Der Eierdieb vom Schnattersee

Ab 3 Jahre | ca. 5 Min. | Britt Älling

Darum geht's

Ernestine ist aufgebracht, denn eines ihrer Eier ist verschwunden. Graf Quakula kommt zur Hilfe, um das Osterfest zu retten. Dabei trifft er auf die Entenhexe Griselda.

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Der Eierdieb vom Schnattersee | Seite 1/2

Graf Quakula, ein Erpel mittleren Alters, landete auf dem Dach eines Bauernhau-ses. Von den Feldern trug ein lauer Abendwind den Duft nach frischem Gras und feuchter Erde mit sich. „Herrlich warm ist es fĂŒr Ende MĂ€rz“, dachte Quakula und blickte zufrieden auf das kleine Örtchen Seequaken am Schnattersee.

Alles war ruhig an diesem friedlichen Ostersamstag. Viele Jahre hielt er bereits den schĂŒtzenden FlĂŒgel ĂŒber die Gegend. SĂ€mtliche Bösewichter hatte er vertrieben.
„Eigentlich ist es fast langweilig“, gestand Quakula sich ein und kratzte sich mit dem FlĂŒgel am Kinn. Wenn es so ruhig blieb, wĂ€ren seine nĂ€chtlichen AusflĂŒge bald ĂŒberflĂŒssig.

Sein Blick wanderte zum Nachbarshaus. Dank seiner guten Augen konnte er direkt in das KĂŒkenzimmer im ersten Stock sehen – dort, wo Ernestine Quakstengl ihren Eiern wie jeden Abend etwas vorlas. Aber, oh je! Was war denn heute Nacht los bei Ernestine?

Die Ente saß in der Eierwiege – so, wie sie es immer tat, wenn sie vorlas. Allerdings kam nur ein tiefes Schluchzen aus ihrer Kehle.

Schnell flog Quakula zu ihrem Haus hinĂŒber und klopfte ans Fenster. Der Sims im ersten Stock war schmal, sodass er nur mit einem Watschelfuß landen konnte. Mit dem anderen fuchtelte er in der Luft herum, um das Gleichgewicht zu halten. GlĂŒck-licherweise ließ ihn Ernestine gleich ein.

„Ernestine, was ist denn los?“, fragte er besorgt.
Die Ente konnte kaum sprechen. „Buhu“, wimmerte es aus ihrem Schnabel. „Mein Entenei
“

Tröstend legte Quakula den FlĂŒgel um ihre Schultern und reichte ihr ein Taschen-tuch. Dabei fiel ihm eine rote Feder auf, die neben der Wiege lag.

„Als ich zum Vorlesen ins KĂŒkenzimmer kam, fehlte ein Ei
 buhuuu“, erzĂ€hlte Er-nestine endlich. Schon schĂŒttelte sie der nĂ€chste Heulkrampf.

Doch Quakula hatte genug gehört. Jetzt hieß es, schnell zu sein! Das Ei durfte nicht kalt werden. Ohne sich zu verabschieden, eilte er zurĂŒck zum Fenster und schwang sich hinaus in die LĂŒfte. Mit flinkem FlĂŒgelschlag schoss er wie ein Pfeil in Rich-tung Wald, genauer gesagt zu einer Anhöhe hinter Seequaken, auf deren Gipfel sich eine Lichtung – die Hexenlichtung – befand.

Schon aus der Ferne leuchtete ihm ein Feuer entgegen. Eine rotfedrige Ente kroch neben den Flammen auf dem Boden herum und schien etwas zu zeichnen. Weiter entfernt lag ein Besen im Gras.

„Wusste ich es doch, eine Entenhexe!“, dachte Quakula. Die rote Feder neben der Wiege hat sie verraten.

Fremdartig klingende Worte klangen aus dem Schnabel der Ente. Sie schien vollkommen vertieft in ihre Beschwörung.

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„Aber du bist ja noch ein Kind“, entfuhr es Quakula bei seiner Landung.

Mit verdattertem Ausdruck blickte das Entchen auf und hob einen FlĂŒgel – vermut-lich, um einem Zauber zu winken.

„Stopp! Ich tue dir nichts!“, schrie Quakula laut auf und hob beschwichtigend beide FlĂŒgelhĂ€nde.
„Was willst du von Griselda Kvakson af Lindblad?“, gab das Entchen mit einem Fauchen zurĂŒck und zog eine Grimasse. Das sollte wohl böse aussehen, wirkte aber eher verzweifelt.

Quakula verstand sofort, dass das Hexenkind Hilfe brauchte. „Hast du dich verflo-gen, Kleine?“, fragte er deswegen freundlich und lĂ€chelte vorsichtig.
„Verzaubert“, gab Griselda zu. Sie schluchzte laut. „Den Zauberspruch fĂŒr die RĂŒckkehr habe ich auch vergessen. Und morgen ist Ostern, da muss ich wieder zu Hause sein“, quakte sie endlich. „Ich bin doch eine schwedische Osterhexe.“

Quakula erfuhr, dass Griselda sich am Zauberbuch ihrer Eltern vergriffen hatte. Lei-der war etwas schief gegangen, und so hatte sie sich nicht in das Zimmer ihrer bes-ten Freundin gezaubert sondern an den Schnattersee. Zu allem UnglĂŒck hatte sie auch keine Ahnung, wie der RĂŒckkehrzauber lautete. Mit dem geklauten Ei hatte Griselda gehofft, sich rechtzeitig vor dem morgigen Ostertag wieder nach Hause zu zaubern, denn Enteneier trugen starke Magie in sich.

GlĂŒcklicherweise war dem Ei nichts geschehen. „Ich bringe das Ei zurĂŒck – seine Mutter vermisst es schon. Danach helfe ich dir, nach Hause zu kommen“, versprach Quakula. „Bei mir gibt es ein großes Zimmer voller BĂŒcher, auch ZauberbĂŒcher. Außerdem habe ich ein Telefon.“

Griselda nickte erleichtert, dann löschte sie das Feuer mit einem einfachen Zauber und holte ihren Besen fĂŒr den RĂŒckflug nach Seequaken.

SpĂ€ter am Abend gab es in Graf Quakulas Bibliothek ein paar Rauchwolken. Kurz darauf traf eine aufgeregt quakende Entenhexenfamilie ein, um Griselda mit zurĂŒck in den hohen Norden zu nehmen. Sowohl bei Ernestine Quakstengl als auch bei den schwedischen Osterhexen war das Osterfest nun gerettet.

Als sich die Entenhexen wieder in Rauch aufgelöst hatten, watschelte Quakula zum Fenster seiner Bibliothek. Zufrieden atmete er die frische Morgenluft ein. Am Ende fand sich immer eine Ente in Not. Es gab keinen Grund, in Rente zu gehen. 

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