Gruselgeschichte für Kinder

Verfluchtes Halloween

Eine Geschichte von Inken Krüger

Hannah, Lina & Theo verbringen Halloween gemeinsam in einem stockdunklen Wald. Nach einer gewissen Zeit, sichten sie ein orangenes Licht, das immer näher kommt. Ab da bekommen es die drei ganz schön mit dem Schrecken zu tun und eine gruselige Nacht beginnt!

Nach Alter: Ab 8 Jahren

Nach Lesedauer: Ca. 10-20 Minuten

Verfluchtes Halloween | Seite 1/3

„Ich frier mir den Hintern ab, hier passiert doch heute nichts mehr“, jammerte Hannah und rieb ihre kalten Hände aneinander.

„Hier“, sagte Lina und kramte in ihrer Tasche, „meine Mama hat mir heißen Kakao mitgegeben.“ 

Sie reichte Hannah eine pinke Thermoskanne. Hannah zog eine Augenbraue hoch und nahm einen Schluck. 

Seit fast zwei Stunden saßen sie jetzt auf dem Hochsitz, direkt am Rand einer großen Wiese, umgeben von Wald. Es war stockdunkel, nur die Sterne und der Mond erhellten ihren Sitzplatz etwas. Unten waberte Nebel über den Boden. 

„Was hast du deiner Mama erzählt, wo du hingest? Du hast nichts verraten, oder?“, fragte Theo. 

„Ich hab ihr nur gesagt, dass wir bei Hannah übernachten, sonst gar nichts!“, verteidigte sich Lina, „und ich wäre jetzt auch lieber bei Hannah zuhause. Hier ist es unheimlich.“ 

Theo und Hannah kicherten. 

„Das muss so sein an Halloween. Du bist doch kein Schisser, oder?“, fragte Hannah und nickte Theo zu. 

Dieser begann zu erzählen: „Also, wir sind heute aus einem bestimmten Grund hier. Überall auf der Welt können an Halloween die Verfluchten einen Tag auf der Erde wandeln und man erzählt sich, dass hier auf der Wiese vor vielen, vielen Jahren ein Kürbisfeld war. Und ein besonders frecher Junge hat sich einen Spaß daraus gemacht, Löcher in die Kürbisse zu treten. Das Feld gehörte aber einer Hexe und sie erwischte den Jungen und verfluchte ihn. Seither muss er jedes Halloween mit einem Kürbis, statt seinem Kopf durch diesen Wald wandeln und ein anderes Kind finden, dass er der Hexe bringen kann, damit sein Fluch aufgehoben wird.“
Mit jedem Wort war seine Stimme leiser und heiserer geworden, sodass er sich jetzt räuspern musste. 

Hannah kicherte erneut, aber Lina war kreideblass. 

„Ich finde, dann ist es keine gute Idee heute hier zu sein“, sagte sie und schaute sich beunruhigt um.
„Quatsch“, winkte Hannah ab, „das ist doch nur ne Geschichte die Theo sich ausgedacht hat, um uns Angst einzujagen. Hier ist nichts und niemand. Und wenn nicht bald was passiert, geh ich nach Hause.“ 

Sie griff erneut nach Linas Thermosflasche mit dem Kakao, um sich die Finger zu wärmen. Lina zitterte ebenfalls und schlang die Arme um sich. „Wenn wir wenigstens Snacks mitgenommen hätten. Ich hab Hunger!“, maulte sie.
„Ihr seid solche Spaßbremsen“, stöhnte Theo und sah aufgeregt umher, „wenn ihr euch traut, geht doch runter auf die Wiese und geht dem Kürbisjungen entgegen.“ 

Lina schüttelte entschieden den Kopf und steckte die Hände tief in die Taschen ihrer Jacke, doch Hannah sprang auf.
„Gut, das machen wir, dann werden wir ja sehen. Komm Lina!“ 

Mit diesen Worten kletterte sie schon die Leiter des Hochsitzes hinunter. 

Lina zögerte und entschied sich dann mit Hannah zu gehen. Mit Theo und seinen Gruselgeschichten wollte sie nicht allein bleiben. 

Als sie unten angekommen waren, machten sich die beiden Mädchen am Waldrand entlang auf den Weg zur anderen Seite der Wiese. Der Nebel war so dick, dass sie schon nach kurzer Zeit den Hochsitz nicht mehr sehen konnten. Lina griff nach Hannahs Hand. 

„Du glaubst doch Theos Geschichte nicht wirklich, oder?“, fragte Hannah. 

„Weiß nicht“, gab Lina zu, „und du?“ 

Hannah schüttelte entschieden den Kopf: „Nee, der meint doch, nur weil er schon in der Sechsten ist, kann er uns sonst was erzählen. Ich glaub kein Wort. Guck, hier ist nix außer Spinnen und anderem Ekelkram.“
Sie deutete auf die Spinnenweben, die um sie herum taubedeckt von den Ästen der Bäume hingen.
Eine Weile liefen sie so nebeneinanderher, Hand in Hand, und nichts passierte. 

Verfluchtes Halloween | Seite 2/3

Plötzlich drückte Hannah Linas Hand und blieb stehen, den Blick tiefer in den Wald gerichtet. Und dann sah Lina es auch. Ein orangenes Licht hüpfte da auf und ab, verschwand immer Mal und tauchte dann wieder auf. Das war ganz sicher kein Glühwürmchen oder so. Und es kam näher. Sie standen wie angewurzelt da und starrten angestrengt zwischen den Bäumen hindurch. Das Licht verschwand kurz und tauchte dann wieder auf. Jetzt war es wirklich nah. Und sie konnten erkennen, dass es eine kleine Person war. Der Kopf schien zu leuchten und wirkte merkwürdig groß und unförmig…wie ein Kürbis.

„Lauf!“, schrie Hannah und dann rannte sie los. Lina dicht auf ihren Fersen. Sie rannten den Weg zurück, den sie gekommen waren, keine von ihnen traute sich, sich umzudrehen. Sie flogen nur so über den Waldboden, es war nichts außer ihren Stiefeln auf dem mit Tannennadeln bedeckten Waldboden zu hören. 

„Da ist der Hochsitz!“, rief Lina mit einem Mal erleichtert. 

Sie legten einen letzten Sprint hin und kletterten die Leiter hinauf. Völlig außer Atem standen sie auf der Plattform und schauten sich um. Nirgends war eine Gestalt oder ein Licht zu sehen. 

„Was geht denn bei euch ab?“, fragte Theo stirnrunzelnd. 

„Wir haben ihn gesehen!“, japste Lina und stemmte die Hände in die Seiten. 

„Wir haben Etwas gesehen“, korrigierte sie Hannah, „aber es scheint uns nicht gefolgt zu sein.“

Sie sahen sich noch eine Weile um, doch der Wald lag so verlassen und dunkel da, wie zuvor. 

Als sie wieder zu Atem gekommen waren, setzten sich die Mädchen wieder. 

„Ich möchte jetzt nach Hause gehen“, sagte Lina und packte ihre Tasche, „mir reichts, das ist nicht witzig.“

Auch Hannah begann ihre Sachen zusammen zu suchen. Dann fiel ihr Blick auf Theos Schuhe. Sie waren so dreckig wie die der Mädchen, aber er hatte doch die ganze Zeit auf dem Hochsitz gesessen und war nicht mit ihnen durch den Wald gerannt. Oder doch? 

„Du warst das!“, rief Hannah und deutete vorwurfsvoll auf Theos Schuhe. 

„Was war ich?“, fragte Theo verwirrt. 

„Du hast dich als dieser Kürbistyp verkleidet und uns da unten erschreckt. Deswegen ist er uns auch nicht gefolgt. Du hast vorher einfach eine Abkürzung zurück genommen. Das ist wirklich nicht witzig. Ich geh jetzt auch nach Hause!“ 

Hannah stand auf und schwang ihren Rucksack auf ihren Rücken.

„Nein, hört Mal, ich weiß nicht, was ihr da unten gesehen habt, aber ich wars nicht. Ich schwöre ich hab mir die Geschichte nicht ausgedacht, das ist wirklich so passiert mit dem Kürbisjungen, mein großer Bruder hat mir die Geschichte erzählt.“ 

Hannah schürzte die Lippen und wandte sich an Lina: „Komm wir gehen. Meine Mama lässt uns bestimmt eine Pizza bestellen und noch Fernsehen gucken, wenn wir uns jetzt noch rechtzeitig wieder reinschleichen.“ 

Sie kletterten hinab. Theo folgte ihnen. 

„Kommt schon“, rief er, als er sie eingeholt hatte, „ich bins nicht gewesen, seid nicht sauer auf mich. Was kann ich dafür, wenn ihr solche Schisser seid.“

Lina streckte ihm die Zunge raus und Hannah sagte: „Ich glaub es ist besser, wenn du nicht bei mir übernachtest. Ich habe keine Lust mehr auf deinen Gruselkram.“ 

„Schön, dann geh ich direkt nach Hause, habt Spaß bei eurem langweiligen Baby-Halloween.“

Verfluchtes Halloween | Seite 3/3

Schweigend liefen sie nebeneinanderher. Zwischendurch sahen sie sich immer Mal prüfend um. Es war nichts Außergewöhnliches zu sehen. Die beiden Mädchen rauchten vor Wut über Theos Scherz und darüber, dass er nicht Mal ehrlich zugeben konnte, dass er ihnen Angst einjagen wollte. Theo rauchte vor Wut, dass die Mädchen ihm nicht glaubten, er hatte sich keinen Scherz mit ihnen erlaubt und nur weitererzählt, was sein Bruder ihm erzählt hatte. 

Als sie schließlich aus dem Wald kamen, bog Theo in die erste Straße ab. 

„Na dann sehen wir uns in der Schule…verfluchtes Halloween“, murmelte er. Die Mädchen sagten nichts und sahen ihm nach, als er in seinem Garten verschwand. 

„Wir könnten gleich noch einen Film gucken“, schlug Hannah vor. 

„Ohja, aber erst müssen wir was essen“, lachte Lina und rieb sich den grummelnden Bauch. 

„Sei Mal still!“, flüsterte Hannah mit einem Mal und streckte den Arm aus, damit Lina stehen blieb. Sie sah sich um.
Hinter ihnen waren Schritte zu hören. Sie fuhren herum, doch es war nichts zu sehen. 

„Ich höre schon Sachen, die nicht da sind“, kicherte Hannah und drehte sich erleichtert wieder um. Nach einigen Metern war es Lina, die stehen blieb: „Jetzt hab ichs auch gehört!“ 

Sie sahen sich um. Und da war es. Sie kniffen die Augen zusammen. Aus einer mit Büschen bewachsenen Seitenstraße drang ein orangener Lichtschein. Er schien zu hüpfen und kam auf sie zu. 

„Oh Gott, der Kürbisjunge“, flüsterte Lina, unfähig sich zu bewegen. 

Und jetzt konnten sie sein Gesicht sehen, als sein Kopf im Vorbeigehen von einer Straßenlaterne erhellt wurde. Es war in der Tat ein Kürbis, groß und orangefarben und mit geschnitzten Augen und einem breiten Mund. Lina wimmerte. 

„Schluss mit dem Blödsinn!“, rief Hannah, „wir gehen jetzt zu Theos Mutter und erzählen ihr davon, mir reichts mit seinen dummen Streichen. Hörst du Theo?!“ 

Sie drehte sich um und lief mit festen Schritten zurück in die Richtung von Theos Zuhause. Lina brauchte einen Moment, um ihren Blick loszureißen und folgte dann Hannah. An der nächsten Ecke drehte sie sich um und stellte zu ihrem Schrecken fest, dass die Straße wieder wie ausgestorben war. Außer dem Schein der Straßenlaternen auf der nebeligen Straße war nichts zu sehen. 

„Er ist weg! Der Kürbisjunge ist weg“, flüsterte Lina erstaunt. 

„Diesmal kommt Theo aber nicht vor uns an, das ist unmöglich, diesmal gibt’s keine Abkürzung und das gibt richtig Ärger!“, sagte Hannah mit grimmiger Entschlossenheit. 

Als sie die Haustür von Theos Zuhause erreichten, drückte Lina mit zitternden Fingern den Klingelknopf.
„Ich freu mich schon auf das Gesicht seiner Mutter, wenn wir ihr das erzählen“, grinste Hannah schadenfroh.
Lina sah sich weiterhin um, aber außer ihnen war auf den Straßen niemand mehr unterwegs. Sie warteten einen Moment, bis sie Schritte von drinnen hörten. Und dann öffnete sich die Tür. Es war Theo. 

Lina und Hannah wechselten einen erschrockenen Blick. Sahen zu Theo, der bereits seinen Schlafanzug trug, und zur Straße die dunkel und ausgestorben da lag. Das war doch nicht möglich. Oder doch? 

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Autorin Inken Krüger

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