Zauberei

Eine Gute Nacht Geschichte von Elli Janke

Als Mariett einen Zauberspruch spricht landet sie auf einer einsamen Insel. Dort macht sie eine Begegnung mit einem geheimnisvollen Tier und den Insulanern, dessen Sprache sie leider nicht verstehen kann. Doch trotzdem fĂŒhlt sie sich bei den Bewohnern des kleinen Dorfes heimisch und verbringt dort etwas Zeit


Nach Alter: Ab 6 Jahren

Nach Lesedauer: Ca. 5 – 10 Minuten

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„Hakaku Hakaku atakapukaju“. Es ruckelte und zuckelte. Mariett schoss wie der Wind in die Höhe, wurde mitgerissen, umfasste sich mit beiden HĂ€nden und schwups, landete sie mitten auf einer einsamen Insel. Juhu, es hatte geklappt. Schnell zog sie sich um, vertauschte ihre Winterklamotten mit Shorts, einem zerschlissenen Ă€rmellosen T-Shirt und zog ihre ausgelatschten Turnschuhe an, die sie in einer UmhĂ€ngetasche sicherheitshalber schnell noch eingesteckt hatte. Sie versteckte ihre Wintersachen im nahegelegenen GebĂŒsch, auf das sie ein paar Äste als Wiedererkennungseffekt legte. Dann steckte sie ihre wilden langen Haare zu einem Zopf hoch, zog ihr Cappy tief in die Stirn und besah sich neugierig die Insel, auf der sie gelandet war.

Denn sie hatte keine Ahnung, wo sie sich genau befand. Ihr Zauberspruch hatte sie auf irgendeine Insel gebracht. Vorsichtig und langsam lief sie in den tiefen Dschungel hinein, auf jedes GerĂ€usch lauschend. Plötzlich hörte sie einen seltsamen Laut, der wie ein langgezogenes Heulen klang und ihr liefen Schauer ĂŒber den RĂŒcken. Aber viel Zeit zum Nachdenken hatte sie nicht. Neugierig lugte sie um die Ecke, und da war es wieder. Huuuuh, klang es. Ein mit grĂŒnen Schuppen bedecktes dreibeiniges Tier schoss geradewegs auf sie zu, es war etwa so groß wie ein Fuchs, blieb genau vor ihr stehen und starrte ihr ins Gesicht. Es sah unheimlich aus. Die Zeit schien still zu stehen.

Mariett klopfte das Herz bis zum Hals. So viel Angst hatte sie selten gehabt. Sie wusste nicht, ob das seltsame Tier gefĂ€hrlich oder harmlos war, denn sie war nie einem Ă€hnlichen begegnet, nicht einmal in ihren vielen BĂŒchern, die sie schon alle gelesen hatte.

Sie rĂ€usperte sich, verbeugte sich vor dem seltsamen Tier, um ihm ihre Ehrerbietung zu zeigen, denn schließlich war sie in sein Lebensumfeld eingetreten und sprach es an: „Hallo, ich heiße Mariett und wer bist du? Ich bin aus Deutschland durch einen Zauberspruch hierher geflogen, den ich mir selbst ausgedacht habe.“

Das dreibeinige Tier, das aussah wie ein Fuchs, kam noch ein StĂŒckchen nĂ€her an Mariett herangehumpelt, schnupperte an ihren Beinen und musste ganz plötzlich niesen. „Tschi,“ so Ă€hnlich klang es. Wahrscheinlich war es von ihrem Geruch irritiert.

Mariett versuchte zu lĂ€cheln, das tat sie immer, wenn ihr etwas nicht geheuer war. Hatte sie was Falsches gesagt? Das Tier schnupperte noch einmal an ihr, dann drehte es sich plötzlich um und verschwand so schnell wie es gekommen war. Mariett wartete noch, ob es noch einmal zurĂŒckkommen wĂŒrde.

Als nichts geschah, ging sie ganz langsam tiefer in den Dschungel hinein. Sie hatte wieder Mut gefasst, denn das seltsame Tier hatte sich nicht weiter um sie gekĂŒmmert, also konnte es nicht gefĂ€hrlich sein. Die unbekannten GerĂ€usche klangen beinahe wie in einem Zauberwald. Um sie herum zwitscherte und gurrte es, ein Rascheln war zu hören, dann kam aus der Ferne ein tiefes Grollen, das sie erzittern ließ. Beinahe bereute sie schon, auf die fremde Insel gekommen zu sein, aber dann siegte doch ihre Neugier.

Von all dem Unbekannten um sie herum ĂŒbersah sie eine Wurzel direkt vor ihr, stolperte und fiel der LĂ€nge nach hin. Schnell stand sie wieder auf, klopfte sich den Dreck von den Hosenbeinen und spĂŒrte einen nagenden Hunger, den sie zuvor nicht bemerkt hatte, so versunken war sie in die neue Welt, die sich ihr auftat.

Wieder dachte sie an ihren Zauberspruch und wiederholte ihn leise: „Hakaku Hakaku atakapukaju“.

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Sie wurde erneut in die Luft geschleudert, herumgewirbelt und stand dann plötzlich mitten in einem kleinen Dorf. Überall standen RundhĂŒtten aus Lehm und Stroh, vor denen Menschen saßen, die in einer unverstĂ€ndlichen Sprache redeten und dabei wild mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen gestikulierten, als wĂŒrden sie ĂŒber etwas sehr Wichtiges debattieren. Als sie Mariett sahen, unterbrachen sie ihre Debatte, schĂŒttelten ihre Köpfe und winkten sie zu sich heran. Sie schienen nichts Besonderes daran zu finden, dass sie wie aus dem Nichts vor ihnen aufgetaucht war. Mariett ging nĂ€her heran, verbeugte sich wieder, wie sie es schon bei dem dreibeinigen Tier getan hatte und wartete dann erst einmal ab.

Die Insulaner lachten schallend ĂŒber ihr seltsames Verhalten, klopften sich auf die Schenkel und luden sie ein, sich zu ihnen zu setzen. Schnell setzte sie sich auf den Boden im Schneidersitz und wartete erneut. Sie hatte zwar mĂ€chtigen Hunger, traute sich aber nicht, es ihnen mitzuteilen. Doch die Dorfbewohner mussten es ihr angesehen haben, denn sie holten aus ihren HĂŒtten alles Essbare, das sie gelagert hatten und breiteten es vor ihr aus. Dann setzten sie sich im Kreis um sie herum und sahen zu, wie sie von all den unbekannten Köstlichkeiten probierte.

Da gab es gegrille WĂŒrmer, jedenfalls sahen sie so aus. Bananen, die gekocht waren und sĂŒĂŸlich schmeckten, GemĂŒse, das sie nie zuvor gesehen hatte, und alles schmeckte einfach himmlisch. Selbst das Wasser, das sie ihr zu trinken gaben, hatte einen ganz anderen Geschmack als zu Hause.

Obwohl sie kein Wort von dem verstand, was um sie herumgesprochen wurde, fĂŒhlte sie sich sofort heimisch und beinahe entspannt. Es war doch richtig gewesen, sich diesen Zauberspruch auszudenken, der sie in eine völlig unbekannte Welt auf diese Insel gefĂŒhrt hatte. Sie war beinahe glĂŒcklich. So ein tiefes zufriedenes GefĂŒhl hatte sie schon lange nicht mehr empfunden.

Als sie sich gestĂ€rkt hatte, hörte sie sich plötzlich selbst in einer merkwĂŒrdig fremden Sprache sprechen, die tief aus ihrem Inneren zu kommen schien und ungefĂ€hr so lautete: „Ohumanoka himuntaja.“ Sie wusste selbst nicht, was diese Worte bedeuteten, doch am Erstaunen der Menschen um sie herum musste es sich um etwas Wichtiges in ihrer Sprache handeln. Denn plötzlich war es ganz still geworden und beinahe andĂ€chtig schauten alle in ihre Richtung. Noch einmal hörte sie sich dieselben Worte sagen.

Dann schienen alle auf einmal zu reden, umringten sie, hoben sie hoch und reichten sie von einem zum anderen weiter wie in einem Kinderspiel. Anschließend betteten sie sie vorsichtig auf den Boden, deckten sie mit einer Decke zu und langsam fiel sie in einen tiefen Schlaf.

Als sie erwachte und sich umschaute, stellte sie erstaunt fest, dass sie zu Hause in ihrem eigenen Bett  lag. War alles nur ein Traum gewesen?

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Autorin: Elli Janke

Rezensionen zu dieser Geschichte

Leserbewertungen

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Rated 5 out of 5
5 von 5 Sternen (basierend auf 1 Bewertung)
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Zauberspruch

Rated 5 out of 5
21. November 2022

Eine tolle Geschcihte. Mit einem Zauberspruch in eine andere Welt entfĂŒhrt werden. Und mit Respekt fĂŒr andere Kulturen. Danke.

Wickramaratne
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