer aus. Wenn das Eis geschmolzen ist, das Schneegl├Âckchen erbl├╝ht und die Melodie des Fr├╝hlings singt, wei├čt du, dass es Zeit ist, hinaus in die Welt zu fliegen. Aber beeil dich! Wir wollen uns schlie├člich noch einmal wiedersehen und voneinander verabschieden.ÔÇť

Eine Tr├Ąne rann Alinas Wange herunter. Sie dr├╝ckte Miranda und Miranus ganz fest an sich. Mit fester Stimme sagte sie: ÔÇ×Danke. Ich werde gut auf sie Acht geben. Bis ganz bald, ja?!ÔÇť
Zu Hause angekommen, stellte sie das in Eis eingeschlossene Schneegl├Âckchen auf ihr Nachttischchen und kuschelte sich in die warmen Decken. Ihre Augenlider waren schon ganz schwer vor M├╝digkeit. Leise fl├╝sterte sie: ÔÇ×Nun brauche ich keine Angst mehr zu haben, irgendetwas vom Fr├╝hling zu verpassen, denn du wirst mich mit deinem wunderbaren Lied wecken.ÔÇť

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Beitragsbild Kinderbuchautorin Anne-Katrin Paulke

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